Hilfe für Nachtschwärmer: tierfreundliche Beleuchtung rund um Haus und Garten

Tausende von "Mini-Monden" in Gärten, Parks und an Straßen leiten Insekten in oft tödliche Irre. Auch dies trägt zum Insektensterben bei. Doch dagegen können wir viel tun (Foto: Bernd Kasper / pixelio.de)
 
Die meisten Schmetterlingsarten sind Nachtfalter. Wie die Nessel-Schnabeleule sind sie hoch spezialisiert (Foto: Walter Eberl / pixelio.de)

Es war einmal eine Zeit, in der sich nachts fast alle Lebewesen an Mond und Sternen orientierten – Hunderttausende von Jahren lang. Die Gestirne waren die festen Fixpunkte der Orientierung, nicht nur für Seefahrer und Zugvögel, sondern besonders für die Spezialisten der Nacht: nachtaktive Tierarten. Zu ihnen zählt auch der überwiegende Anteil der heimischen Schmetterlinge. Viele davon stehen auf der roten Liste der gefährdeten Arten. Den Nachtfaltern reicht die geringe Helligkeit des Mondes von nur 0,002 bis 0,4 Lux für Futter- und Partnersuche. Sie orientieren sich am UV-Licht der Himmelskörper.


Tausende Mini-Monde leiten in die Irre

Seit rund 200 Jahren macht der Mensch die Nacht jedoch mehr und mehr zum Tag. Doch das künstliche Licht, das uns Sicherheit und Behaglichkeit vermittelt, bringt die Natur kräftig durcheinander. Statt einem einzigen Mond am Himmel, sind da plötzlich Tausende „Mini-Monde“: nicht nur Straßenlaternen, sondern Strahler an Kirchen oder historischen Gebäuden, an Parkplätzen, beleuchtete Schaufenster und Ladenschilder oder dekorative Gartenbeleuchtungen.

Umso größer der Kontrast zur Umgebungshelligkeit ist, desto stärker ist die Anziehungskraft. Vor allem in ansonsten dunklen Außenbereichen von Ortschaften haben einzelne Lichtquellen eine starke Anziehungskraft. Sind dann noch die Lampenschalen defekt, so dass Insekten nach innen dringen können, so werden z. B. Leuchtreklamen im ländlichen Raum (Sportstätten, Schützenhäuser etc.) zu regelrechten Insektenmassengräbern. Geschätzte 1 Milliarde Insekten sterben in Deutschland Nacht für Nacht alleine an Straßenlaternen – entweder sie verbrennen direkt oder sie verenden nach stundenlangem Umkreisen der „Mini-Monde“ aus Erschöpfung. Auch tagaktive Tiere stört intensive Beleuchtung in ihren lebensnotwendigen nächtlichen Regenerations- und Ruhephasen.

Es besteht dringender Forschungsbedarf, um die Auswirkungen von künstlichem Licht auf den Artenschwund und die Folgen für die Vegetation zu klären.

Tipps für Hausbesitzer: Artenschutz und Beleuchtung

Aber es gibt auch gute Nachrichten: Außenbeleuchtung und Artenschutz sind keine unlösbaren Gegensätze. Und da insektenfreundliche Leuchten auch zugleich energiesparend sind, bringen sie auch dem Geldbeutel Entlastung. Hier die wichtigsten Punkte, die Sie beachten sollten:

  • Eine der einfachsten Maßnahmen vorweg: Schließen Sie die Jalousien am Abend und löschen Sie die Lichter in ungenutzten Räumen
  • Beleuchten Sie nur Wege und Hauseingänge, wo dies aus sicherheitstechnischen Gründen unbedingt erforderlich erscheint.
  • Nutzen Sie Leuchten, die nur nach unten strahlen (Full-cut-off-Modelle). Denn eine Leuchte, die Licht breit in die Umgebung oder in den Himmel streut, lockt Insekten aus einem großen Umkreis an.
  • Verzichten Sie der Natur zuliebe auf Lichtdekor: Bitte keine dekorative Dauer-Beleuchtung, inszenierende Strahler, Schwimmleuchten in Teichen oder Atmosphärenlicht
  • Prüfen Sie, ob eine Beleuchtung in den Sommermonaten überhaupt nötig ist.
  • Steuern Sie Ihre Beleuchtungen über Bewegungsmelder oder eine Zeitschaltuhr und stellen Sie die Ausleuchtungszeit möglichst kurz ein
  • Berücksichtigen Sie bitte die Beleuchtungsstärke. Faustregel: Je heller, desto anziehender.
  • Verwenden Sie nur vollständig abgekapselte Lampengehäuse, in die Insekten nicht eindringen können
  • Verwenden Sie also keine (Solar-)Kugelleuchten und keine Bodenstrahler!
  • Nutzen Sie bitte energiesparende Lampen mit geringem UV-Anteil, ideal sind warmweiße LED-Leuchten (Light Emitting Diode) mit einer Farbtemperatur unter 3.300 Kelvin – das schont Tierwelt und Geldbeutel.
  • Montieren Sie die Lampe möglichst niedrig, dadurch reduzieren Sie die Fernwirkung der Leuchte
  • Verwenden Sie keine dauerleuchtenden Solar-Leuchten. Diese sind zwar in puncto Energieverbrauch umweltfreundlich – für Insekten sind aber sie genauso gefährlich wie stromfressende Leuchtmittel.

Schlafmangel? Lichtquellen reduzieren

Mit weniger Licht tun Sie aber nicht nur der Natur etwas Gutes. Zu viel künstliches Licht unterdrückt auch bei uns die Produktion des „Schlafhormons“ Melatonin, wodurch die innere Uhr des Menschen gestört wird. Dies kann wiederum zu Schlafstörungen führen. Deshalb minimieren Sie besonders auch in Ihrem Schlafzimmer künstliche Lichtquellen, wie z. B. Leuchtziffern, Stand-by-Anzeigen oder ähnliches.

Umweltfreundliche Grüße von Ihrem BUND-Regionalverband Heilbronn-Franken!
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Karsten Milentz aus Eberstadt | 07.07.2020 | 18:26  
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