Steinwüste statt Vorgarten: Was halten Sie davon?

Zunehmend auch in Heilbronn: Straße versiegelt, Gehweg asphaltiert, Zugang gepflastert – und der Vorgarten versteinert. Foto: Andreas Veigel
 
Asphalt, Steine, Gabionen: In den Wohngebieten wird Grün immer mehr verdrängt. (Foto: focus finder/ThomBal/stock.adobe.com)

Nicht nur in Heilbronn ein Trend, den Iris Baars-Werner mit einem Artikel in der Heilbronner Stimme aufgreift: Hausbesitzer lassen statt grünen Vorgärten graue und schwarze, bisweilen mit bunten Ornamenten durchzogene grobe Schotterflächen anlegen. Gefällt Ihnen das? Geben Sie Ihren Kommentar dazu ab.

"Ein Dorn im Auge" ist das leblose Grau der Schotterflächen vor vielen Häusern, welches das lebendige Grün verdrängt, für den Leiter des Heilbronner Grünflächenamtes Hans-Peter Barz. "Wenn man sieht, wie jede Pflanze systematisch verbannt wird, dreht sich einem als Gärtner der Magen um", findet er klare Worte. Dabei mag er sich nicht auf einen Streit über Geschmack einlassen: In den Städten sei der Versiegelungsgrad durch dichte Bebauung und Verkehrsflächen sowieso schon hoch, "wenn man jetzt noch die letzten privaten Grünflächen verschottert, versteinert und versiegelt" dann verstärke man das Problem. Das Kleinklima verändere sich gravierend: In den zunehmend heißen Sommern "heizen sich die Steine auf und strahlen nachts zusätzlich Wärme ab."
 

Keine Artenvielfalt

Neben dem Stadtklima verweist Barz auf die zunehmenden Starkregenereignisse. "Im Gras und mit Bepflanzung werden die Regenfälle gepuffert", bei den Steinflächen "aber rauscht das Wasser nur so durch". Die steinernen Gärten nennt auch Gottfried May-Stürmer vom Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) Heilbronn "schlecht für den vorbeugenden Hochwasserschutz", die durchschießenden Wassermassen überforderten vielerorts die Kläranlagen. Für ihn kommt hinzu: "Die Steine sind schlecht für die Artenvielfalt." 
Gärten, zumal mit heimischem Bewuchs, "sind normalerweise Lebensräume für allerlei Tierchen", gibt Hans-Peter Barz zu bedenken, "wenn die dort keine Nahrungsquellen mehr finden, hat das dramatische Auswirkungen". Keine Insekten, keine Singvögel: Darauf wies jüngst eine Studie hin.

Dass "die Monokultur der Tod vieler Insekten und Vögel ist", schreibt Heimatreporterin Moni Bordt. Zum Profil von Moni Bordt auf meine.stimmehttps://meine.stimme.de/weinsberg/profile/moni-bordt-4073.html. Sie fragt: "Warum müssen überall Steine in die Gärten gekippt werden?" Zum Beitrag "Einheimische Vögel und Insekten werden weniger: Haben Sie dennoch Fotos davon?" samt Kommentar von Moni Bordt: https://meine.stimme.de/heilbronn/natur/einheimische-voegel-und-insekten-werden-weniger-haben-sie-dennoch-fotos-davon-d22066.html. 

Von wegen pflegeleicht

Dass Steine pflegeleicht sind, hoffen manche Grundstücksbesitzer. „Das ist ein Schmarrn“, redet Jörg Biegert Klartext. Er hält ebenso wie Gottfried May-Stürmer die Schotterflächen baurechtlich für nicht zulässig: "Das ist keine Grünfläche, das Verarbeiten der toten Materie ist ein Bauwerk." Dadurch werde der rechtlich geforderte Anteil unbebauter Flächen verringert. Dabei hat der Gesetzgeber festgelegt, dass beim Hausbau der Eingriff in die Natur durch Grünflächen ausgeglichen werden muss.

"Wachsam wie ein Luchs" müssten Städte sein, sagt Dr. Christoph Böhmer, Leiter des Baurechtsamtes Heilbronn. Er ist "hell entsetzt", in welchem Ausmaß Steine eingesetzt werden. Heilbronn geht seit kurzem mit dem Baurecht dagegen vor. Im Bebauungsplan für den Neckarbogen sind erstmals "lose Material- und Steinschüttungen" verboten, auch für die Klingenäcker Sontheim soll diese Regelung gelten. In Alt-Gebieten aber seien dem Rathaus die Hände gebunden.
Haftungsausschluss

Die Neckarsulmer Baumschule Schimmele wehrt sich mit einem Aufdruck auf den Kassenbons: "Für Pflanzen, die in Steinflächen gepflanzt werden, wird keinerlei Gewähr übernommen." Gegen die "wahnsinnigen Temperaturen", die im Sommer um die Pflanzen entstehen, seien heimische Gewächse nicht gewappnet, sagt Thomas Schimmele. Er setzt auf Beratung der Kunden, etwa, dass hier "keine Biene, keine Hummel auch nur irgendeine Nahrung findet". Und dass die schwere Last den Boden verdichtet, so dass die Kleintiere im Untergrund leiden. Klara Krieger würde ergänzen: "Das Bild spielender Kinder ist in einem solchen Garten nicht vorstellbar." Für Jörg Biegert ist klar: "Das sind keine Biotope für Tier und Mensch."

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5 Kommentare
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Angelika Di Girolamo aus Künzelsau | 28.11.2017 | 14:32  
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Bündnis 90/Die Grünen, Kreisverband Hohenlohe aus Öhringen | 28.11.2017 | 14:40  
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Moni Bordt aus Weinsberg | 28.11.2017 | 15:28  
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Wolfgang Kynast aus Heilbronn | 28.11.2017 | 23:46  
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Sigrid Wengert aus Obersulm | 02.12.2017 | 15:22  
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