Die Schule wird kleiner ... und wieder größer! (1960-1980)

Fröhliche Gesichter im Klassenzimmer der Grundschule Morsbach, mit Lehrerin Sieglinde Ludwig. Foto aus dem Album der Familie Gässler, Morsbach. Jahr: um 1966/67?
 
1959 in der Morsbacher Schulstube, mit Lehrer Johann Gässler, Quelle: Künzelsauer Heimatbuch Band II, Abb.861, S.465, J.H. Rauser, 1984
 
Volksschule Morsbach um 1929, Quelle: Jürgen Hermann Rauser, Künzelsauer Heimatbuch Band II, Abb.859, S.465

Aus der Volksschule Kocherstetten wird die Grundschule Kocherstetten (1966)

Das Kultusministerium des Landes Baden-Württemberg entwickelte in den Sechziger Jahren das Bildungswesen Schritt für Schritt fort, um die in der Verfassung niedergeschriebenen Grundrechte, darunter das Recht auf Bildung, zu garantieren und damit die noch junge Demokratie zu stärken.

Jedes Kind sollte unabhängig von der Herkunft gleiche Bildungschancen wie alle anderen erhalten. Im konservativ geprägten Baden-Württemberg war man davon überzeugt, dass das auf der gemeinsamen Grundschule aufbauende dreigliedrige Schulsystem diesem Anspruch genügen würde.

Im Jahre 1966 wurden die Schularten umbenannt: aus Volksschule wurde Grund- und Hauptschule, aus Mittelschule Realschule und aus Oberschule wurde Gymnasium.

Nach dem Besuch der vierjährigen Grundschule für alle sollten die Schüler nach jeweiliger Begabung und Leistung die Hauptschule (bis Klasse 9), die Realschule (bis Klasse 10) oder das Gymnasium (bis Klasse 13) besuchen.

Die Eignung für die Realschule oder das Gymnasium wurde durch eine Aufnahmeprüfung festgestellt, (ein Verfahren, das meines Wissens nach allgemein akzeptiert wurde; Anmerkung der Verfasserin). Erst rund 20 Jahre später wollte man den Schülern den vermutlichen Stress einer solchen Prüfung ersparen (manche sprachen gar von einem Grundschulabitur!) und führte mit Probe-, später Orientierungsarbeiten, die im Laufe der Jahre immer weniger stark gewichtet wurden, und Beratungsgesprächen mit den Lehrern andere Übergangswege ein; bis schließlich, seit 2012, die Entscheidung für die Schulart nach Beratung durch die Lehrer allein in die Verantwortung der Eltern gelegt wurde.

Für sehr viele Volksschulen in ländlichen Gebieten bedeutete die Schulreform der Sechziger Jahre den Wegfall der oberen Klassen oder gar die komplette Schließung der Schule.
Die Zahl der Volksschulen wurde in etwa halbiert, denn in der Bildungspolitik herrschte die Meinung vor, größere Schulen könnten einen besseren Unterricht gewährleisten als kleinere Ein- oder Zweiklassenschulen. Dabei war die Machbarkeit eines nach Klassenstufen differenzierten Fachunterrichts ein entscheidender Gesichtspunkt.

Die Volksschule Kocherstetten musste 1966 die Klassen 5-8 abgeben, durfte aber die bisherige 'Unterstufe' behalten und war ab 1966 eine reine Grundschule mit 44 Schülern und zwei jahrgangsgemischten Klassen: 1/2 und 3/4.

Auch die Volksschulen in Morsbach und in Nitzenhausen wurden 1966 zu reinen Grundschulen, davon später mehr.

Im Schuljahr 1965/66 machten also die letzten Schüler ihren Abschluss an der Volksschule Kocherstetten, die sie 8 Jahre lang besucht hatten. Ab dem Kurzschuljahr 1966, das nur von April bis Dezember 1966 dauerte, gab es in Kocherstetten nur noch die Grundschule. Ab Klasse 5 ging es für die Schüler in Künzelsau weiter, wo alle drei Schularten vertreten waren.

Wie schon zu alten Zeiten gingen auch 1966 die Schüler aus Kocherstetten, Mäusdorf, Kügelhof, Bienenhof, Vogelsberg und Buchenmühle in die Grundschule Kocherstetten - die Auswärtigen fuhren allerdings mit dem Schulbus, denn die weiten Fußwege wollte niemand mehr den Kindern zumuten. Sie waren durch den zunehmenden Straßenverkehr auch immer gefährlicher geworden.

