Thomas Fuchs: „Kinder brauchen Schutzräume“

Locker und überzeugend: Dr. thomas Fuchs
Künzelsau: Freie Schule Anne-Sophie |

Der Schwäbisch Gmünder Kinder- und Jugendpsychologe hat sich in den letzten Jahren zu einem der meistgefragtesten Experten im Bereich der Kinder- und Jugendpsychologen entwickelt. Umso mehr ist die Freie Schule Anne-Sophie über die kontinuierliche Kooperation mit ihm dankbar. Zu seinem Engagement für die Schule auf den Taläckern gehören die regelmäßigen Elternateliers. Zu seinem Thema „Von mir aus nennt es Wahnsinn – Neue Medien und kindliche Entwicklung“ kamen wieder viele Eltern und Interessierte.

Der interessante Abend mit Dr. Thomas Fuchs war ein in sich geschlossener Kreis, in dem der Schutzraum der Kinder, ausgehend von der nachhaltigen Forderungen von Psychologen vor mehr als fünfzig Jahren, zu einem Kernpunkt seiner Aussagen wurde. Genau die Forderung nach diesem Schutzraum ist es, die gerade in der heutigen Zeit und der Mediennutzung von Kindern und Jugendlicher aktueller denn je ist.
Nach der Begrüßung durch Angelika Schmidt ging der Referent auf die geschichtliche Entwicklung der Mediennutzung ein und zeigte in eindrucksvoller Weise wissenschaftliche Ergebnisse auf. Nach den neuesten Ergebnissen besitzen derzeit 94% der vierzehnjährigen Jungen in Deutschland ein Handy und bei den gleichaltrigen Mädchen sind es gar 99%.

Höchststrafe „Wegnahme des Handys“

Zu provokanten Aussagen, die jedoch zum Nachdenken anregen, gehört die Feststellung, dass die Wegnahme eines Handys heutzutage von den Jugendlichen als „Höchststrafe“ angesehen wird. Auch diese Aussage wurde mit neueren Forschungsergebnissen belegt. Jedoch ging Thomas Fuchs auch darauf ein, wie das Gehirn der Jugendlichen mit dieser „digitalen Schublade“ umgeht.

Vernachlässigung der sozialen Kompetenz

„Das Telefonieren mit dem Handy ist eher langweilig“, behaupten die meisten Jugendlichen nach Erfahrungen des Kinder- und Jugendpsychologen. Und in der Tat, das Handy ist ein kleiner Computer. Jeder kennt die Möglichkeiten und dadurch auch die Gefahren. Mit Beispielen aus seiner beruflichen Tätigkeit von Thomas Fuchs wurden die Eltern mit nachdenklichen Fällen überrascht.

Die neuen digitalen Medien erleichtern den Zugang zu negativen Foren wie Gewalt und Verbrechen, aber auch zu Magersucht und allen anderen Nischen und Besonderheiten der Gesellschaft. Ausgehend von diesen markanten Beispielen aus dem Alltag, der Familie, der Schule oder bestimmter Situationen, entwickelte Thomas Fuchs Ideen, mit „diesem Wahnsinn“ umzugehen. „Geben Sie Ihrem Kind die Chance zum Sprechen und zur persönlichen Bindung!“ meinte er eindrücklich und ließ psychologische Begründungen folgen.

Einen breiten Rahmen nahm der Vergleich zwischen Oberflächlichkeit und Vertiefung beim Lernen, Recherchieren und der Auseinandersetzung mit Bildungsinhalten ein. „Eine Frage durch das Googeln zu beantworten, ist noch lange nicht der Beweis, einen Sachverhalt verstanden zu haben“, belegte er an Beispielen und plädierte für eine kritische Medienpädagogik.

Dr. Thomas Fuchs verstand es an diesem Abend, die Eltern, Lehrer, Erzieher dafür zu begeistern, den Umgang mit den Medien zu hinterfragen und zu kanalisieren, um die Entwicklung der Kinder positiv zu gestalten. „Das Spiel ist die Arbeit der Kinder!“, war zum Abschluss ein weiterer Wegweiser als Alternative zur Freizeitgestaltung. Nach Thomas Fuchs ist dies ein Grundsatz, der seit Jahrzehnten Gültigkeit hat und auch in Zukunft noch haben wird.

Für die Freie Schule Anne-Sophie war der Beifall der Anwesenden und die angeregte Diskussion ein Beweis, mit diesem Elternatelier ein interessantes Thema angeboten zu haben.
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