Die grüne Hölle?

Blumenwiese im ersten Jahr
 
Magerbeet im Winter. Ja nix abschneiden, es überwintern jede Menge Insekten in den Stängeln. Im März dürft ihr ran :-)
 
Teich im Winter
 
Samenstände der wilden Karde. Stieglitzfutter!
Ein Garten kann durchaus die "Hölle" sein, warum? Nun, ein Garten macht Arbeit, immer-glaubt den GaLabauern nicht alles ;-)
Grundsätzlich gilt wie bei jedem Hobby, man muss es gerne machen, ob das Kochen, Fotografieren oder eben Garteln ist. Man bekommt eben nichts geschenkt.....

Als ich mich vor mittlerweile über 15 Jahren um ein Stückle Grün bemüht habe, ist in dieser Zeit sehr viel passiert. Nein, es hat nicht alles geklappt und ein Garten verändert sich lebenslang, nicht nur weil einzelne Pflanzen wachsen, sondern weil sich die innere Einstellung ändert, mal mehr, mal weniger.

Anfangs wollte ich nur ein bisschen Gemüse haben und das wars.

2003 kam ich quasi über Nacht an das erste Stückle Grün. Kaufen, nicht pachten war die Devise, was sich als ziemlich clever heraustellen sollte.
Argwöhnisch beäugten mich die "Alten" um mich herum. Die Blicke sagten alles! So ein junger Kerl, ob der das kann, der wirds bald wieder gnug hawwe. Sie hatten nicht unrecht.....der Boden hart und schwer wie Blei, unkrautverseucht bis zum geht nicht mehr. Nein, das ist was für Rentner. Willst du hier einen vernünftigen Gmüsgarten haben und bewirtschaften musst du täglich ran. Viel hatte ich versucht und Frust stellte sich ein. Ob die "Alten" recht hatten?

Niemals! DEN Gefallen tu ich ihnen nicht....es ging erstmal weiter und es wurde auch etwas besser. Man lernt und wird ein sehr geduldiger Mensch, ein Garten "erdet".

2008 hatte ich mich zum Imkerkurs angemeldet und das auch durchgezogen bis ich 2 eigene Völker hatte. Dieser war für mich ausschlaggebend etwas im Garten ändern zu wollen, hatte ich doch bislang nur a weng Gmüs und ein paar einzelne Sträucher. Futter musste her und ich fing an mich mit geeigneten Futterpflanzen für die Bienen zu beschäftigen und selbige nach und nach im Garten anzupflanzen. Büsche, Bäume und en paar Stauden. DAS machte mir deutlich mehr Spass wie der elende Gmüsgarten :-)

Der Garten wuchs, es kamen noch mehrere angrenzende Kleinstücke dazu weil der ein oder andere "Alte" aufhören wollte. Man kam auf mich zu und fragte ob ich IHR Stückle weiterschaffa will? Ach echt? Da war er, der Funke Anerkennung-klar, ich schlug zu-noch weitere 5mal.

Das Gmüs gab ich irgendwann fast komplett auf und begnüge mich heute mit einem 2015 gebauten Hochbeet. 1,50m breit und 3m lang, das reicht, eine tolle Lösung, nicht zuletzt weil unkrautfrei und rückenschonend - eine Offenbahrung.

Die Bienenhaltung war recht nett, allerdings und das weiss ein jeder Bienenhalter, haben wirs mit der eingeschleppten Varroamilbe zu tun. Diese muss jedes Jahr intensivst behandelt werden und immer wieder gehen Völker aufgrund derer zugrunde....nein, die Imkerei war nichts für mich, nicht in dieser Form zumindest.
Im Grunde ist auch die Imkerei eine Art Massentierhaltung die die Honigbiene, so, in diese Kästen gezwungen, ohne den Menschen nicht überleben würde. Bienen sind Wald(Rand)bewohner die in alten Baumhöhlen leben, nur hat sie sich der Mensch untertan gemacht, wie so vieles. Und er hat dank der Globalisierung auch die Varroen eingeschleppt, das Corona der Bienen. Solange es diese Milbe gibt und in der Form behandelt werden muss, werde ich nicht mehr imkern.
Kurz, mir war die Sache nicht mehr sympathisch und so dümpelte der Garten 2,3 Jahre so wie er war vor sich hin.

