Naturverträglicher Windkraftausbau: ein Muss

Ohne Windkraft schaffen wir nicht die Loslösung von fossilen Abhängigkeiten. Bei ihrem Ausbau darf der Natur- und Artenschutz aber nicht unter die Räder kommen (Foto: pixabay.com)

Mehr Strom aus Windenergie zu erzeugen. ist für unsere Energieversorgung von zentraler Bedeutung. Der hohe Stellenwert der Windenergie ergibt sich bereits daraus, dass sie im ganzen Land verfügbar ist. Zwei Prozent der Landesfläche reichen aus, um bis zu 400 Milliarden Kilowattstunden (kWh) Strom pro Jahr zu erzeugen – dies entspricht etwa 75 Prozent des heutigen Stromverbrauchs.

Windkraft ist besonders flächeneffizient. Die Bodenversiegelung durch Masten ist minimal und nach 20 bis 30 Jahren können sie ohne bleibende Schäden und Strahlen- oder Giftmüllprobleme wieder abgebaut werden.

Windenergie an Land ist mit etwa 5 bis 10/kWh zudem die preiswerteste Form von Strom aus erneuerbarer Energien. Die Anlagen holen die für ihre Herstellung nötige Energie in ca. 5 Monaten wieder herein. Darüber hinaus erzeugt eine Windenergieanlage während ihrer 20-jährigen Laufzeit bis zu 70 Mal so viel Energie, wie für ihre Herstellung, Nutzung und Entsorgung benötigt wird.

Ein weiterer Pluspunkt: Windräder zu errichten ist erschwinglich. Sie können kooperativ von Genossenschaften, Stadtwerken oder Eigentümergemeinschaften betrieben werden, rund 80 Prozent der Windenergieanlagen sind in Hand dieser Betreiber*innen. Hinter einem Großteil der Windräder stehen Tausende von Eigentümer*innen – und nicht die Großkonzerne.

Ausbau nicht ohne Naturverträglichkeit

Die momentane Diskussion um die Probleme des Windenergieausbau darf nicht auf den Natur- und Artenschutz verkürzt werden. Es gibt gewichtigere Herausforderungen und Hemmnisse, wie die unzureichende Regionalplanung und fehlendes Personal in den Vollzugsbehörden, kaum nachvollziehbare Restriktionen zur Flugsicherung oder ein EEG-Ausschreibungsdesign, das eine Akteursvielfalt und eine bessere Beteiligung von Kommunen und Anwohner*innen behindert.

Am Montag hat die Bundesregierung ihre Eckpunkte einer Beschleunigung des naturverträglichen Ausbaus der Windenergie vorgestellt. Nicht alle Inhalte davon teilt der BUND. Die Geschwindigkeit, mit der jetzt für den Artenschutz gesetzliche Änderungen beschlossen werden sollen, muss unserer Ansicht nach stattdessen für die Solarpflicht auf Dächern und Parkplätzen, für verbindliche Vorgaben zum Energiesparen und einen sicheren gesetzlichen Rahmen verwandt werden, damit Bürgerinnen und Bürger, Kommunen und Unternehmen gemeinsam Energie produzieren, verbrauchen und teilen können.

Bei dem Ausbau der Windkraft sieht der BUND drei Ebenen der Einflussmöglichkeit und der Entscheidungsfindung:

  • Eignungsgebiete für Windkraftanlagen müssen im Rahmen der Landes- und Regionalplanung unter Beteiligung der Umweltverbände identifiziert werden.
  • Der BUND fordert, dass Naturschutzgebiete, Nationalparks und die europäischen Schutzgebiete des Netzwerks Natura 2000 absolut frei von Windkraft bleiben.
  • Auch innerhalb von grundsätzlich geeigneten Flächen braucht es eine genaue Prüfung, wo genau und wie eine konkrete Genehmigung für Windkraftanlagen möglich ist. Dabei ist sicherzustellen, dass die Störungen und Bedrohungen für Mensch und Natur minimiert werden.
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Magnus Diller aus Oedheim | 06.04.2022 | 19:24  
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