Im Dienst von Johann Sebastian Bachs „Matthäuspassion“

2. Welche Herausforderungen stellt die „Matthäuspassion dem Chor ?
Gerade eben vier schön strukturierte kommentierende Chorsätze entsprechen, die beiden Teile der Passion einleitend und beschließend dem Üblichen. Kniffligere Aufgaben bieten bereits die vielen Choräle. Mit hoher Symbolik hat Bach allein der Melodie von „Befiehl Du Deine Wege…“ eine Fülle unterschiedlichster Sätze unterlegt. In jedem gilt es einen anderen Ausdruck, einen schlüssigen Charakter zu treffen – für wenige Minuten und schon wartet die nächste, gänzlich andere Aufgabe auf den Chor.
Da sind die mal längeren, oft ganz kurzen „Turbae“ („Getümmel“) benannten Chorsätze, die einen ständigen Identitätswechsel verlangen. Mal stellen die Choristen durch ihren Gesang die Jünger Jesu dar, gleich danach die Hohenpriester und Schriftgelehrten, wechseln in die Rolle der Kriegsknechte, um einfach nur „das Volk“ zu verkörpern. Das erfordert vom Dirigenten wie von den Sängern höchste Präsenz – und ist doch allein mit solcher nicht zu bewältigen. Ein vertieftes, intensives Endringen in den Ablauf der Passionsgeschichte kann nur die Basis bilden für ein schlüssiges Vermitteln dieses extraordinären Werkes.

Eingestellt von: Stefan Skobowsky
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