Stammtisch des Zabergäuvereins über jüdische Familien

Die rund 40 Teilnehmer im Ochsen in Frauenzimmern erlebten einen beeindruckenden Vortrag über die jüdischen Familien Stahl und Brandt aus Flehingen von Wolfgang Schönfeld. Er forscht schon seit Jahren über das Schicksal jüdischer Familien.
In Flehingen wohnten viele Juden mit Verbindungen zum Zabergäu. Als die Lage für die Juden in Deutschland immer bedrohlicher wurde, verkaufte Rosa Stahl 1938 ihren Lebensmittelladen. Von dem Teil des Erlöses, der nicht auf einem Sperrkonto landete, konnte sie gerade die Schiffspassage für ihre Familie von 1 326,75 RM und die zahlreichen Gebühren bezahlen, um ein Visum für Kuba zu bekommen. Als das Schiff dort anlegte, stellte sich heraus, dass von den 937 Passagieren fast alle einem Betrüger aufgesessen waren und mit dem Touristenvisum nicht an Land durften. Der Kapitän brachte seine verzweifelten Passagiere zurück nach Antwerpen. Die genannten Familien konnten in Frankreich unterkommen. Doch die Vichy- Regierung befolgte die Anweisung der Deutschen und siedelte die Juden nach Polen in einen "eigenen Staat" um - Auschwitz. Rosa Stahl wurde als einzige aufgrund ihres Alters nicht deportiert und hat dann mit 68 Jahren auf einem Frachter die beschwerliche Reise nach USA angetreten und dort mit unwahrscheinlicher Zähigkeit neu begonnen. sz

Eingestellt von: Heidrun Lichner
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