Jüdisches Leben in Öhringen

Plakette an der ehemaligen Synagoge
Jüdische Bürger gab es in Öhringen bereits im hohen Mittelalter. Wie auch in Neckarsulm wurden Ende des 13. Jh. bei den Rintfleischpogromen viele Juden ermordet. Das gleiche Schicksal ereilte jüdische Bürger von Öhringen bei den Pestpogromen 1348/49.
Eine neue jüdische Gemeinde bildete sich im 19. Jh. im Rahmen der rechtlichen Gleichstellung.
Als Jüdische Emanzipation ab 1817 wird der Weg der Juden vom Rande der Christlichen Mehrheitsgesellschaft in die Mitte der Gesellschaft beschrieben. Mitte 19. Jahrhundert lebten dann schon wieder 180 jüdische Bürger in der Stadt.
Eine Synagoge wurde 1888 im ehemaligen Gasthof Sonne eingerichtet. Die Toten wurden auf dem Verbandsfriedhof von Affaltrach beerdigt.
In dieser Zeit waren die jüdischen Bürger gut in die Gemeinde integriert.
Es gab Viehhändler, Wein und Tabakhändler, sowie ein paar Fabriken.
In der nationalsozialistischen Zeit, bereits mit Gründung der NSDAP 1923 wurden die Juden in Öhringen verfolgt. Die Entwicklung der Judenverfolgung im Reich nahm auch in Öhringen ihren unrühmlichen Lauf.
In der Reichspogromnacht wurde die Synagoge zerstört und das Inventar auf dem Schillerplatz verbrannt. Die Synagoge im ehemaligen Gasthaus wurde als Jugendhaus umgebaut, welche Ironie.
Die Merzbacherstrasse erinnert noch an den jüdischen Kinderarzt Julius Merzbacher, der nach Majdanek deportiert und 1943 ermordet wurde.
Mich hat die Plakette an der ehemaligen Synagoge von Anne Frank sehr berührt.
Im April 1944, ein Jahr vor ihrer Ermordung in Bergen-Belsen schrieb Anne Frank
„ geschehene Dinge lassen sich nicht ändern, aber man kann dafür
sorgen das sie nicht mehr vorkommen“.

1910 wurde auf dem Galgenberg, im Flurstück Schönblick, ein eigener Friedhof mit Taharahaus angelegt. Die letzte Bestattung fand im Mai 1939 hier statt.
Heute sind noch 54 Grabsteine erhalten.
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Elke Pfeiffer aus Neckarsulm | 01.08.2021 | 13:43  
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