Die Juden in Ludwigsburg

    In der Anfang des 18. Jahrhunderts durch den württembergischen Herzog Eberhard Ludwig gegründeten Residenzstadt Ludwigsburg wurden trotz der in Württemberg seit dem Ende des 15. Jahrhunderts geltenden Ausschließungsgesetzgebung alsbald mehrere Juden mit ihren Familien aufgenommen. Es handelte sich dabei durchweg um jüdische Handelsleute, die zu Dienstleistungen für den Herzog bestellt worden waren und unter dessen persönlichem Schutz standen. Einige davon wurden zu Hoffaktoren ernannt, darunter Joseph Süßkind Oppenheimer (genannt "Jud Süß"), der um 1735 unweit des Ludwigsburger Schlosses ein Haus erwerben konnte. Die wichtigste Erinnerung an die Aufnahme von Hofjuden und Hoffaktoren im 18. Jahrhundert ist das ehemalige Haus von Joseph Süß Oppenheimer (Mömpelgardstraße 18; Haus um 1726 erbaut; Hinweistafel vorhanden).

Ich denke und hoffe, dass die Geschichte von Jud Süss Oppenheimer bekannt ist und vor allem hat dieser Mann durch die Verfilmung von Veit Harlans Hetzfilm
im Sinne der Nationalsozialisten "Jud Süss" ein schlechtes Image und auch
selbst bei Lion Feuchtwanger, der selbst Jude war, kommt Jud Süss Oppenheimer nicht gut weg.

Wenn man sich aber die Akten im Staatsarchiv in Ludwigsburg anschaut, kann man sehen, dass das Urteil für diesen Mann von vornherein feststand.
Jud Süss Oppenheimer wurde auf der Prag in Stuttgart in einem eisernen Käfig erhängt und über Jahre dort hängengelassen. Erst Franziska von Hohenheim, die spätere Gemahlin zur linken Hand (morganatisch) bewegte Carl Eugen dazu, die Leiche abzunehmen. Wo Jud Süss Oppenheimer begraben wurde, ist unbekannt.
Es gibt verschieden Belegungen, eine davon:

Es gelingt den Mördern von Joseph Süß Oppenheimer nicht, seine Leiche als Fraß den Raubvögeln zu überlassen, weil Hausierjuden den Leichnam stehlen, sie mit einem anderem Leichnam vertauschen und ihn dann mitten im Winter auf einem Karren nach Fürth fahren, wo er gewaschen und in Leinen gehüllt wird. Das Begräbnis von Süß Oppenheimer im Jüdischen Friedhof Fürth erfolgt nach den jüdischen Riten: Der Kopf wird auf ein kleines Häuflein Erde gebettet, auf schwarze, krümelnde Erde aus Zion.

Eine weitere Hoffaktorin von Carl Eugen war Karoline Kaula, die die marode Geldsituation von Carl Eugen rettete, in dem sie Soldaten für das Kappregiment anwarb bzw. die Männer gezwungen wurden, dem Kappregiment beizutreten.

Beim Novemberpogrom 1938 ist die Synagoge am 10. November völlig zerstört worden. Am Vormittag wurde die Aktion vom Leiter des Sicherheitsdienstes des Kreises Ludwigsburg gemeinsam mit anderen NSDAP-Partei-Mitglieder vorbereitet. Jugendliche der Hitlerjungend halfen dabei, Gebetbücher, Torarollen, Kultgegenstände und anderes Inventar aus der Synagoge zu tragen und mit einem Lastwagen in ein städtisches Gebäude zu transportieren. Die Brandstiftung erfolgt zwischen 13.15 Uhr und 13.30 Uhr. Damit sich die Flammen schneller im ganzen Gebäude ausbreiten konnten, wurde zuvor das obere runde Fenster der Synagoge zerschlagen. Das am Vormittag bei einer örtlichen Tankstelle besorgte Benzin ist unter Leitung eines SA-Sturmführers von mehreren Personen in der Synagoge vergossen worden. Nach der Brandstiftung stand das gesamte Innere des Gebäudes in wenigen Minuten in Flammen. Die rechtzeitig herbeigerufene Feuerwehr konzentrierte sich von vornherein nur auf den Schutz der Nachbargebäude. Am 14. November 1938 wurde die Brandruine der Synagoge gesprengt; in den folgenden Tagen wurden die Mauerreste entfernt. Der Bauschutt wurde verkauft; die Steine sind teilweise zur Erhöhung der Zuchthausmauern des Ludwigsburger Gefängnisses verwendet worden. Auf dem Synagogenplatz, der in den Besitz der Stadt übergegangen war, wurde in den folgenden Monaten ein kleiner Kinderspielplatz angelegt.

