Es war einmal eine einfache, graue, ungeliebte Taube…

Ich, eine einfache Taube, ab sofort Miss Taubi genannt.
Es war einmal … mit diesen drei Worten fangen normalerweise Märchen an, aber was ich durchleiden musste ist anfangs absolut kein Märchen.
Ich, eine kleine unscheinbare und ungeliebte Taube, ein graues Nichts, war unterwegs auf einer gefährlichen Reise, weil das Fliegenlassen von Tauben kilometerweit weg vom Heimatschlag und unter härtesten Bedingungen viele von euch Menschen als Hobby betrachten. Auf einer Reise, von der sehr viele meiner Artgenossen, nicht mehr zurückkehren, weil es dabei so viele Hindernisse gibt wie z.B. die Witterung: Manchmal brennt unbarmherzig die Sonne vom Himmel und nirgends findet unsereins einen Tropfen Wasser, und ein anderes Mal tobt ein schreckliches Unwetter mit Starkregen und Gewitter. So erging es mir auch am 29. Juni in einer kleinen Kreisstadt namens Künzelsau, nachdem ich schon einige Tage ziellos herumgeflogen bin, auch auf der Suche nach Futter. Da saß ich nun total verängstigt, entkräftet und erschöpft vor einer fremden Haustüre und suchte Schutz unter dem Vordach vor dem schrecklichen Sturm und Regen, der mein Gefieder schon ganz durchnässt hatte. Tagelang hatte ich kein einziges Korn in den Schnabel gebracht und war deshalb sehr schwach und ausgemerkelt. Ich hatte großen Hunger, mein ganzer Körper schmerzte und ich hatte nur noch den Wunsch für immer einschlafen zu dürfen. Ich bemerkte kaum mehr mein Umfeld … doch plötzlich wurde ich von weichen, warmen Händen vorsichtig aufgenommen. Ich dachte noch … „Wie schön weich und warm wird man in dem Land hinter der Regenbogenbrücke empfangen!“
Und jetzt fängt tatsächlich das Märchen für mich an. Nein, ich war tatsächlich noch in der realen Welt und die Hände gehörten liebevollen Menschenkindern, die mir helfen wollten, nämlich ein Junge namens Silas und seine jüngere Schwester Emma . Sie und ihre Mama haben sich liebevoll um mich gekümmert und dafür gesorgt, dass jemand von Taubenfreunde Künzelsau e.V. mich abgeholt hat. Im Taubenhaus bekam ich einen warmen, weichen Platz in einem Käfig, einen ganzen Napf Körner, Wasser und stärkende Medikamente. Ich darf mich nun im Taubenhaus erholen und am 08. Juli bekam ich doch tatsächlich von meinen Rettern, Silas, Emma und ihrer Mama Besuch und sie gaben mir den Namen Miss Taubi. Es geht mir schon viel besser, zumindest steht mein Brustbein nun nicht mehr so krass hervor. Aber mit längerem Fliegen klappt es sicher noch nicht, da muss ich erst vollends zu Kräften kommen. Trotzdem wollte ich meine lieben Retter nicht enttäuschen und habe ihnen wenigstens mit einem kurzen Flug eine Freude gemacht. Doch am allermeisten habe ich mich gefreut, dass Silas sehr großes Interesse an der Arbeit der Betreuer im Taubenhaus hat und ihnen, mir und meinen Artgenossen dort ab und zu helfen möchte. So endete diese Reise für mich nun doch noch glücklich und ich lebe nun umsorgt von vielen Menschen als eine Taube, die als ein Geschöpf Gottes geachtet und geliebt wird. Ende gut, alles gut!!!
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2 Kommentare
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Uschi Dugulin aus Neuenstein | 14.07.2021 | 10:08  
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Gudrun Schickert aus Künzelsau | 14.07.2021 | 11:25  
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