Bilder aus dem türkischen Aleppo

Der Schulraum im kurdischen Verein war voll, als Rudolf Bürgel vom Verein "Flüchtlingskinder aus Diyarbakir" seinen Vortrag über den Bürgerkrieg im Südosten der Türkei begonnen hatte. Eingeladen wurde Bürgel von der Partei DIE LINKE, die Patenschaften für inhaftierte BürgermeisterInnen und Gemeinderäte aus der Region übernehmen möchte. Zahlreiche oppositionelle, demokratisch gewählte PolitikerInnen und unbequeme Journalisten abgesetzt und verhaftet. So verwaltet mittlerweile ein Statthalter der Regierung die Millionenstadt Diyarbakir, während ein Großteil der Stadtverwaltung brach liegt. An die 4000 LehrerInnen sind in der Kurdenmetropole entlassen worden, so dass an Schulunterricht nicht zu denken ist.
Dann zeigte der Karlsruher Referent Bilder aus dem Kriegsgebiet Türkei, dass die ZuhörerInnen sichtlich mitnahm. Ganze Stadtteile sind zerstört, sprichwörtlich dem Erdboden gleichgemacht, mit Hunderttausenden von Vertriebenen. Obdachlos gewordene Familien, die nun innerhalb der Türkei versuchen unterzukommen. Große Städte wie Cizre, Diyarbakir-Sur und Sirnak sind von den Angriffen türkischer Streitkräfte betroffen. Die dortige oppositionelle Bevölkerung zahlt für die politische Niederlage der Regierungspartei AKP, die im Sommer 2015 die Mehrheit verloren hatte. Die linke, prokurdische HDP konnte die 10%-Hürde überspringen und ins türkische Parlament einziehen. Nach diesem Wahlausgang wurde der Friedensprozess mit der PKK aufgegeben und eine Konfrontation provoziert, um die über die kurdische Bevölkerung hinausgehenden Sympathien für die fortschrittliche HDP zu schwächen. Zumindest konnte die AKP bei den Wahlen im November 2015 wieder die Mehrheit im Parlament erringen. Seither hat sich ein Bürgerkrieg gegen Teile der Bevölkerung entwickelt.
Orhan Ates vom kurdischen Verein berichtete von einem weiteren Patenschaftsprojekt, bei dem ausgebombte Familien mit monatlichen Spenden geholfen werden soll. In der anschließenden Diskussion fragten sich die erschütterten ZuhörerInnen, wieso Deutschland weiterhin Waffen in die Türkei liefert. Von humanitären Gründen kann hierbei nicht gesprochen werden.
Die Anwesenden wollen sich weiter dem Thema widmen und weitere Gesprächspartner der Heilbronner Zivilgesellschaft dazugewinnen, dabei soll dann auch eine Patenschaft mit einer verhafteten BürgermeisterIn besprochen werden.
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