Jüdisches Leben in Berlichingen und Schöntal ( Teil 3 )

Bereits im 8. Jahrhundert wurde Berlichingen im Lorscher Codex
genannt.
Der Ort gehörte den Edelherren von Krautheim-Boxberg, und wurde von deren Ministerialen, den Herren von Berlichingen, verwaltet.
Die Herren von Berlichingen besaßen im Ort eine kleine Turmburg als Stammsitz.
Durch Schenkungen und Verkäufe der Berlichinger gelangte das Kloster Schöntal im hohen Mittelalter in den Besitz der Hälfte des Ortes Berlichingen, und der damit verbundenen Rechte.
Im 16. Jh. hatte Berlichingen eine große jüdische Gemeinde, die ihren Ursprung in der Zeit der Ansiedlung unter den Berlichingern hatte. Es war üblich daß jd. Bürger als Schutzjuden weltlicher oder auch kirchlicher Obhut unterstellt waren.
Bis Mitte des 19. Jh. leben rund 250 Juden in Berlichingen und machten 20 % der Bevölkerung aus.
Das im 12.Jh. erbaute Kloster Schöntal wurde 1495 dem Bistum Mainz zugeschlagen, und gewährte auch jüdischen Bürgern das Wohnrecht.
Seit 1805 gab es in Berlichingen eine Synagoge, ein Ritualbad, ( Mikwe) und viele Jahre auch eine Schule. Somit waren die Juden auch ein wirtschaftlicher Faktor in der Gemeinde, und für das Kloster Schöntal. Im Zuge der Säkularisierung wurde das Zisterzienser Kloster 1802 aufgelöst und der Ort unter württembergische Herrschaft gestellt.
Während der Novemberpogrome 1938 wurde die Synagoge und auch Wohnhäuser von Juden zerstört. Die jüdische Gemeinde wurde 1939 aufgelöst.
Oberhalb von Berlichingen, im Flurstück „ Judenbegräbnis“ liegt der große jd. Friedhof aus dem Jahre 1568. Er diente auch den Nachbargemeinden als Bestattungsplatz. Heute sind noch knapp 1200 Grabsteine erhalten. Der älteste Stein stammt aus dem Jahr 1659. Die Grabsteine können viel erzählen.
Hier nur einige Beispiele: abgeknickter Baumstamm oder Säule bedeutet früher oder plötzlicher Tod. Der Anker ein Symbol der Treue. Die abgeknickte Blume oder Rose ein Zeichen für den frühen Tod einer Frau, oder eines Kindes. Die Kanne weist auf eine levitische Herkunft hin. Die Leviten waren für im Tempel für die kultische Reinheit zuständig.
Bei Wanderungen um Schöntal habe ich schon öfter den unter großen Bäumen liegenden ruhigen Ort besucht.
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8 Kommentare
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Anneliese Herold aus Oedheim | 07.07.2021 | 17:43  
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Michael Harmsen aus Weinsberg | 07.07.2021 | 18:03  
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Uschi Dugulin aus Neuenstein | 07.07.2021 | 19:31  
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Elke Pfeiffer aus Neckarsulm | 07.07.2021 | 21:43  
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Monika Breusch aus Ellhofen | 07.07.2021 | 22:21  
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Heide Böllinger aus Bad Friedrichshall | 08.07.2021 | 10:20  
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Sigrid Schlottke aus Bad Rappenau | 08.07.2021 | 22:37  
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Gudrun Schickert aus Künzelsau | 10.07.2021 | 10:42  
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