Leuchtendes Farbenspiel im Rathaus Ausstellung „Mehr als menschlich“ eröffnet

Bürgermeister Ulrich Heckmann eröffnet am 17.9. die Ausstellung im Güglinger Rathaus
 
Auch der Marktplatz ist Ausstellungsort
Strahlende Farben und beschwingte Musik erwarteten die Besucher der Vernissage am Sonntag im Foyer des Güglinger Rathauses, die durch ein Ständchen des Brackenheimer Akkordeonorchesters eröffnet wurde.
Zum Ende des Reformationsjahres haben die Bürgerstiftung „Kunst für Güglingen“ und die Evangelische Kirchengemeinde gemeinsam eine Ausstellung mit dem Künstler Wolfgang Tonne aus Lübeck auf die Beine gestellt.
Durch seine farbenfrohen Bilder strahlt nicht nur das Rathaus, freut sich Bürgermeister Ulrich Heckmann bei seiner Eröffnungsrede, sondern auch draußen auf dem Marktplatz ist die Kunst in Form von Bannern und Fahnen eingezogen, was Güglingen gut steht. Auch das Bushaltestellenhäuschen hat kräftige Farben bekommen.
Den Raum, den die Ausstellung damit einnimmt passt hervorragend zur Thematik. Wolfgangs Tonnes „Mehr als menschlich“ bewegt sich als Ausstellung im Spannungsfeld zwischen Kunst und Glaube. Dieses Feld spiegelt sich räumlich wider – der ganze Raum zwischen Kirche und Rathaus, dem gewohnte Ausstellungsort, wird Kunstraum, erläutert Aljoscha Kuch in seiner Einführung.
Obwohl die bildliche Kunst in der abendländischen Kultur oft eng mit dem christlichen Glauben verbunden war, besaßen Kunst und Glaube immer auch Ausschlusskriterien, die die jeweils andere Seite eingrenzten.
Die Kunst im 21. Jahrhundert sei sehr ausdifferenziert und schaffe so auch Chancen, dass konträre Ansätze nebeneinander existieren können. In den letzten Jahren habe sich im Forum Glaube und Kunst der Begriff des geistlichen Realismus herausgebildet, der für eine Position steht, die Kunst und christlichen Glauben zusammendenkt. Diesem geistlichen Realismus gehe es nicht darum, das sichtbare Materielle zu erfassen, sondern um eine überirdische Realität, wie sie die Bibel beschreibt und darum, ihr einen bildnerischen Ausdruck zu verleihen, so Kuch.

In der nun eröffneten Ausstellung verleiht Wolfgang Tonne einer Weltsicht Ausdruck, die vom Alten und Neuen Testament der Bibel geprägt ist. Zum Beispiel wird immer wieder die Geschichte vom verlorenen Sohn aufgegriffen, die zwei Motive in sich birgt.
Erstens, die Geschichte von den Menschen auf ihrem Lebensweg, in dem sie sich auch immer wieder verennen, verstricken, schuldig werden oder verletzt werden. Oft stehen die Menschen auch vor großen Enttäuschungen oder scheitern. Diese Tiefen des Lebens muss jeder aushalten und bewältigen. An manchen Stellen zwingen sie einen, in sich zu gehen, sich zu besinnen und vielleicht auch umzukehren.

Das andere Motiv folgt dem Titel der Ausstellung „Mehr als menschlich“ und zeigt die Sichtweise Gottes. Diese ist großzügig, sehnsüchtig, wartend. Gott empfängt mit offenen Armen, ist bereit zu vergeben, aufzunehmen und er ist nicht nachtragend. Stattdessen freut er sich und feiert ein Fest, beschreibt Pfarrerein Ruth Kern dieses Motiv.
Dieses Fest sticht einem gleich ins Auge, wenn man die Ausstellung im Rathaus betritt. Die kräftig-leuchtenden Farben nehmen einen sofort ein.

„Ich möchte Kunst machen, die alle Menschen anspricht“, so Wolfgang Tonne bei seiner Begrüßung. Und man hat den Eindruck, das gelingt ihm mit seinen Bildern. Er lädt alle ein, sich auf den Weg zu machen und von den Bildern berühren zu lassen. Die Frage „Wer bin ich selbst und mit welchen Dingen in meinem Leben habe ich vielleicht zu kämpfen?“ stellt sich vermutlich jeder Mensch. Und oft ist „live too much!“ so Wolfang Tonne. Auch das möchte er in den Bildern zeigen, auf denen oft Menschen zu sehen sind, die Wunden und Narben tragen, weil ihr Leben hintern ihren Wünschen und Sehnsüchten zurückbleibt.

Und doch bleibt immer die Möglichkeit, loszulassen, wieder durchzustarten, neu zu vertrauen und zu lieben.


Und wenn man Wolfgang Tonne am Sonntag in seiner lebensfrohen offenen Art erlebt hat und zum Abschluss der Vernissage den mitreißenden und fröhlichen Tönen des Akkordeonorchesters lauscht, macht sich das Gefühl breit, dass es tatsächlich so ist.

Die Ausstellung ist nun bis zum 3. Dezember zu besichtigen und im ausführlich Booklet, das zur Erläuterung im Rathaus ausliegt, erhält man einen anschaulichen Einblick in die einzelnen Werke.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.