Begleitendes Fahren - Führerschein mit 17

 

In über 20% der Verkehrsunfälle, mit Todesfolge oder Schwerstverletzten im Jahre 2003, waren junge Menschen zwischen 18 und 24 Jahren mit beteiligt. Zurückzuführen ist dieses Ergebnis auf mangelnde Fahrpraxis und Erfahrung in Gefahrensituationen. Dieser extrem hohe Anteil bedurfte einschlägiger Gegenmaßnahmen. Es wurde ein Konzept des begleitenden Fahrens entwickelt. Anstatt wie bisher, nur mit Sondergenehmigung aus wichtigem Grund, soll es auch regulär möglich werden mit 17 seinen PKW Führerschein zu machen.

Eine Begleitperson soll dem Führerscheinneuling Sicherheit geben und mit seinen Erfahrungen einen guten Start ermöglichen. Der Begleitperson wird dazu empfohlen an einer Informationsveranstaltung von Fahrschulen, Verkehrswachten oder regionalen Automobil-Clubs teilzunehmen um Situationen richtig einschätzen zu können und Erfahrungen gut zu vermitteln. Dieses Konzept wurde als einjähriges Modell von der Landesvertretung Niedersachsen im Jahre 2004 Landesweit eingeführt.

Die Ergebnisse übertrafen alle Erwartungen: Selbstverschuldete Unfälle konnten um 40% und Bußgelder um bis zu 60% gesenkt werden. Von den Ergebnissen überzeugt zogen bis ende 2005 sämtliche Bundesländer nach und führten ebenfalls das „Fahren mit 17“ ein. Fahren mit 17 ist allerdings auf die Klassen B und BE (PKW und PKW mit Anhänger) beschränkt. Die in der Klasse B enthaltenen Klassen M, L und S (Kleinkrafträder, kleine Landwirtschaftliche Zugmaschinen und Leichtmobile sowie Quads) dürfen aber ohne Begleitperson gefahren werden. Anstatt eines normalen Karten EU-Führerscheines wird eine Prüfbescheinigung vom TÜV ausgehändigt, bis das 18te Lebensjahr vollendet ist.

Danach muss die Prüfbescheinigung innerhalb drei Monaten beim Straßenverkehrsamt in einen Kartenführerschein umgetauscht werden. Bei Beantragung des Fahrens mit 17 müssen bereits ein oder mehrere Begleiter feststehen. Nachträgliche Ernennungen sind natürlich möglich, ziehen aber auch wieder neue Kosten mit sich.

Weitere wichtige Fakten:

Der Führerscheinneuling verpflichtet sich mit dem Fahren mit 17 nur in Begleitung der eingetragenen Begleiter zu fahren. Die Prüfbescheinigung darf nicht mit dem EU-Führerschein verwechselt werden. Es besteht nur Gültigkeit in Deutschland.

Die Begleitperson muss min. 30 Jahre alt sein und muss min. fünf unterbrechungsfreie Jahre den Führerschein der Klasse B (alte Klasse III) besitzen. Sie darf nicht mehr als drei Punkte haben, muss sich auch als Beifahrer an die Promillegrenze und die Drogenvorschriften halten und muss seine eigene Fahrerlaubnis stets mit sich führen.

Ein Begleiter übernimmt nicht die Rolle eines Fahrlehrers. Das Aufgabenfeld ist eher beratender Natur. Es soll Ruhe und Sicherheit vermittelt und auf die körperliche Fitness geachtet werden. Direktes eingreifen in das Fahrverhalten ist nicht erwünscht. Der junge Fahrer ist selbst der verantwortliche Fahrzeugführer.

Der Kfz-Versicherung muss mitgeteilt werden, dass das jeweilige Fahrzeug am „Fahren mit 17 Programm“ teilnimmt. Die Probezeit beträgt weiterhin zwei Jahre und kann somit frühestens mit Vollendung des 19. Lebensjahres abgeschlossen sein.
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