Warten auf das Wiedererwachen: Der BASE-Keller in Brackenheim

Der BASE-Keller heute als Jugendtreff beim Api-Gemeinschaftszentrum in Brackenheim, früher war es ein feuchter Kohle-Keller. Im Bild: Diakon Jochen Baral, Verantwortlicher der Apis im Bezirk Brackenheim. (Foto: Helga El-Kothany)
 
Der BASE-Schild als LOGO - hängt am Eingang zum Keller des BASE. (Foto: Helga El-Kothany)
 
Der Flyer heute vom BASE, dem Jugendtreff im Bezirk Brackenheim. Zur Zeit ist der BASE-Keller geschlossen wegen den Corona-Maßnahmen.
Brackenheim: Apis Brackenheim |

Im nächsten Jahr feiert der BASE-Keller der Apis 20. Geburtstag – Geburtsort des WAKE

von Helga El-Kothany

„Cool! Da gehen wir hin!“ Andreas Bauder erinnert sich immer noch sehr gern an das gemeinsame „Keller-Projekt“ der Jugendgruppen der evangelischen Kirchengemeinde Brackenheim und der Apis, auch wenn es schon fast 20 Jahre zurückliegt. „Es war ein offenes Angebot. Junge Menschen konnten etwas gestalten.“ Der Kellerraum des Apis-Gemeindezentrums in der Schlossstraße sollte zu einem Jugendtreff umgebaut werden, dem BASE.

„Vorsicht Rutschgefahr!“ Bis heute hängt das Schild am Treppenabgang zum Jugendkeller, auch wenn die Gefahr nicht mehr so groß sein dürfte, nachdem man nach dem Umbau auch größtenteils der Feuchtigkeit Herr geworden ist.
Damit sah es im Keller des etwa um 1870 erbauten Hauses nämlich nicht zum Besten aus. Seit 1948 wohnte Friedbert Kuhn mit seinen Eltern im Erdgeschoss des Wohnhauses, in der Dienstwohnung seines Vaters Albert Kuhn, Gemeindediakon im Kirchenbezirk Brackenheim. Feucht war der mit unebenen Steinplatten, einer rutschigen, nur notdürftig beleuchteten Kellertreppe und klemmender Holztür ausgestattete Gewölbekeller, der ihm noch gut im Gedächtnis ist. Er diente der Familie als Kühlschrank für Milch, Gemüse und „anderes Kostbares der armen Nachkriegszeit.“
Der Keller war für die Bewohner der drei Stockwerke mit Holzbrettern aufgeteilt. Briketts, Eierkohlen und Kartoffeln wurden darin gelagert. Durch die Feuchtigkeit seien die Bretter meist mit einem Schimmelbelag überzogen gewesen, den man wie eine Haut abziehen konnte, erinnert sich Friedbert Kuhn. Und: „Dass Kinder mit Singen ihre Angst bezwingen, wenn sie aus den dunklen Kellern Kohlen oder Kartoffeln holen sollen, ist mir nicht fremd.“
Weitere unangenehme Kellergeschichten aus Friedbert Kuhns Kindheit: Die Gülle aus dem Gülleloch neben dem Hauseingang habe sich einst über die Kellertreppe nach unten ergossen. Und dass das Haus überhaupt noch steht, ist wohl dem früheren Brackenheimer Gasmeister zu verdanken, der eine lecke Gasleitung im Keller mit seiner geschulten Nase erschnüffelte.