Nach der Zerstörung der Synagoge und dem Wegzug vieler Familien war jüdisches Gemeindeleben nur noch in sehr bescheidenem Rahmen möglich. Zum wichtigsten Treffpunkt wurde seitdem das jüdische Gemeindehaus, das von der israelitischen Gemeinde im Frühjahr 1938 im ehemaligen Wohnhaus von Josef Ottenheimer in der Seestraße 75 (heute: Hohenzollernstraße 3) eingerichtet worden war. Im Januar 1939 bat Vorsänger Samuel Metzger den Oberbürgermeister in einem Schreiben um Erlaubnis, in diesem Gebäude "am Freitag Abend und am Samstag Gottesdienste abhalten zu dürfen". Vermutlich war dies dann bis zu den beginnenden Deportationen und Zwangsumsiedlungen der letzten Ludwigsburger jüdischen Einwohner (1941) möglich.

Der Synagogenplatz an der Ecke Alleen- und Solitudestraße blieb in den Jahren nach 1945 unbebaut, wenngleich 1952 im Gemeinderat der Antrag eines Ludwigsburg Architekten diskutiert wurde, den Platz mit einem sechs- bis achtstockigen Appartementhaus zu bebauen. Am 15. Dezember 1959 wurde ein im Jahr zuvor beschlossener Gedenkstein aufgestellt. Seit 1985 wurde im Gemeinderat eine Neugestaltung des Synagogenplatzes diskutiert, die 1988 umgesetzt wurde. Seitdem wird durch Bodenplatten der Grundriss des Synagogengebäudes nachgezeichnet; Kugelakazien deuten das Gebäudevolumen an. Die Idee war, einen "Hain der Besinnung" zu gestalten. Seit dieser Neugestaltung des Synagogenplatzes finden jährlich im November Gedenkstunden zur Zerstörung der Synagoge statt. 

Ich finde den Platz, an dem früher die Synagoge gestanden hat, sehr gut und liebevoll gestaltet.
Es soll ein Ort der Besinnung sein und der Platz wird auch angenommen, so kann man sich auch auf die Koffer setzen und den Platz betrachten.
Leider gibt es immer wieder Menschen, die den Platz als Müll- und Zigarettenhalde benützen.
Die Stadt Ludwigsburg ist aber darauf bedacht, dass er gepflegt wird und darüber freue ich  mich, wenn ich dort vorbeigehe.

Es gibt Dinge, an denen wir nicht schuld sind, aber die wir - auch angesichts der jetzigen Lage und Hetze - nie vergessen sollten.

Wer Wind sät, wird Sturm ernten!

Herkunft:

Altes Testament, Hosea, Kapitel 8, Vers 7: „Denn sie säen Wind und werden Sturm ernten. Ihre Saat soll nicht aufgehen; was dennoch aufwächst, bringt kein Mehl; und wenn es etwas bringen würde, sollen Fremde es verschlingen.“ (Lutherübersetzung, revidierte Fassung von 1984)

Quelle:
http://www.alemannia-judaica.de/ludwigsburg_synago...


Jud Süss einer der schlimmsten Hetzfilme, die es gibt,
Regie: Veit Harlan
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