Regelmäßig alle 3 Wochen wird gemäht, weil sich das so gehört, Büsche in Form geschnibbelt, pünktlich zum Herbst anständig das Laub gerecht-ordentlich, was denken sonscht die Leit?!
Ordnung muss sein, das hat Oma schon gesagt und die "Alten" haben immer recht-tatsächlich? ;-)

2017/2018 haben wir zuhause kernsaniert, da wurden wirklich nur die Pflichten im Garten erledigt.

2019 las ich irgendwo etwas von wegen Naturgärten. Ja hab ich denn keinen, ich bin doch draußen in der Natur?! Alles ist grün, was soll denn das jetzt?

So begegnete ich mehr durch Zufall dem Buch "DER DREI ZONEN GARTEN" von Markus Gastl parrallel las ich noch "NATUR FÜR JEDEN GARTEN" von Reinhard Witt.
Was für eine Offenbarung, da war sie, DIE zündende Idee! DAS will ich haben!

Gedacht - getan.
Gleichzeitig kam ganz gattlich die Gartennachbarin von links und bat mich ihr "Stückle" doch weiter zu bewirtschaften. Geimpft mit dieser neuen Idee des Naturgartens, der ja Platz braucht, hab ich natürlich zugeschlagen.
Ende 2019, jetzt gings los!

Zur Nachbarin links hatte ich ein paar Jahre zuvor Büsche zur Abgrenzung gepflanzt, ganz klassisch-Forsythien, Thujen und dergleichen.....wie man das halt so macht und was es in den Gartencentern und Baumschulen so angeboten und leider auch empfohlen wird.
All das musste weg und zwar schnell, was hatte ich aus Unwissenheit nur getan? Forsythien, von uns allen als Frühlingsanzeiger geliebt, von den Bienen umschwärmt - von wegen!
Forsythien sind steril, sie haben weder Pollen noch Nektar! Geht mal hin und guckt genau, da summt und brummt-nichts! Garnichts!
In dieser ganzen Reihe Büsche hatte ich gerade einmal 1! Busch der heimisch war, der Rest, nur Ausländer aus Nordamerika und anderen fernen Ländern wie China z. B.
können unsere Insekten chinesisch? Mitnichten......raus damit!

Mein Freund Jürgen aus Höchstberg, Schreiner seiner Art, der so allerlei nützliches Gerät parat stehen hat, hatte mir die Büsche dann mittels Bulldog und Seilwinde rausgerupft, ausgraben wäre bei diesem Boden unmöglich gewesen.....

Nun ging es weiter mit Anpflanzungen heimischer Sträucher. (Pfaffenhütchen, Salweide, Holzapfel, Ohrweide, versch. Wildrosen-die mit UNGEFÜLLTEN Blüten, Blasenstrauch, Schwarzdorn, Holunder, Felsenbirne, Haselnuss, Mönchspfeffer, gemeiner Schneeball, roter Hartriegel, Vogelbeere und Kornelkirsche-DER Forsythienersatz!)

2020 ging es weiter, verschiedene Trockenstandorte wurden als einzelne Elemente integriert. Beetumrandung aus Blau(Kalk)steinen und gefüllt mit Bauschutt, ja Bauschutt!
Magerer Boden ist des Naturgärtners bester Freund - der der Natur sowieso.
Viele dieser trockenen und mageren Standorte gingen in den letzten Jahren verloren, durch die Landwirtschaft - ach! Die Bauern sind schuld? Nein! WIR sind Schuld, wegen unserer Art zu leben, was ein ganz anderes und wahrscheinlich noch viel größeres Thema ist.

