Hans Purrmann. Kolorist der Moderne

Hans Purrmann, Selbstbildnis, 1952 Foto Hans Purrmann Archiv, München
Heilbronn: Kunsthalle Vogelmann |

Pünktlich zum trüben November-Wetter zeigen die Städtischen Museen Heilbronn in der Kunsthalle Vogelmann eine Ausstellung, die mit ihrer intensiven Farbigkeit und besonderen Strahlkraft beeindruckt: „Bring mir die Farben!“ - soll der Maler Hans Purrmann noch kurz vor seinem Tod gesagt haben und bringt damit seine lebenslange Leidenschaft für die Malerei markant auf den Punkt.

1880 in Speyer geboren lernt er den Beruf des Stubenmalers im väterlichen Gewerbe. Mit 15 Jahren geht er an die Kunstgewerbeschule in Karlsruhe und wechselt zwei Jahre später an die Akademie der bildenden Künste in München. In der Malklasse von Franz von Stuck sind Paul Klee und Wassily Kandinsky seine Kommilitonen. 1905 lässt sich Purrmann in Paris nieder. Durch Bekanntschaft mit der legendären Familie Stein trifft er auf Henri Matisse – eine schicksalhafte Begegnung, die sein Leben maßgeblich mitbestimmt. An der Academié Matisse lernt er die hochtalentierte Künstlerin Mathilde Vollmoeller, seine spätere Ehefrau, kennen. Gemeinsam mit Matisse und befreundeten Künstlern reisen sie durch Südeuropa auf der Suche nach dem idealen Licht. Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges lebt Familie Purrmann in Beilstein, auf dem Familiengut Vollmoeller. Aufgrund einer chronischen Muskelerkrankung ist Hans vom Kriegsdienst befreit.

Zwischen den Weltkriegen reist er mit seiner Familie viel durch Europa. Der Wohnsitz wechselt zwischen Berlin, Rom, Langenargen und Beilstein, bis er 1935 Leiter der Villa Romana in Florenz wird. 1943 stirbt Mathilde Vollmoeller-Purrmann in München und Hans flieht in die Schweiz. In Montagnola im Tessin ist Hermann Hesse sein Nachbar, eine Freundschaft entsteht.

In der Nachkriegszeit wird Hans Purrmann als Künstler rehabilitiert und sehr geschätzt, viele Privatsammler interessieren sich für seine Gemälde. Bedeutende Museen, wie die Kunsthalle in Mannheim oder das Städel in Frankfurt, erwerben seine Werke. „Gestern wurden Bilder verkauft, die ich beim Künstlerbund angemeldet habe, also schon ehe sie ausgestellt waren“ schreibt Purrmann an seinen Sohn. Ein Höhepunkt seiner Karriere ist 1955 die Teilnahme an der ersten documenta in Kassel. Neben dem Gemälde „Stillleben mit Früchten und Vase“ werden dort weitere vier Werke Purrmanns gezeigt.. Es ist die Zeit des Übergangs zur abstrakten Kunst und Hans Purrmann arrangiert seine Stillleben programmatisch. Die Botschaft ist eindeutig: Entgegen der Zeitströmung bleibt er der gegenständlichen Malerei zeitlebens treu.



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