Vorsicht: Giftfalle "bienenfreundliche" Pflanzen in Bau- und Gartencentern

Pestizidbehandelte, vermeintlich "bienenfreundliche" Pflanzen können zur Giftfalle für Bestäuber werden, wenn die Fluginsekten die schädlichen Insektengifte über Nektar und Pollen aufnehmen (Foto: pixabay.com)
 
Die 35 beprobten Pflanzen stammten von so bekannten Handelsadressen wie OBI, Hornbach, IKEA, Blume 2000 oder Dehner in Deutschland und Österreich (Foto: pixabay.com)

Wenn es um blühenden Schmuck für Balkon und Garten geht, greifen mittlerweile immer mehr Menschen guten Willens zu Pflanzen, die als „bienenfreundlich“ beworben werden. Eine aktuelle BUND-Studie deckt nun auf, dass viele Pflanzen, die da in Gartencentern und Bau- und Möbelmärkten angeboten werden, stark mit bienengefährdenden Pestiziden belastet sind. 

Der BUND hat Blühpflanzen auf Pestizidrückstände untersucht und zahlreiche Belastungen bei als "bienenfreundlich" beworbenen Gewächsen nachgewiesen. Gemeinsam mit einer österreichischen Partnerorganisation wurden in Bau- und Möbelmärkten sowie Gartencentern in Deutschland und Österreich 35 als bienenfreundlich deklarierte Pflanzen erworben (u.a. bei OBI, IKEA, Dehner, Bauhaus, Hornbach) und von einem unabhängigen Labor auf Rückstände von Pestiziden überprüfen lassen.

Das Ergebnis: Nur drei Proben waren unbelastet. 40 Prozent aller Proben enthielten hoch bienengiftige Pestizide. 9 Proben wiesen sogar zwei oder mehr für Bienen hochgiftige Pestizide auf. Ein Männertreu war z. B. mit 19 unterschiedlichen Wirkstoffen verunreinigt. Insgesamt wurden 55 unterschiedliche Pestizidwirkstoffe nachgewiesen, 12 davon sind besonders gefährlich für Honig- und Wildbienen. 40 Prozent der Pflanzen enthielten Pestizide, die zum Zeitpunkt des Kaufs keine Zulassung in der EU hatten. Die vollständigen Ergebnisse und den Bericht zum Zierpflanzentest finden Sie unter www.bund.net/zierpflanzentest

"Unser Test zeigt: Die momentane Praxis im Zierpflanzenanbau ist katastrophal für Bienen und andere Insekten", sagt Corinna Hölzel vom BUND. Aber auch Pflanzen wie Margeriten, Lavendel oder Lupinen könnten durchaus Rückstände bienengefährlicher Pestizide enthalten, so die Expertin. Bienen nehmen diese schädlichen Insektengifte über Nektar und Pollen auf. So wird die gut gemeinte Bienenrettung zur Giftfalle.

Pestizideinsatz im Zierpflanzenanbau

Europäischer Zierpflanzenbau geschieht in großem Stil auf Kosten des globalen Südens, von wo die Mehrheit der Jungpflanzen stammt. Dabei kommen Pestizide, die in der EU aus gutem Grund verboten sind, in den Produktionsländern wie Kenia oder Kolumbien alltäglich zum Einsatz - und gefährden dort die Gesundheit von Arbeiterinnen und Arbeitern sowie die Umwelt. Landen die Pflanzen dann bei uns im Handel, sind die Rückstände für Menschen zumeist nicht mehr belastend, für hiesige Bestäuber aber weiterhin gefährlich. "Besonders erschreckend ist, dass vier der in Deutschland gekauften und beprobten Blühpflanzen gar nicht hätten importiert werden dürfen. Denn sie waren mit nicht zugelassenen Wirkstoffen belastet", so Hölzel.

Um das Insektensterben zu stoppen und die Arbeitsbedingungen auf Blumenplantagen weltweit zu verbessern, fordert der BUND auf EU-Ebene strengere Kontrollen von Importware, eine deutliche Reduktion des Pestizid-Einsatzes innerhalb der EU und das Verbot bienengefährlicher Wirkstoffe. Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist die beste Empfehlung, Bio-Pflanzen zu kaufen oder Zierpflanzen, die vollständig in der Region gezogen werden. 
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4 Kommentare
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Daniela Somers aus Untergruppenbach | 08.06.2021 | 17:40  
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Anneliese Herold aus Oedheim | 08.06.2021 | 19:22  
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Magnus Diller aus Oedheim | 08.06.2021 | 19:28  
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Uschi Dugulin aus Neuenstein | 10.06.2021 | 06:30  
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