Näher hingeschaut: Don Camillo und Peppone auf der Piazza Giuseppe Verdi / Busseto, Emilia / Urlaubsnachlese

Don Camillo und Peppone als Pappkameraden vor der Kirche San Bartolomeo, Busseto
 
Wer kann da widerstehen, sich zu den beiden Protagonisten des 1952 erschienenen Filmes zu gesellen?

Die Piazza Giuseppe Verdi im Städtchen Busseto ist ein beliebter Treffpunkt für die Einwohner von Busseto und Umgebung, aber auch ein Anziehungspunkt für Reisegruppen und Individualreisende, die sich für Kunst und Kultur der Region Emilia-Romagna interessieren.

Vom Marktplatz her kommend, erblickt man an der kürzeren Seite der Piazza zuerst die Kirche San Bartolomeo, deren schlichte und (für meinen Geschmack) auch elegante spätgotische Backsteinfassade bei einem Umbau im 18. Jahrhundert bewahrt wurde. 
Sehenswert im Innenraum der Kirche sind Fresken aus dem 16. Jahrhundert sowie ein reicher Kirchenschatz - dies meint Knaurs Kulturführer Italien, 1978, nebenbei: gebunden bei Großbuchbinderei Sigloch, Künzelsau! Für Film- und Lesebegeisterte mag das 'sprechende Kruzifix' aus den Filmen von Don Camillo und Peppone mindestens ebenso interessant sein. Doch das einzige bei den Verfilmungen verwendete Kruzifix befindet sich in Brescello, dem Drehort der Filmreihe!

Nach meinen Recherchen könnte es sich beim Kruzifix in Busseto um eine der Ausfertigungen mit jeweils anderem Gesichtsausdruck handeln, die zunächst für die Filme angefertigt, aber beim Dreh dann doch nicht eingesetzt wurden. Wie dieses Kruzifix, das laut einer anderen Reisenden inzwischen geweiht wurde, nach Busseto kam, ist mir noch nicht bekannt - hätte ich doch die Infotafel neben den Figuren gelesen oder fotografiert! 

Nach längerer Suche wurde ich doch noch fündig: das Kruzifix der Kirche San Bartolomeo war die Vorlage für die Requisiten-Kruzifixe in den Filmen; die Pappfiguren einschließlich Infotafeln wurden im Juli 2020 aufgestellt.
Näheres ist hier zu sehen. 

Mit diesem Wissen versteht man auch, warum die beiden stabilen Pappfiguren von Don Camillo und Peppone seit einiger Zeit am Kirchenportal platziert sind, obwohl Busseto kein Schauplatz der Geschichten um die Hassliebe zwischen dem schlagkräftigen  kommunistischen Bürgermeister christlichen Glaubens und dem ebenfalls schlagkräftigen und schlitzöhrigen katholischen Priester ist.

Autor der weltberühmten Geschichten über Don Camillo und Peppone war Giovannino Oliviero Giuseppe Guareschi, mit dem Künstlernamen Giovanni Guareschi, 1908 in Fontanelle di Roccabianca geboren. Er war Journalist, Karikaturist und Schriftsteller. Als kritischer Geist scheute er sich auch in der Zeit des italienischen Faschismus nicht, seine Meinung zu sagen, selbst wenn dies für ihn hoch gefährlich war.

Auf Wikipedia ist zu Leben und Schaffen von Guareschi auf verschiedenen Seiten Folgendes zu lesen:

"Im Oktober 1942 äußerte sich Guareschi ...  öffentlich abfällig über das faschistische Regime. Nach Intervention seines Verlegers wurde er als Reserveoffizier zur Armee eingezogen und in einem Artilleriebataillon in Alessandria stationiert. Er war nach dem Waffenstillstand von Cassibile am 9. September 1943 bis Kriegsende als italienischer Militärinternierter in deutschen Kriegsgefangenenlagern in Tschenstochau und Beniaminów im besetzten Polen sowie in Wietzendorf und Sandbostel in Deutschland.

Seine Erlebnisse schilderte er in Diario clandestino 1943–1945 (1946).
Guareschi gründete 1945 in Mailand die satirische Wochenzeitschrift Candido, die er bis 1957 leitete.

Im Candido erschienen die ersten Geschichten über Don Camillo und Peppone. Dank seines Verlegers Rizzoli, der 1948 eine Sammlung dieser Geschichten herausbrachte, wurden die in Italien bereits populären Figuren zum Welterfolg. ...

Als die ersten Pläne zu einer Verfilmung seiner Figuren an ihn herangetragen wurden, behielt sich Guareschi das Placet bei der Rollenbesetzung seiner Hauptfiguren vor. Fernandel war für ihn schnell die Idealbesetzung des Don Camillo, doch einige der Vorschläge für den Genossen Peppone gefielen ihm anfangs überhaupt nicht. Daher dachte er kurzfristig daran, die Rolle selbst zu übernehmen, befand jedoch später, dass Gino Cervi kaum zu übertreffen gewesen wäre.
....
Die bekanntesten Verfilmungen der Geschichten entstanden zwischen 1952 und 1965 ...Gedreht wurden die Filme im italienischen Brescello, einem Ort in der Poebene in der Emilia-Romagna. Noch heute erinnert das 1989 eingeweihte Museum Peppone e Don Camillo an die Filmarbeiten.

Es wurden sechs vollständige Filme in Brescello gedreht – aber nur die ersten fünf mit Fernandel und Gino Cervi. Fernandel starb 1971 während der Dreharbeiten zum sechsten Film, Don Camillo und das rothaarige Mädchen, der unvollendet und unaufgeführt blieb. Der spätere Film von 1972 ist ein komplettes Remake mit anderen Darstellern.

Guareschi war bereits 1949 als Drehbuchautor in Erscheinung getreten; auch 1963 war er neben den Don-Camillo-Filmen auf diesem Gebiet nochmals tätig. 1963 inszenierte er den zweiten Teil von La Rabbia, einen Dokumentarfilm."
(Quelle: Wikipedia)

Giovannino Guareschi lebte mehrere Jahre in Le Roncole, dem Geburtsort von Giuseppe Verdi.  Mit nur 60 Jahren starb er im Juli 1968 in Cervia an einem Herzinfarkt. Beigesetzt wurde er auf dem Friedhof San Michele in Le Roncole.

Weitere Eindrücke von der Piazza finden sich in den Abbildungen. Die Geschichte des großen Opernkomponisten Giuseppe Verdi, für den in Busseto gegenüber der Kirche in der ehemaligen Rocca Pallavicina 1868 das Teatro Verdi, ein Opernsaal mit 300 Plätzen gebaut wurde, soll ein anderes Mal, vielleicht nächstes Jahr? erzählt werden... 

Mehr Informationen: 

Giovanni Guareschi

Don Camillo und Peppone Filmreihe

Gino Cervi alias Peppone

Fernandel alias Don Camillo

Drehort Brescello

Film in Originalsprache

Film auf Deutsch

Piazza Verdi bei Regen

Kirche San Bartolomeo
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1 Kommentar
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Angelika Di Girolamo aus Künzelsau | 03.12.2021 | 17:13  
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