Neckarsulmer Naturfreunde wandern durch das Bett des Forggensees

Ruinen einer Siedlung
Neckarsulm: Bauhaus-Parkplatz | Den Forggensee bei Füssen gibt es nur zu bestimmten Zeiten. Im Sommer wird er angestaut und im Winter wird das Wasser wieder in den Lauf der Lech ausgeleitet. Dieses Jahr ist es jedoch anders. Die Staumauer muss nach über 60 Jahren saniert werden, d.h. dass der fünftgrößte See Bayerns dieses Jahr auch im Sommer leer bleibt. So konnten wir unter sachkundiger Führung des Architekten und Historikers Magnus Peresson den See fußläufig erkunden. Magnus Peresson, der auch im Füssener Stadtrat sitzt, ist ein ausgewiesener Kenner des Allgäus und Verfasser zahlreicher Schriften über die Geschichte Füssens.
Der Stausee wurde gebaut, weil er mithelfen musste, den Energiebedarf in Bayern, nach dem kriegsbedingten Wegfall der Thüringer Wasserkraftwerke zu decken.
Jetzt ist der See verschwunden und die Grundmauern aus römischer Zeit sind sichtbar. Die Römer besiedelten das Gebiet und bauten die Claudia Augusta als Verbindungsstraße über die Alpen. Aber auch die Geschichten aus der neueren Vergangenheit haben uns beeindruckt. Insgesamt sind beim Bau des Stausees 3 Ortschaften mit 50 Gebäuden geflutet worden. Wir sahen die Ruinen von Forggen und hörten die Geschichte ihrer ehemaligen Bewohner. Magnus Peresson berichtete von den Bauern, die schnell noch Grundmauern betonierten, da sie dachten, damit Tatsachen zu schaffen, die die Überflutung noch aufhalten könnten. Er erzählte uns viel über die persönlichen Schicksalen der Bauern. Wie sich zum Beispiel einer in seinem Haus verbarrikadierte und kurz bevor das Wasser hochstieg mit Gewalt von seinem Hof weggebracht werden musste. Oder von den alten Menschen, die noch Jahrzehnte daran glaubten, dass nach 50 Jahren der See versandet sei und sie wieder auf ihr Land zurückkehren könnten. Ortsgeschichte so spannend und authentisch, dass wir die vereinbarte Führungszeit weit überzogen haben.
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