Die Geschichte der ehemaligen Kunst- und Kundenmühle in Kocherstetten, Teil 2

Die Mühle in den 50er Jahren, auf der Brücke Familie Abendschein mit Besuchern
 
Die renovierte ehemalige Mühle um 1978

"So schön wie in Kocherstetten ist es nirgends!", befand die kleine Familie Erwin und Gertrud Schäberle mit Tochter Ilse, nachdem sie auf der Suche nach einem neuen Firmenstandort, ausgestattet mit einer umfangreichen Liste der Landwirtschaftskammer Baden-Württemberg, kreuz und quer durchs Ländle gezogen war und etliche Orte besichtigt hatte.   

Die Voreigentümer waren Walter und Elise Heller, die einen landwirtschaftlichen Betrieb führten und das Anwesen mit den zwei Gebäuden und zugehörigen Grundstücken wie Hof und Gartenland an Familie Schäberle verkauften, weil sie wiederum einen Aussiedlerhof in der Haller Straße in Kocherstetten aufbauten. Die Mühle war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr in Betrieb. 

Die Firma Erwin Schäberle wurde im Jahr 1961 in Kocherstetten gegründet. Inhaber waren Erwin und Gertrud Schäberle. Als Zweck des Betriebes war "Apparatebau und Fassondreherei" angegeben, als Standort "Ehemalige Mühle von Kocherstetten, Haus Nr.56". Eine Straßenbezeichnung gab es noch nicht, heute ist es der Wasenweg.

Bis 1973 lief die Firma "Waagen-Schäberle" weiter, die es seit 1948 bis 1960 schon in Stuttgart-Zuffenhausen gab. Es war ein Handel mit Waagen für Apotheken und Pressen für Tinkturen. Etwa im Jahr 1958 wurde ein Gesetz erlassen, dass keine Apotheken mehr neu eröffnet werden durften. Dies war das Ende der Firma in Stuttgart-Zuffenhausen. Die verbliebenen  Restbestände wurden in geringen Stückzahlen noch in Kocherstetten verkauft. 

Als im Jahr 1981 Erwin Schäberle verstarb, führte seine Frau Gertrud zusammen mit ihrem Schwiegersohn Herbert Hespeler den Betrieb weiter unter der Bezeichnung "Erwin Schäberle, Präzisionsdreherei".
Der Kundenkreis erstreckte sich über die Kreise Hohenlohe, Schwäbisch Hall, Bad Mergentheim, Heilbronn und Stuttgart und reichte bis nach Österreich. 

Die Firma hatte etwa 6 feste Mitarbeiter und manchmal auch noch Aushilfskräfte.

Eine große Anzahl von Maschinen gab es in der Dreherei: Drehmaschinen für verschiedene Werkstoffmaterialgrößen, Revolver-Drehbänke, Tarex-Drehautomaten, Drehautomaten von Steinhäuser, Alzmetall-Bohrmaschinen, Spindel-Bohrmaschinen, Fräs- und andere Maschinen. 

Im Büro standen eine Schreibmaschine und eine Telefonanlage mit Faxgerät zur Erledigung aller anfallenden Arbeiten bereit, siehe auch Abbildungen 7 und 8.   

Während der ganzen Zeit wurden Erfinder, die ihre Ideen verwirklichen wollten, bei der Entwicklung und Fertigung unterstützt.   


Das Hochwasser im Dezember 1993 war ein Einschnitt für den Betrieb, in dessen Folge Mitarbeiter, Räume und Maschinen reduziert wurden.

So konnte eine neue Firma Einzug halten. Die Kocherstettener Firma MoTech mietete einige Räume, die aber nach wenigen Jahren nicht mehr ausreichten. Es folgte ein Neubau der Firma in Amrichshausen.

Im Jahr 2002 verstarb Frau Schäberle im Alter von 94 Jahren, und Herbert und Ilse Hespeler führten das Geschäft bis 2018 ohne weitere Mitarbeiter fort. 

Wichtig ist dem Ehepaar Ilse und Herbert Hespeler noch Folgendes:
"Die gelungene Renovierung der Gebäude 1978/79 verdanken wir auch den Meistern ihres Faches, die sich hier ein Denkmal gesetzt haben und den vielen, die dabei geholfen haben. Es waren die Handwerksbetriebe von Kocherstetten und Malermeister Drescher."


Schriftlicher Bericht von Frau Ilse Hespeler vom 19.02.2021, ergänzt im März 2021 

Fragen oder Ergänzungen bitte an: geschichte.gs-kocherstetten@web.de
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7 Kommentare
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Wolfgang Kynast aus Heilbronn | 15.03.2021 | 20:43  
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Grundschule Kocherstetten aus Künzelsau | 15.03.2021 | 20:47  
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Wolfgang Kynast aus Heilbronn | 15.03.2021 | 20:52  
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Angelika Di Girolamo aus Künzelsau | 15.03.2021 | 21:05  
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Elke Pfeiffer aus Neckarsulm | 17.03.2021 | 05:29  
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Angelika Di Girolamo aus Künzelsau | 17.03.2021 | 11:37  
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