Ausweitung des Schuleinzugsgebietes der Gs Kocherstetten (1975)

Aus der früheren Volksschule Morsbach wurde ebenfalls 1966 eine Grundschule, doch 1975 wurde sie  aufgelöst und die in Morsbach wohnenden Grundschüler gingen seitdem in die Grundschule  Kocherstetten. (Quelle für die Jahreszahl 1975: Stefan Kraut, Festschrift 100 Jahre Schulhaus Kocherstetten, S.34)

Der Schulbezirk der Grundschule Kocherstetten wurde um Morsbach erweitert, aber die beiden Schulräume in Morsbach wurden weiter genutzt, da es in Kocherstetten nicht genügend Klassenzimmer gab. Einen Erweiterungsbau in Kocherstetten gab es zu der Zeit aus Kostengründen  nicht, da in Künzelsau selbst mehrere große Schulbaumaßnahmen zu stemmen waren.

Drei Klassen wurden in Kocherstetten, eine im Schulhaus Morsbach unterrichtet. Dies hatte man nach einvernehmlicher Absprache der beiden Schulleitungen bereits seit einigen Jahren (erstmals 1971 ?) so praktiziert.

Die frühere Lehrerin (seit Schuljahr 1965/66) und Leiterin (seit 1966/67) der Grundschule Morsbach, Sieglinde Ludwig, wurde Teil des Kollegiums der Grundschule Kocherstetten und unterrichtete als Klassenlehrerin weiter überwiegend im Schulhaus Morsbach, wo sie bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 2004 auch wohnte.

Ähnlich, wenn auch mit einem Umweg, verhielt es sich mit der Volksschule, später Grundschule Nitzenhausen. Seit 1966 wurden die Klassen 5 und höher abgetrennt und gingen nach Hermuthausen, im Jahr 1969 wurde die Grundschule Nitzenhausen stillgelegt. Zunächst gingen die Schüler zur Grundschule Hermuthausen, nach deren Schließung im Jahre 1975 ebenfalls nach Kocherstetten.

Der Schulbezirk der Grundschule Kocherstetten wurde damit deutlich größer: Nitzenhausen, Berndshausen, Lassbach, und kleinere Ansiedlungen wie Sonnhofen, Wolfsölden, Falkenhof und Rappoldsweilerhof kamen dazu.

Abschließend die Schülerzahlen im Überblick:

Volksschule Kocherstetten:
(1921 , 142 Schüler in 2 Klassen, siehe Abb. 20)
Mai 1965, 81 Schüler in 3 Klassen

Grundschule Kocherstetten:
Mai 1966, 44 Schüler in 2 Klassen
Februar 1967, 46 Schüler
Oktober 1968, 43 Schüler
Oktober 1969, 58 Schüler
Juli 1970, 62 Schüler
Juli 1971, 68 Schüler
Oktober 1972, 68 Schüler
September 1973, 71 Schüler (davon 32 aus Morsbach)
September 1974, 79 Schüler (davon 30 aus Morsbach)
September 1975, 138 Schüler!!! (davon 48 aus Morsbach und  ? *  aus eh. Schulbezirk Nitzenhausen)
September 1976, 149 Schüler in 5 Klassen (Klasse 1 doppelt geführt)
September 1977, 146 Schüler
August 1978, 141 Schüler
Oktober 1979, 127 Schüler
Oktober 1980, 120 Schüler in 4 Klassen 
(Oktober 2013, 60 Schüler in 4 Klassen, siehe Abb.23)


Eine große Bitte:

Sie waren selbst Schülerin oder Schüler an einer der genannten Volks-/Grundschulen und möchten mithelfen, die Schulgeschichte(n) vorm Vergessen zu bewahren?

Dann können Sie Änderungen, Korrekturen, Ergänzungen entweder als Kommentar bei diesem Beitrag schreiben (Anmeldung beim Portal erforderlich) oder per Mail schicken an:

geschichte.gs-kocherstetten@web.de

Auch über weiteres Bildmaterial würden wir uns sehr freuen!

WIR = Rektor Steffen Gahm mit Kollegium, siehe http://www.gs-kocherstetten.de/
           und 
           Angelika Di Girolamo, Kocherstetten,
           begeisterte Beauftragte für Schulgeschichte :-))
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