„Rabbiner Joel Berger aus Stuttgart!“

Rabbiner Joel Berger mit der Gruppe von der Freien Schule Anne-Sophie Künzelsau
Künzelsau: Freie Schule Anne-Sophie |



Mit diesen Worten beendet der Rabbiner Joel Berger in der SWR Sendereihe „Anstöße“ seine morgendlichen Gedanken in den beginnenden Tag. Mit diesen Worten beendete er ebenfalls seine Begegnung mit Lernpartnern der Freien Schule Anne-Sophie. Innerhalb des Projektes „Achtung Mensch! Menschenbilder“ trafen Lernpartner aus den Religions- und Ethikgruppen des College und ein Team des Schulradios auf den Rabbiner mit der markanten Stimme.

Faszinierende Begegnung

Im Funkhaus des SWR in Stuttgart stand der Rabbiner der Künzelsauer Gruppe Rede und Antwort. Er hatte sich viel Zeit genommen und vom ersten Augenblick an war klar, der emeritierte Professor hat einen klaren Standpunkt, eine faszinierende Allgemeinbildung und ein Wissen, das Staunen ließ.

Die Jugendlichen hatten sich im Vorfeld bereits intensiv mit der Biografie von Rabbi Joel Berger und dem jüdischen Glauben, sowie mit seinem Buch „Der Mann mit dem Hut“ beschäftigt und waren bereit, ihn mit Fragen zu löchern. Selbst das Radio-Team der FSAS war anwesend und nahm das Gespräch für eine Reportage auf. Dies begrüßte Joel Berger, der es laut eigenen Worten liebt, vor dem Mikrofon zu sein und bat, die Reportage für kommende Treffen mit Schulklassen zu erhalten.

Die Themen während des Gesprächs waren vielfältig. Von Religion über Politik und die aktuelle Flüchtlingsthematik bis zur Literatur war alles dabei und der sprachengewandte Rabbiner, antwortete ausführlich und stellte Gegenfragen.

Ob er auf Hebräisch zitierte, auf Russisch mit einer Lernpartnerin sprach oder auf Jiddisch einen Satz einwarf, immer versuchte er hierbei auf die Welt der Lernpartner einzugehen.

Die frühe Lebensgeschichte des Rabbiners, die durch das Naziregime und den Kommunismus in Ungarn geprägt war, war ein ebenso gefragtes Thema, wie Religion in der modernen Welt. Auf „Was ist denn für Sie Freiheit?“, reagierte Rabbi Berger auf die Frage, ob Religion und Freiheit funktionieren können? Auch ob man in einer Religion zweifeln darf, konnte der Rabbi unzweifelhaft mit den Worten „Es ist die Pflicht eines Juden zu zweifeln“, die Antwort geben. Er vermittelte den Jugendlichen, dass in der modernen Welt Zweifel unumgänglich sind.

Die Zeit verging wie im Flug und die Jugendlichen, wie auch Joel Berger, genossen den gemeinsamen Austausch sichtlich und nur widerwillig wurde das Gespräch beendet, mit dem Versprechen des Rabbiners einer Einladung an die Schule zu folgen. Noch auf der Heimfahrt wurde mit Begeisterung über den Besuch gesprochen und die erhaltenen Informationen diskutiert.

Das Ziel des Projektes, in direkten Begegnungen aus Biografien und Erfahrungen von Persönlichkeiten für die eigene Lebensplanung zu profitieren, wurde erreicht. Julian Egner unterstrich dies mit seinem Fazit: „Sie sind für uns ein Vorbild, das uns Mut macht, das uns zum Zweifeln und Nachdenken motiviert. Besonders aber haben Sie aufgezeigt, dass sich die Welt besser verstehen lässt, wenn möglichst viele Zusammenhänge bekannt sind!“

Die Lernbegleiter Janina Schmidt und Wolfgang Schiele bedankten sich bei Joel Berger für seine Zeit und Offenheit und beim SWR für die freundliche Begrüßung und die Öffnung des Funkhauses für diese Begegnung.
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