Die Idee, den Keller zu einem Jugendtreff umzuwandeln, kam mit Jochen Baral, dem jetzigen Diakon der Apis und früheren Praktikanten. Eine Idee, der Friedbert Kuhn zuerst wenig Chancen gab – wegen der Feuchtigkeit. „Und wegen der Umluft. Wie bekommt man einen Austausch hin?“ Das fragte sich damals auch Andreas Bauder.
Aber das Base-Team schaffte es. „Im Kellerausbau steckt viel Eigenarbeit“, erzählt Jochen Baral, „aber auch viel Hilfe von örtlichen Firmen.“ Und dass „generationenübergreifend“ gearbeitet wurde, hat Andreas Bauder beeindruckt. Die Wände wurden sandgestrahlt und damit die schönen Natursteine vom Kalkweiß befreit. Eine staubige Angelegenheit. Danach wurde der Fußboden neu belegt, eine Heizung installiert, neue Fenster eingebaut. Aus dem benachbarten kleinen Kellerraum, in dem jetzt ein toller Tischkicker steht, führt ein Notausstieg in den Garten. Ein Hingucker im Base-Keller ist die akribisch gemauerte Ziegelsteintheke.
Jochen Baral, zwischendurch als Landesmitarbeiter außerhalb Brackenheims tätig, bekam die Veränderungen bei seinen sporadischen Besuchen mit.
Mit dem Älterwerden und auch Wegzug des „Base-Teams“ verwaiste der Jugendtreff nach 2014. Erst als Jochen Baral 2016 als Diakon zurückkehrte, belebte sich der Keller unter Federführung von Jochen Buddrick erneut. Der Wasserschaden 2019 durch eine undichte Stelle in der Wasserleitung ist durch eine Grundrenovierung und dank Raumentfeuchter Vergangenheit.
Seit Corona ist der Keller, den man für alkohol- und rauchfreie Feste auch mieten kann, jedoch wieder verlassen. Sofagarnituren, Diskokugel, bunte Beleuchtung und die schicke Bar warten auf die Jugendlichen, die sich ein Stockwerk höher oder im großen Saal bzw. im Garten treffen.

Von BASE zu WAKE
Vor Corona fanden samstagsabends im Keller Treffen statt mit Spaß, Unterhaltung, geistlichen Gesprächen, Minigottesdiensten mit Lobpreissongs – und Tischkicker-Turnieren.
Aus den Veranstaltungen im BASE hat sich das WAKE entwickelt, Jugendgottesdienste in Kooperation mit den evangelischen Kirchengemeinden Brackenheim, Botenheim, Dürrenzimmern, Meimsheim und der Liebenzeller Gemeinschaft Schwaigern.

neu ergänzt zum Presseartikel (10.02.2022):
Mitarbeiter im BASE in der Gründungsphase 2002-2003

Nach gemeinsamen Gesprächen mit der Stadt und der Kirchengemeinde lautete im Herbst 2002 der Auftrag für den Praktikanten Jochen Baral (2002-2003) einen Offenen Jugendtreff zu gründen. Sogleich hatte er ein Team von begeisterten Jugendlichen zusammen, die diese Idee mit umsetzen wollten:
Andreas und Philipp Kuhn, Andreas Bauder, Johannes Lagler sowie Tina Kuhn, die sich vor allem um die kulinarische Seite kümmern wollte.
Im Frühjahr 2003 war das neue BASE-Team am Planen und Vorbereiten für die ersten Treffen, die sehr gut angenommen wurden: Viele Jugendliche aus dem ganzen Bezirk Brackenheim kamen vorbei und freuten sich über die "spaßigen und herausfordernden" Programmideen.
Neustart im Frühjahr 2017
Nachdem im Herbst 2016 Diakon Jochen Baral als neuer Hauptamtlicher im Bezirk Brackenheim bei den Apis angestellt wurde, traten einige Jugendliche an ihn heran, um den BASE-Keller und seine Idee für einen Jugendtreff wieder zu beleben.
Zum neuen dynamischen Team gehörten: Manuel Conrad, Jochen Buddrick, Marvin Rieger, Simon Hertner, Eva Hertner und Christian Fleischmann.
Nach vielen Gesprächen und manchen Renovierungsarbeiten startete das BASE am 18. März 2017 wieder neu.
Unterstützend war hierbei eine Aktionswoche (vom 13.-17. März) vor der Neu-Eröffnung mit dem US-Truck "Lifeliner" (von JFC, vgl. Presseartikel auf der Homepage). Dadurch konnte an den Schulen in Güglingen und Brackenheim eine Woche lang auf die Jugend-Projekte der verschiedenen Gemeinden im Zabergäu aufmerksam gemacht werden und auch das neue Projekt "Base" promotet werden.

Weitere Informationen findet man auf der Homepage der Apis:
https://brackenheim.die-apis.de/was-wir-tun/jugend-jugendgottesdienst/base-offene-jugendarbeit/
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