Mit Musik für mehr Menschlichkeit

Michael Seil: „Als Geschichtslehrer sehe ich Parallelen zwischen der heutigen Zeit und den Lebzeiten Beethovens, die nicht von der Hand zu weisen sind.“ (Foto: Thomas Seitz)
Neonationalismus, allzu freies Spiel der Wirtschaft zu Lebzeiten Beethovens? Erleben wir doch heute auch wieder täglich! Führte diese Erkenntnis dazu, dass beim jüngsten Dachbodengespräch der Kolpingsfamilie Oedheim die Hälfte der Plätze frei blieb? Auf der anderen Hälfte herrschte Staunen über die Hintergründe der Parallelen in den Dekaden um 1800 sowie um 2000. Michael Seil, Geschichts- und Musiklehrer zeigte die Entwicklungen auf: vom Streben nach „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ bis zur Besinnung auf nationale Interessen samt den leidvollen Konsequenzen. Zweihundert Jahre später: Das europäische Staatenbündnis wächst. Heute: Nationale Machtinteressen widersprechen europäischen Werten. Angriffe auf die Gewaltenteilung.
Anhand Musikbeispielen zeigte Seil die revolutionäre Kraft in Beethovens Werk auf. Das Thema „Freude, schöner Götterfunken“ aus der Neunten steht für die Menschenrechte und wird hauchzart in den Bässen vorgestellt. Die anderen Orchesterregister stimmen ein. Nach und nach entwickelt sich eine begeisternde Intensität. Die Geschichte nahm eine andere Entwicklung. Auf die Frage, ob man nicht daraus lernen könne, antwortete Seil mit einem Zitat aus Goethes Faust: „… Er [der Mensch] nennt's Vernunft und braucht's allein, nur tierischer als jedes Tier zu sein. …“
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