SOS Eichhörnchen: Junge brauchen unsere Hilfe!

Nur jedes vierte bis fünfte Jungtier überlebt die ersten Lebenswochen - um so wichtiger, dass wir uns um sie kümmern (Foto: pixabay.com)
 
Eichhörnchen-Mamas sind aufopfrungsvolle Mütter. Sie können ihre Jungen aber nicht immer schützen (Foto: Christine Ellerbrock_BUND BW)

Von März bis August kommen die Eichhörnchen-Babies zur Welt. Anders als bei vielen Jungvögel gilt: Wenn ein junges Eichhörnchen aus seinem Nest fällt, braucht es meist tatsächlich dringend unsere Hilfe. Gerade bei Stürmen wie in den letzten Tagen werden Eichhörnchennester (Kobel) oft zerstört und Jungtiere sind in großer Not.

Wie erkennt man, dass ein Eichhörnchen-Junges in Not ist? Schlicht formuliert: Wenn es seine Scheu vor Menschen ablegt und sich leicht einfangen lässt. Das kommt vor, wenn Eichhörnchen ihre Mutter verlieren - leider allzu oft im Straßenverkehr. Aber gerade bei stürmischem Wetter wie in den letzten Tagen kann es auch sein, dass der Kobel durch den Wind zerstört wurde, dann ist das Familienheim verloren und Hilfe lebensnotwendig. In solchen Situationen kann es sein, dass die Kleinen in ihrer Verzweiflung Menschen hinterherrennen oder ihnen sogar die Hosenbeine hochkrabbeln. Als Erste-Hilfe-Maßnahme ist es wichtig, die Jungtiere warm zu halten. Wickeln Sie das Eichhörnchen in ein Handtuch oder einen Schal. Wenn sie beides nicht zur Hand haben, hilft auch eine warme Jackentasche - der menschliche Herzschlag beruhigt das Kleine zusätzlich.

Erste Hilfe für einsame Jungtiere

Ist das Kleine gesichert, suchen Sie die Umgebung nach weiteren hilflosen Geschwisterchen ab. Ist die Mutter doch in der Nähe und der Kobel halbwegs intakt, setzen sie das Junge mit der wärmenden Hülle auf dem Boden ab und entfernen sich ein gutes Stück. Die Mutter wird versuchen, ihr Junges zurück ins Nest zu holen. Kommt Mama aber nicht zurück oder ist das kleine Hörnchen verletzt, dann muss Plan B greifen: Nehmen Sie das Kleine mit nach Hause und kontaktieren Sie dann bitte eine Wildtierauffangstation bzw. die Eichhörnchen-Expert*innen.

Hier wichtige Anlaufstellen:
Eichhörnchen Notruf: https://www.eichhoernchen-notruf.com/
Eichhörnchenhilfe Stuttgart: http://www.eichhoernchenhilfe-stuttgart.de/
Wildtierhilfe Baden-Württemberg: https://wth-bw.de/

SOS-HörNchen-Schoppen: Fencheltee mit HOnig

Bevor Ihnen von den Fachleuten geholfen wird, muss das Kleine mit einer selbst hergestellten Elektrolytlösung versorgt werden. Dazu werden 200 Milliliter Fencheltee mit einem Teelöffel Honig und einer kleinen Prise Salz gemischt. Eine Wärmflasche mit Körpertemperatur (!) hält das Jungtier in einer kleinen Kiste oder einem Korb warm.

Feinde im Garten

Auch wenn Eichhörnchen Anpassungskünstler sind, ist ihr Leben gefahrvoll. In unseren Siedlungsgebieten stellen ihnen zwar weniger Marder, Habichte und Eulen nach. Aber dafür gibt es eine unnatürlich hohe Dichte an Katzen - die nicht nur für unsere Singvögel, sondern auch für sie hochgefährlich ist. Die ersten Monate sind für die Jungtiere besonders gefahrvoll: Nachdem die Winzlinge in den ersten Wochen von der Mutter gesäugt wurden, verlassen sie irgendwann unerfahren den Kobel und sind leichte Beute. Da muss Mama blitzschnell reagieren und das Junge zurück in das Nest verfrachten. Nur jedes vierte bis fünfte Eichhörnchen überlebt die ersten Wochen. Obwohl ihre Mama sich aufopfernd um sie kümmert und erst nach etwa zwölf Wochen ihre Jungen verlässt. Erreicht ein kleines Eichhörnchen ein Alter von etwa sechs Monaten, liegt seine durchschnittliche Lebenserwartung bei ungefähr drei Jahren. In Gefangenschaft werden sie sogar bis zu zehn.

