„Es ist wichtig, anderen Menschen zu helfen“

Der Verein Menschen in Not feiert am 7. Dezember im Gourmet Palast sein Jubiläum. 25 Euro aus dem Kartenverkauf gehen direkt an die Aktion. Die Heilbronner Stimme legt denselben Betrag oben drauf. Foto: Archiv/Mugler
 
Tilmann Distelbarth, der Verleger der Heilbronner Stimme.

Verleger Tilmann Distelbarth über das Jubiläum der Hilfsaktion Menschen in Not.

Jedes Unternehmen hat eine soziale Verantwortung, findet Tilmann Distelbarth. Der Verleger der Heilbronner Stimme erklärt im Interview, warum das auf ein Medienunternehmen im Besonderen zutrifft. Seit 50 Jahren sammelt die Redaktion mit der Hilfsaktion Menschen in Not Spenden. Im Jubiläumsjahr soll das Engagement ins Bewusstsein rücken. Gefeiert wird im Radio Ton Gourmet-Palast.

Was bedeutet Verantwortung für Sie persönlich?
Tilmann Distelbarth: Verantwortung heißt, nicht nur für sich selbst zu denken, sondern auch für andere zu denken und sich zu kümmern. Und zwar nicht nur ein bisschen, sondern konsequent.

Welche Rolle spielt das im Alltag?
Distelbarth: Privat bedeutet es, für Familie und Kinder Verantwortung zu übernehmen, sich zu kümmern und die Dinge zu Ende zu denken. Bei der Leitung eines Unternehmens heißt es, Verantwortung für die Zukunft, für Mitarbeiter und unsere Produkte zu tragen. Dazu gehört vor allem, nicht nur in den Tag hinein zu handeln, sondern in großen Linien zu planen.

Warum hat ein Unternehmen überhaupt soziale Verantwortung?

Distelbarth: In der sozialen Marktwirtschaft geht es nicht nur darum, den eigenen Gewinn zu maximieren, sondern auch insgesamt zu schauen, dass die Gemeinschaft funktioniert. Als Medienunternehmen haben wir im Zuge unseres demokratischen Auftrags eine besondere Verantwortung. Wir können jenen Menschen Gehör verschaffen, die im lauten Alltag sonst nicht gehört würden. Wir schaffen eine Plattform für die Probleme und zeigen Lösungsmöglichkeiten. Diesen Auftrag übernehmen wir sowohl redaktionell als auch unternehmerisch. Dabei stellt sich die Frage, was wir konkret tun können. Aus dieser Grundüberzeugung heraus ist Menschen in Not entstanden.

Wann haben Sie die Aktion zum ersten Mal bewusst wahrgenommen?
Distelbarth: Wenn ich zurückdenke, waren die Kinderaugen als Logo von Menschen in Not früh präsent. Auch wenn ich wie viele Jugendliche nur selektiv Zeitung gelesen habe, vor allem den Sportteil, habe ich aber immer die Artikel von Menschen in Not wahrgenommen.

Wie hat Ihr Vater Frank Distelbarth diese Wahrnehmung geprägt?

Distelbarth: Meinem Vater war Menschen in Not ein großes Anliegen. Er hat immer auch einen Teil seiner Zeit in soziale Verantwortung investiert. Auch in der Familie war für mich immer präsent, wie wichtig es ist, anderen zu helfen.

Seit der ersten Aktion 1970 sind die Anträge für Menschen in Not stetig gestiegen. Überrascht Sie das?
Distelbarth: Armut und Notlagen gab es immer schon und wird es leider immer geben. Früher hat vielleicht die Dorfgemeinschaft viel aufgefangen, heute ist das Leben anonymer geworden. Trotzdem wurde das Bewusstsein für den Unterschied zwischen Arm und Reich geschärft, und damit auch der Blick dafür, was man tun kann, um zu helfen. Die Medien haben gleichzeitig eine Öffentlichkeit geschaffen, Armut liegt nicht mehr im Verborgenen. Menschen in Not startete in den 60er Jahren, als das Wirtschaftswunder abflaute und man anfing, darüber nachzudenken, was man konkret gegen Armut tun kann. Heute gibt es eine Vielzahl an regionalen Aktionen, die zeigen, dass die Hilfsbereitschaft stark gewachsen ist.

Für die Aktion Menschen in Not trägt das Medienunternehmen alle Verwaltungskosten. Warum?
Distelbarth: Das hat etwas mit Glaubwürdigkeit und Vertrauen zu tun. Jeder gespendete Euro wird ausgeschüttet und nicht für Verwaltungskosten ausgegeben. Die gesamte Organisation, Sachkosten, auch die Arbeitszeit der Redakteure werden von der Heilbronner Stimme getragen. Dadurch können wir glaubwürdig nach außen treten. Darauf vertrauen die Menschen.

Warum feiern Sie das Jubiläum der Aktion mit einem Gala-Abend?
Distelbarth: Wir wollen vor allem Aufmerksamkeit schaffen und Spenden einsammeln. Das Jubiläum ist ein Aufhänger, um die Werbetrommel für Menschen in Not zu rühren. Es ist aber auch Gelegenheit, den Spendern zu danken, die mit uns diese Wegstrecke über ein halbes Jahrhundert zurückgelegt haben. Der Abend ist auch ein Zeichen dafür, dass es weitergeht und wir den Menschen in der Region helfen wollen.

Wer kann eine Karte kaufen?

Distelbarth: Jeder kann im Gourmet-Palast mitfeiern. Man kann da einen tollen Abend mit Programm und kulinarischem Genuss im Kreis von Freunden und Familie genießen. Und das Schöne daran ist, dass jeder automatisch Gutes tut: 25 Euro aus dem Kartenverkauf gehen direkt an die Aktion. Die Stimme legt denselben Betrag oben drauf. Unsere Erwartung ist, dass wir mit dem Abend deutlich mehr als 10 000 Euro für Menschen in Not einnehmen. 

Zur Person: 
Tilmann Distelbarth hat in Tübingen und Oldenburg Betriebswirtschaft studiert. Er arbeitete als Volontär beim Berliner Tagesspiegel und der Münchner Abendzeitung. Seit 1997 leitet er in dritter Generation das Medienunternehmen Heilbronner Stimme. Der 52-Jährige ist verheiratet und hat drei Kinder. 


Text von der HSt-Redakteurin Tanja Ochs 
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