Feuersalamander-Pest und Corona - Mithilfe von Wanderern und Mountainbikern dringend gefragt

Das "Regenmännchen" kann richtig alt werden: In der Natur bis zu 25 Jahre, in Gefangenschaft sogar bis zu 50 Jahre! (Foto: Bild von Harald Matern auf Pixabay)
 
Feuersalamander lieben es feucht und schattig. Eigentlich jagen sie nachts, an regnerischen Maitagen kann man sie mit Glück aber auch tagsüber treffen (Foto: Bild von SgH auf Pixabay)
Noch gibt es bei uns im Südwesten relativ viele Feuersalamander. Gerade wenn der Mai feucht ist, hat man die Chance, dem gelb-schwarzen "Regenmännchen" zu begegnen. Doch Salamandern und Kammmolchen droht eine tödliche Gefahr: der Amphibien-Pilz Bsal (Batrachochytrium salamandrivorans) – ein asiatischer Hauptpilz, der über Belgien kommend in NRW schon viele Bestände teilweise komplett ausgerottet hat. Er wurde nun sogar im Westen von Rheinland-Pfalz nachgewiesen. Wanderer, Jäger, Mountainbiker oder Reiter können die Pilzsporen übertragen – zum Beispiel, wenn sie Corona-bedingt in diesem Jahr in betroffenen Gebieten (Nordeifel, Pfälzer Wald, Hunsrück, Ahrtal) Urlaub machen und anschließend daheim wieder in die Wälder oder andere Feuersalamander-Reviere gehen.

Feuersalamander-Arten gibt es verschiedene, alle stehen auf der Roten Liste und unter Naturschutz. In Baden-Württemberg kommt hauptsächlich die gelb-schwarz gestreifte Unterart Salamandra salamandra terrestris vor. Das Muster eines jeden Tieres ist einzigartig und unveränderlich, so wie der Fingerabdruck bei uns Menschen. Doch auch schwarze oder weiße Tiere kommen gelegentlich vor. Feuersalamandern zu begegnen, ist Glückssache. Denn sie leben versteckt in naturnahen, von Quellbächen durchzogenen, feuchten Laub- und Mischwäldern unter Totholz, moosigen Steinen und zwischen Baumwurzeln. Das Feuersalamander-Leben im Verborgenen währt lange: bis zu 25 Jahre.

Nur gucken! Nicht anfassen!

Wenn die Nächte warm und regnerisch sind, dann sind die Schwanzlurche am liebsten auf Jagd, was ihnen den  Spitznamen "Regenmännchen" eingebracht hat. Dann stöbern die „Lurchis“ nach Bachflohkrebsen, Schnecken, Würmern und nicht allzu flinken Insekten. Bei langanhaltenden Regenfällen kann man sie ab Mai aber auch tagsüber antreffen. Oberstes Gebot ist dann: Nur gucken, nicht anfassen! Denn der Feuersalamander heißt nicht umsonst so: Das giftige Sekret, das der Salamander über Drüsen in seiner Haut absondert, brennt bei Kontakt in unseren Augen und Schleimhäuten.

Drohende Gefahr: Salamander-Fresser

Nur leider schützt das Hautsekret nicht vor dem Amphibien-Pilz Batrachochytrium salamandrivorans (Bsal). Dieser breitet sich seit wenigen Jahren in Mitteleuropa aus und befällt die Haut von Schwanzlurchen. Überlebenswichtige Funktionen wie beispielsweise die Hautatmung werden durch den Pilz gestört. Innerhalb weniger Tage verendet das Tier qualvoll - eine Rettung ist unmöglich. Weil der Pilz bereits so zum Massensterben von Feuersalamandern führte, wird er auch „Salamanderfresser“ oder „Salamander-Pest“ genannt.

Verhaltensregeln: Salamander-Pest eindämmen

Noch ist der Pilz in Baden-Württemberg nicht nachgewiesen, jedoch steht er wohl bald an unseren Landesgrenzen. Denn im Westen von Rheinland-Pfalz wurde er bereits nachgewiesen. Es gilt nun also die Ausbreitung des Pilzes eindämmen.

Bitte beachten Sie dringend folgende Hygieneregeln:

  • Reinigen Sie Ihre Schuhe und vor allem Schuhsohlen von Schmutz und desinfizieren Sie diese, nachdem Sie in einem Amphibiengebiet unterwegs waren. Also beispielsweise mit 70-prozentiger Alkohollösung (Brennspiritus) mit mindestens zwei Minuten Einwirkzeit.
  • Sind Sie mit Ihrem Mountainbike im Wald und insbesondere auf Trails unterwegs gilt ebenso: Reinigen und desinfizieren Sie Ihre Fahrradreifen analog der obigen Empfehlung!
  • Nehmen Sie Feuersalamander nur in die Hand, wenn es absolut notwendig ist, z. B. um ihn aus einer Gefahrenzone (Straße) zu retten und tragen Sie im Idealfall alkoholische Händedesinfektion auf oder Einweghandschuhe aus Nitril (synthetisches Latex).
  • Seien Sie besonders vorsichtig, wenn Sie bei der Amphibienwanderung oder -kartierungen helfen: Spätestens beim Nachweis kranker oder toter Tiere sollten Nitril-Handschuhe getragen werden. Ausrüstungsgegenstände wie Eimer sollten desinfiziert oder ausgetauscht werden, bevor sie an anderen Standorten zum Einsatz kommen.
  • Setzen Sie keine Amphibien im Freiland aus oder um, Sie könnten so ungewollte den Pilz in noch nicht infizierte Zonen einführen.
  • Dokumentieren und melden Sie kranke und tote Tiere bei der Naturschutzbehörde in Ihrem Landkreis.

Vielen Dank für Ihre Mithilfe!
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2 Kommentare
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Daniela Somers aus Untergruppenbach | 13.05.2020 | 21:05  
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Wandern mit d'r Gaby un em Erich aus Heilbronn | 14.05.2020 | 08:20  
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