Alte Bäume wichtig

Der ursprüngliche Lebensraum des Eichhörnchens sind Wälder mit großen, alten Bäumen, die Lebensraum, Nahrung und Schutz bieten. In unseren Gärten und auf Streuobstwiesen liefern ihnen dies oft große Walnussbäume, Ostbäume und Haselnusssträucher. Werden diese Baumpersönlichkeiten innerstädtisch gefällt, nehmen wir den beliebten Knopfaugen die Lebensgrundlage. Immer häufiger bauen Eichhörnchen gezwungenermaßen ihre Kobel an ungeeigneten Orten wie Blumenkästen, Balkonen oder Hausfassaden. Um den Mangel an geeigneten "Kobel-Bäumen" auszugleichen, können Sie in Ihrem Garten den Eichhörnchen selbst eine Nistmöglichkeit anbieten. Eine Bauanleitung finden Sie hier.

Hörnchenfreundliche Gärten

Städte könnten aber wieder zu attraktiveren Lebensräumen für Eichhörnchen werden - wenn drei Komponenten vorhanden sind: Nahrung, Wasser und geeignete Nistplätze. Wie das gelingt? Die einfachste Regel: Alte Bäume stehen lassen! Diese bieten, besonders wenn Totholz vorhanden ist, auch für viele andere Tiere gute Lebensbedingungen. Ansonsten reichen oft schon ein paar Handgriffe, um den pelzigen Mitbewohnern zu helfen und den eigenen Garten ‚hörnchenfreundlich‘ zu gestalten: Pflanzen Sie nuss- und fruchttragende Gehölze, wie Haselnuss, Walnuss oder Buchen, Kastanien und Obstbäume. So können sich die sympathischen Nager mit genügend Vorräten eindecken. Wasser ist für Eichhörnchen, aber auch für Vögel, Igel und Insekten überlebenswichtig. Stellen Sie also bitte flache Schalen mit Wasser auf - ganz wichtig bei heißen Tagen für Tiermamas, die ihre Jungen noch säugen. Und: Sichern Sie Ihre Regentonnen und Teiche, damit Kleinsäuger, Vögel und Hörnchen nicht darin ertrinken. Fehlt noch das Thema "Nisten": Dafür braucht es neben einem sicheren "Zuhause" auch die Innenausstattung. Räumen Sie also Ihren Garten nicht ordentlich aus! Lassen Sie wilde Ecken, in denen Abgeblühtes, Laub und Geäst bleiben dürfen. So können Tiere wie Eichhörnchen oder Igel Material für ihr Zuhause sammeln.

Graue Hörnchen bei uns sind keine Eindringlinge!

Die Fellfarbe unseres Eurasischen Eichhörnchens (Sciurus vulgaris) variiert je nach Region und Jahreszeit stark und reicht von fuchsrot bis braunschwarz. Im Gegensatz zu den Britischen Inseln und Norditalien ist das Amerikanische Grauhörnchen bei uns noch nicht eingewandert. Dunkle Eichhörnchen sind also keine gefährlichen "Eindringlinge", die unsere heimischen "Roten" verdrängen. Es gibt keinerlei Gründe  schwarze oder graue Eichhörnchen zu verscheuchen. Sie brauchen unsere Hilfe genauso wie ihre "roten" Geschwister.
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2 Kommentare
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Daniela Somers aus Untergruppenbach | 29.06.2021 | 21:55  
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Uschi Dugulin aus Neuenstein | 17.07.2021 | 18:12  
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