Ökumenischer Gottesdienst der Stadtteilökumene Heilbronn-Nordost am 15.10.

Heilbronn: Kath. Kirche St. Augustinus | Die 300 Sitzplätze der katholischen St. Augustinus-Kirche haben am 15. Oktober nicht ausgereicht für die zahlreichen Besucher des ökumenischen Gottesdienstes der Stadtteilökumene Nordost. In einer feierlichen Prozession zogen Vertreter der syrisch-orthodoxen, chaldäischen, katholischen, evangelischen (Nikolai-Wartberg und Frieden), methodistischen, baptistischen und erstmals der Neuapostolischen Gemeinde in die Kirche ein. Von jeder dieser Gemeinden kam in dem ca. 90-minütigen Gottesdienst mindestens ein Beitrag. Unter dem Motto: „HOCHMUT – DEMUT – MUT“ nahm der Gottesdienst im Gedenkjahr der Reformation zunächst Bezug auf den lange gehegten und mitunter immer noch präsenten HOCHMUT zwischen den Konfessionen. Wie spitze Pfeile flogen im Kyrie die alten Vorurteile durch den Raum, vorgetragen von Jugendlichen der gastgebenden Gemeinde: „Katholiken sind scheinheilig.“ – „Die Protestanten glauben an gar nichts.“ – „Baptisten sind eine Sekte.“ – „Die Methodisten wollen bessere Christen sein.“ – „Die Orthodoxen beten Bilder an.“ Sogleich folgte das Eingeständnis: „Heute tut es weh, dies so zu hören“ und „Wir stehen nebeneinander, aber wir sind noch nicht beieinander. Wir sind auf dem Weg, aber noch keineswegs am Ziel – auch das tut heute weh.“ Die feierliche aramäische Eingangsliturgie zur Evangelienlesung Mk 10,35-45 atmete eine hohe Wertschätzung vor den Worten der Bibel, die auf aramäisch, chaldäisch und deutsch gelesen wurden. Jugendliche der syrisch-orthodoxen Gemeinde Mor Ephräm führten anschließend ein Anspiel auf, das auf einem Schiff auf Kollisionskurs mit einem Felsenriff spielte. Unter den Gläubigen, die der Kapitän zum Gebet gerufen hatte, entspann sich ein Streit über die richtige Konfession. Ein Kind beendete den Streit, indem es an den Anlass des Gebets erinnerte und feststellte, dass wir all zum selben Gott beten können. Darauf erhob sich die ganze ökumenische Gemeinde zum Vaterunser. Ein starker emotionaler Augenblick! In seiner Predigt zur gelesenen Markusperikope stellte Pfarrer Steven Häusinger von der Wartberg-Gemeinde das Raubtierprinzip der Welt dem Hirtenprinzip Jesu gegenüber: einander abwerten und kleinmachen schwächt am Ende die ganze Gemeinschaft. Dass dies auch unter Christen geschieht, sollte ein heilsames Frösteln auslösen und einen Perspektivwechsel zu einer DEMUT im Sinne Jesu einleiten. Wenn die Einzelnen Mut zu einem neuen Miteinander wagen und beginnen, Gottes Schatz im Glauben der anderen zu suchen, dann werden alle entdecken, dass Gott sie immer schon als Brüder und Schwestern füreinander gemeint hat. In den von Vertretern aller Gemeinden gesprochenen Fürbitten schließlich äußerte sich eine große Portion MUT zu mehr gemeinsamem Zeugnis, Gebet und Dienst aller beteiligten Konfessionen. – Beim gemeinsamen Mittagessen im Anschluss an den Gottesdienst konnten ökumenische Kontakte vertieft werden. Ein begeisterter Gottesdienstbesucher schrieb rückblickend: „Ihr gestriger ökumenischer Gottesdienst war der schönste meines Lebens. Sogar meine Enkel hatten das Durchhaltevermögen so kurz nach der Kommunion. Anerkennung und Dank.“
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