Maikäfer: Untergründiger Typ mit seltenem Auftritt

Alle drei bis vier Jahren können wir Maikäfer durch die Lüfte trudeln sehen. Aufgrund des Klimawandel sind sie aber zumeist schon im April unterwegs (Foto: (Foto: Helmut Leßmann))

Wenn wir Maikäfer zu Gesicht bekommen, haben sie schon rund 98 % ihres Lebens im Untergrund verbracht. Denn es dauert drei bis vier Jahre, bis sie sich im Erdboden vom Engerling zum Käfer entwickeln. Wenn im Mai die Laubbäume sprießen, graben sie sich aus der Erde, um sich zu vermehren. Alle vier Jahre sind deshalb "Maikäferjahre". Doch der Ausflug ans Licht endet aus Menschensicht immer tragisch: Die Männchen sterben kurz nach der Paarung; die Weibchen, nachdem sie die Eier gelegt haben.

Die braunen, bis zu 25 mm großen Maikäfer sind eigentlich kaum zu verwechseln. Charakteristisch sind ihre fächerartigen Fühler, ein schwarzes oder braunes Halsschild und ein schwarzweißes Zickzackmuster an der Körperseite. Männlein oder Weiblein? Das lässt sich über die Fühlergröße ermitteln: Denn mit dem deutlich größeren Fühlerfächer spürt Herr Maikäfer die Damenwelt auf. Maikäfer-Arten gibt es viele. Feldmaikäfer (Melolontha melolontha) und Waldmaikäfer (Melolontha hippocastani) dürften wir fast alle von eigenen Beobachtungen in den Maikäferjahren kennen. In den Jahren dazwischen sind sie sehr viel seltener unterwegs. Die Unterscheidung der einzelnen Arten ist etwas für Experten. Meist fliegen die Dickerchen abends aus - laut brummend und ziemlich schwerfällig. Luftakrobaten sind sie beileibe nicht. Was sie wirklich gut können ist Fressen - bevorzugt an Eichen, aber auch an Buche, Ahorn, Kastanie und verschiedenen Obstbäumen. Ihre traditionelle Hauptflugzeit tragen sie zwar im Namen. Aber mittlerweile sind sie am stärksten in der zweiten Aprilhälfte zu sehen - eine Folge des Klimawandels.

Vorkommen und Lebensweise: kurzes Leben Am LICHT

Lässt der Maikäfer sein Engerling- bzw. Larvenstadium nach drei bis vier Jahren hinter sich und gräbt sich aus der Erde, dann hat er drei Ziele: Fressen, paaren und vermehren. Einen Laubbaum kann dies schonmal hart treffen, mit Fraß bis fast zur Kahlheit. Was kein Problem ist. Denn die meisten Bäume erholen sich wieder und bilden neue Blätter aus. Diesen typischen Blattaustrieb im Juni nannte man früher  "Johannistrieb", nach dem Gedenktag des Hl. Johannis am 24. Juni. Für die Maikäfer ist das junge Blattwerk elementar: Die Weibchen benötigen die Blätter, um etwa 100 Eier zu produzieren und mit etwas Kot in der Erde abzulegen. Und dann war`s das schon mit dem kurzen Käferleben.

Problematischer sind für die Bäume die Larven im Boden. Ganz am Anfang ernähren diese sich noch vom Kot, den die Muttertiere mit den Eiern abgelegt haben. Während ihres ersten Lebensjahres fressen sie die Wurzeln von Gräsern ab. Doch danach - und das sind eben mehrer Jahre - machen sie sich über die Wurzeln her. Gerade für junge Bäume kann die problematisch sein.

Leckerbissen nicht nur für tierische Feinschmecker

Umgekehrt geht es den schwerfälligen Brummern aber auch kräftig an den Kragen: Neben der diversen Vertretern der Vogelschar schnappen sich auch Fledermäuse gerne so fette Happen. In Bodennähe warten Wildschweine, Dachse und Igel. Die Engerlinge selbst picken sich von Amsel bis Grünspecht oder Krähe viele gefiederte Feinschmecker aus dem Boden. Und Maulwurf, Spitzmaus, Igel und Co. teilen ihre Vorliebe. Auch viele Insekten wollen ihnen ans Leben: parasitäre Dolchwespen, Steinkriecher (Gliederfüßer ), Laufkäfer, Raupenfliege, Raupen- und Schmarotzerfliege... Und früher gabe es dabei durchaus menschliche Konkurrenz: Noch bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts wurden die Käfer geröstet als Maikäfersuppe verspeist oder auch kandiert zum Dessert gereicht. Die Maikäfersuppe soll so ähnlich wie Krebssuppe schmecken.

Fast ausgerottet, heute wieder häufiger

Die Gefräßigkeit der Maikäfer wäre ihnen fast zum finalen Verhängnis geworden. Denn alle 30 Jahre kommt es zu Maikäfer-Plagen. Ein Rhythmus, der wohl im Zusammenhang mit Krankheiten und Parasiten steht, die die Käfer befallen. Im Jahr 1911 wurden auf einer Fläche von 1.800 Hektar 22 Millionen Käfer gesammelt, in Wien 1951 sogar eine Milliarde. Vor allem in den 1950er und 1960er Jahren wurde der Maikäfer mit Insektiziden großflächig bekämpft und fast ausgerottet. Sein Bestand hat sich erst in den letzten Jahren wieder etwas erholt. Weshalb er auch keine geschützte Art mehr ist. Chemische Bekämpfungsmittel gegen Maikäfer sind in Deutschland nur bei Gefahr im Verzug bei Massenbefall zugelassen, ansonsten werden biologische Methoden angewendet. So versucht man, mit den Sexuallockstoffen der Weibchen die Feldmaikäfer-Männchen in Fallen zu locken.

Unnützes Wissen

  • Ein französischer Gerichtsbeschluss aus dem Jahr 1320 befahl den Maikäfern, sich binnen drei Tagen aus einem bestimmten Gebiet zurückzuziehen. Sonst würden sie als vogelfrei gelten und ausgerottet werden. Ob das erfolgreich war, ist nicht überliefert.
  • Reinhard Mey hat den Maikäfern einen musikalischen Nachruf „Es gibt keine Maikäfer mehr” gewidmet.
  • Wilhelm Busch ließ Max und Moritz Maikäfer in Onkel Fritz` Bett legen.

Quellen und Nachweise: Dank an Herwig Winter vom BUND Hessen und an K. Schmiing (Diplombiologin) BUND Bundesverband.

Mehr rund um den BUND in der Region Heilbronn-Franken unter:
www.bund-heilbronn-franken.de
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