Wanderung auf dem neu gestalteten alten Klebweg in Künzelsau

Eine Schau-Tafel am Eingang zum Klebweg gibt erste Informationen ...
 
und zeigt auch die Erinnerungen in Gedichtform und Prosa von Schriftsteller Hermann Lenz.
Einige engagierte Mitglieder des Vereins StadtGeschichte Künzelsau haben sich dafür stark gemacht, dass der total verwilderte, historische Klebweg zwischen Künzelsau und dem kleinen Weiler Scheurachshof, auf Ingelfinger Gemarkung, wieder begehbar gemacht werden soll. Im letzten Jahr wurde dieses Projekt vom Verein beim Bürgerbudget vorgestellt und durch die meisten Stimmen der Bürger konnte dieser Traum  tatsächlich in Erfüllung gehen. Dazu erschien ein Bericht in der HSt: https://www.stimme.de/hohenlohe/nachrichten/kuenzelsau/Buergerprojekt-Klebweg-macht-Pfad-am-Kocher-begehbar;art1912,4315666  Ebenso hat ein freier Mitarbeiter in der Stimme seine eigenen Eindrücke bei der Erkundung des Klebwegs geschildert: https://www.stimme.de/themen/50wochen50orte/kuenzelsau/unterwegs-auf-dem-klebweg-in-kuenzelsau;art142965,4367074  Und auch der berühmte Sohn von Künzelsau, der Schriftsteller Hermann Lenz 1913 - 1998), hat seine Erlebnisse auf dem Kleb niedergeschrieben, was man auf einer der  Infotafeln lesen kann.  
Mehr als 30 Jahre war dieses idyllische Kleinod in Künzelsau total verwildert, zugewachsen und in Vergessenheit geraten. Nun wurde dieses für Naturfreunde und Geologen gleichermaßen sehenswerte Biotop am Kocher im letzten Frühjahr wieder zugänglich gemacht. Allerdings ist man gut beraten, wenn man nicht bei nasser Witterung und nur mit gutem Schuhwerk in den Klebweg "einsteigt"

Deshalb wollte der Wanderführer Roland Schickert vom SAV, Ortsgruppe Kupferzell, nach einer ersten privaten Erkundung des historischen Pfades interessierten Wanderern die Besonderheiten dieses Biotops entlang am linken Kocherufer einmal vorstellen. So trafen sich denn einige Interessierte am Freitagnachmittag, 30.Juli, am Bahnpark in Kupferzell zur Abfahrt im Konvoi zum Recyclinghof Künzelsau. Dort am relativ versteckten Eingang zum Klebweg kann man auf Schautafeln bereits interessante Informationen nachlesen:
Der Begriff Kleb kommt aus dem Hohenlohisch-Ostfränkischen Wortschatz und steht für Klippe, Felsenkliff. Der Kocher hat sich in einer Kurve durch die Unteren Muschelkalkschichten einen Weg gebannt, und so führt dieser Pfad durch einen typischen Schluchtwald mit teilweise hohen Muschelkalkwänden. Der Naturfreund kann dort sowohl seltene Pflanzen wie Lebermoos und Pestwurz sehen und neben Eschen wachsen vor allem Bergahorne und Bergulmen. .Aber auch Biber, Graureiher, Wasseramsel und Eisvogel fühlen sich im Biotop heimisch neben Schwänen und Gänsen auf dem Kocher. Überhaupt kann man dort die  komplexen Zusammenhänge von Geologie und Flussgeschichte sehr eindrucksvoll erfahren.
Schickert erklärte den Wanderern, dass man an den Felsböschungen immer tropfendes Wasser sehen und auch hören kann, das über wasserstauende Tonmergelschichten austritt und  im Winter oft zu eindrucksvollen Eiszapfen, ja meterbreiten Eiswänden, gefriert.  Ebenso hätten die an den Muschelkalkböschungen wachsenden Efeuranken oft eine Länge von 10 bis 15 Meter, so Schickert weiter. In den Spalten der verschiedenen Gesteinshorizonte wachsen große, meterlange Schilfbüschel und manche moosbewachsene Stämme zeigen weiße Krusten von gelöstem Muschelkalk.
Kurz vor dem Weiler Scheurachshof führt der Klebpfad aus dem engen Schluchtenwald in ein weites Wiesental, wo viele Arten von Wildblumen den vorübergehenden Wanderer erfreuen. Im Scheurachshof selbst scheint die Welt stehen geblieben zu sein. Ein unbewohntes, ziemlich verfallenes, altes Bauernhaus erinnert an Lost Places, direkt daneben steht eine neu eingedeckte Scheune mit einem massiven großen Holztor und gegenüber tropft ein Wasserhahn. Das darüber gehängte Handtuch könnte der Hygiene wegen auch mal wieder ausgewechselt werden. Über das niedrige Brückle, das bei Hochwasser immer gleich überflutet ist, gehen die Wanderer am Sportplatz vorbei wieder zurück nach Künzelsau und freuen sich einen interessanten Nachmittag "Im Kleb" erlebt haben zu dürfen.
 
   
 
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2 Kommentare
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Wandern mit d'r Gaby un em Erich aus Heilbronn | 15.08.2021 | 18:05  
6.095
Gudrun Schickert aus Künzelsau | 15.08.2021 | 23:51  
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