Wald im Klimawandel-Retter und Opfer zugleich

Bad Friedrichshall: Verwaltungsstelle - Plattenwald | Der Leiter des Kreisforstamtes Martin Rüter stieß bei seinem PowerPoint-Vortrag „Wald und Klima im Landkreis Heilbronn“ in der Verwaltungsstelle Plattenwald auf großes Interesse.
Nach drei extremen Trockenjahren 2018 – 2020 kann unser Wald in 2021 regenmäßig zwar durchatmen, aber Trockenschäden sowie tierische und bakterielle Folgeschäden lassen keine Entwarnung für unseren Klimaschützer Nr. 1 zu.
M. Rüter stellte den Beitrag zum Klimaschutz durch unsere Wälder in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Wälder speichern in ihrer Biomasse (Holz, Nadeln, Blätter und Wurzeln) und im Boden Milliarden Tonnen Kohlenstoff. Dieser für uns Menschen notwendige Klimaschutz wird durch die zunehmende Klimaerwärmung außer Kraft gesetzt. Zusätzlich werden die Lebensgemeinschaften im Wald gefährdet. Hinzu kommen weitere negative Faktoren wie Stürme und Extremniederschläge. Die Forstwissenschaft versucht mit einem artenreichen, naturnahen, klimastabilen und multifunktionalen Mischwald aus Laub- und Nadelbäumen als Leitbild für den Kommunalwald gegenzusteuern. Inzwischen ist bekannt, dass die Fichte wegen der Trockenheit und dem Borkenkäfer in unserer Region keine Zukunft hat und die Esche wegen des aus Asien eingewanderten Pilzes durch das Eschentriebsterben großflächig ausfällt. Beide Baumarten mussten deshalb auch schon im Plattenwald gefällt werden. Die Neupflanzung mit Lärchen sah M. Rüter kritisch, da auch hier eine Borkenkäferart auf dem Vormarsch ist. Selbst die Douglasie bleibt inzwischen nicht von Schädlingen verschont. Schließlich leidet die Hauptbaumart, die Rotbuche, unter dem Trockenstress. Nur die Eiche ist z. Zt. noch weitgehend widerstandsfähig. Deshalb sind neue und alte Baumarten ins Gespräch gekommen: Die Lindenblättrige Birke, Walnuss, Speierling, Elsbeere, Wildbirne, Stechpalme, eine Kreuzung der Lärche, u. a. Nach Ansicht des NABU sollten aber für die Erhaltung strukturreicher Wälder 70% heimische Baumarten erhalten bleiben, sonst hat die Naturverjüngung keine Chance. Diese favorisiert auch Martin Rüter vor Neupflanzungen. Dazu wird das Alt- und Totholzkonzept in fast allen von Forst BW betreuten Wäldern umgesetzt. Er hält außerdem rd. 5 % nutzungsfreie Wälder, den sogenannten Waldrefugien, mit Habitatbaumgruppen für richtig und wichtig. Damit die Naturverjüngung eine Chance hat, muss daneben auch vor allem das Rehwild entsprechend bejagt werden.
Martin Rüter nannte drei Instrumente, um den Wald langfristig zu erhalten: „Mehr Artenvielfalt, kleine Bannwälder (Entwicklung ohne forstlichen Eingriff) sowie eine gelenkte Naturverjüngung standorttypischer Baumarten“.
An den fachlich hervorragenden und eindrucksvollen Vortrag schloss sich eine lebhafte Diskussion an. Horst Schulz und Vorstand Sibille Wersching bedankten sich für den Blick hinter die Kulissen unseres gefährdeten Waldes.
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