Meine Begegnung mit Albert Schweitzer

Der Taufstein in der St.Jost Kirche an ihm wurde schon mein Großvater 1872 und meine Mutter 1904 geauft wurden.
 
Heiligenbilder in der St. Jost Kirche
Sommer 1959

Wieder einmal war ich - wie jedes Jahr in den Ferien - auf dem Bauernhof meiner Großmutter. Meine Eltern weilten auch wieder - wie jedes Jahr - zur 6-wöchigen Kur in Bad Ischl in Österreich.

Also durfte ich als jüngstes Kind der Familie, konnte mich ja nicht alleine versorgen, zur Oma nach Cleversulzbach.

So arg gerne ging ich nicht zur Oma, denn sie hatte einen Bauernhof mit Weinbergen usw., den sie zusammen mit einem Pächter bewirtschaftete.

Ich denke meine Abneigung gegen Gartenarbeit - jeglicher Art - kommt von den Besuchen auf dem Bauernhof. Meine Oma war auch immer bedacht, mich irgendwo auch immer einzuspannen. Meist verbarg ich mich oben auf dem Dachboden, damit sie mich nicht fand.

Der Dachboden war sowas von interessant, darüber schreibe ich einmal noch genauer. Auch, dass ich genau 59 Jahre später den Dachboden wieder gesehen habe.

Es ging damals wie ein Lauffeuer im Dorf umher und der Büttel verkündete es auch groß im Dorf.

Albert Schweitzer kommt in das Mörikedorf und spielt an der Orgel der
St. Jost Kirche in Cleversulzbach.


Dazu muß auch gesagt werden, dass Eduard Mörike gerade an der St.Jost Kirche in Cleversulzbach als Pfarrer gepredigt hat und dort einige seiner größten Gedichte verfasst hat.

Er war Pfarrer in dieser Gemeinde von 1834 - 1843 und diese Zeit gehört zu den glücklichsten Jahren für ihn.

Die St. Jost Kirche wird als Erbauungsjahr auf das Jahr 1592 datiert.
Der Name St. Jost steht für einen normannischen Königssohn, der auf den Thron verzichtete und Klostergründer wurde.

Albert Schweizer, der sich nicht nur mit dem Werk Mörikes, sondern vor allem mit dem Werk Bachs auseinandersetzte, kam also zu Besuch nach Cleversulzbach und spielt an der Orgel der St. Jost Kirche.

Meine Oma und die Bevölkerung von Cleversulzbach waren 1959 total aus dem Häuschen und meine Oma wollte auch gerne Albert Schweitzer hören, doch was machte sie mit mir?

Ich unruhiges Kind konnte doch nicht stillsitzen und dazu noch Orgelmusik, das konnte ich mir damals auch nicht vorstellen.

Meine Oma schärfte mir also ein, mich ruhig zu verhalten und versprach mir einen Schokoladenpudding zu kochen, wenn ich artig bin.

Naja, Schokopudding das war eine Option, denn der von Oma war schon genial, nix mit Päckchen, das kaufte Oma nicht. Der Schokopudding war handgemacht, mit Stärkemehl, echter Schokolade, Eiern und Eiweiß usw.
Ausserdem war es immer ein Erlebnis Oma auf dem Herd mit Feuer betrieben wirtschaften zu sehen.

Also gut, meine Oma nahm mich also mit in die Kirche, die schon voll besetzt war.

Albert Schweitzer stieg die Treppe zur Orgel hoch, verbeugte sich oben an der Orgel und fing an zu spielen, ein ganz bescheidener Mann.

Ich saß da und lauschte (vielleicht mag ich deshalb Bach so sehr und mag seine barocken Schnörkel singen) und lauschte dieser wunderbaren Musik, ich war mit
10 Jahren gefangen von diesem Mann, der ein Orgelwerk nach dem anderen spielte.

Es war so wunderbar und mir war überhaupt nicht langeweilig. Wie lange Albert Schweitzer spielte, weiß ich nicht mehr, aber es kam mir sehr kurz vor. 

Ich war gefangen von dieser Musik und von diesem Mann und saß auf der Kirchenbank und hörte.

Den Schokopudding hatte ich fast vergessen, ich bekam ihn aber dann am nächsten Tag, gekocht von der Oma auf dem Herd mit dem Feuer, den sie so geschickt bediente.

Heute denke ich, hätte ich das doch noch viel mehr genossen.
Albert Schweitzer war aber in unserem Hause immer ein Thema, dass er
das Ehepaar Heuss-Knapp  1908 in Straßburg traute, habe ich erst später in seiner Biographie gelesen.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.