Auf heutigen "Wiesen" wachsen gerade mal geschätze 10-15 Arten von Blumen und Gräsern. Warum, wegen der ständigen (Über)düngung. Es soll ja ordentlich was für die Kühe im Stall rumkommen, da sind blühende Kräuter und Blumen natürlich kontraproduktiv.

Man stelle sich einmal vor, auf diesen sog. "fetten" Wiesen wachsen im allerbesten Fall ca. 80 verschiedene Blumen und Kräuterarten. Auf den mageren Flächen KÖNNEN weit über 1000 verschiedene Pflanzen Fuss fassen und gut leben!

Deshalb also die künstlich erschaffenen Magerbeete um den Garten zum blühen zu bringen und dem Verlust der Biodiversität wenigstens etwas entgegen zu wirken!
Ihr kennt die Krefelder Studie? Insektenschwund in apokalyptischem Ausmaß!
Kennt ihr noch die Fliegenschwämme an der Tanke? Ja, die gibts noch, bloß braucht die keiner mehr. Die Zeiten mit von Insektenkadavern gesprenkelten Autoscheiben sind längst vorbei, das sieht sogar der Dümmste ;-)

Nebenbei sind noch weitere "Module" enstanden. So wurde ein ganzes Stück "Rasen" mit der Fräse bearbeitet und 3 Tonnen Sand eingearbeitet um die Fläche abzumagern, Blumenwiesensamen ausgesät und siehe da, es geht was!
Bitte solche Saatgutmischungen NICHT im Baumarkt oder ähnlichen Gefilden kaufen, da haben sie sich nämlich wieder reingemogelt, die Chinesen......kauft das im Fachgeschäft, sonst könnt ihrs auch lassen, zumal das bei den Billigheimern meist nur einjährige Pflanzensamen sind, ihr werdet bitter enttäuscht sein.....
Falls ihr ein Wiesenprojekt in Angriff nehmen solltet, müsst ihr auch nicht mehr alle 2-3 Wochen mähen, sondern nur noch 1-2 mal im Jahr! DAS allerdings müsst ihr und das Mähgut MUSS entfernt werden, sonst düngt ihr die Wiese wieder auf-Stickstoff sammelt sich an.

Bezugsquellen im Internet bei Syringa oder Rieger-Hofmann! Das ist zertifiziertes, heimisches Saatgut.

Desweiteren kamen noch ein paar Steinhaufen für Eidechsen dazu, sofern sie zurückkommen sollten. Ich habe seit 20 Jahren keine mehr gesehen. Dafür werden sie um so mehr von Blindschleichen genutzt, immerhin.

Totholz an einigen Ecken bieten Käfern, Wespen, Hornissen und anderen einen Lebensraum.

Ein "Käferkeller" bereichert den Naturgarten um eine weitere Daseinsberechtigung unserer heimischen Insekten.

Der Teich, besser, das Sumpfbeet das daraus werden soll, ergänzte letzten Sommer das ganze noch weiter. Wasser im Garten ist nicht nur für Frösche und Molche gut, auch andere Tiere kommen zum trinken oder einfach nur um sich abzukühlen, was in diesen Zeiten des Klimawandels kein Wunder ist. Auch der Eisvogel hat noch im selben Jahr mal einen Blick riskiert - fischfrei - Sch..... :)
Es sollen sich auch keine Fische ansiedeln, sie überdüngen den Teich und fressen natürlich die Bewohner der Pfütze.

Was das ganze soll? Es geht darum "Trittsteine" zu schaffen. Die heutigen Monokulturen verbrauchen einfach zu viel Fläche, da kann z.B. eine Hummel im schlimmsten Fall so eine Agrarwüste nicht mehr durchfliegen. Warum? Wenn eine Hummel 45 Minuten am Stück fliegt ohne etwas zum Fressen zu finden - stirbt sie! Das wusstet ihr nicht gell? Ich wusste auch vieles nicht und deshalb hat Oma und auch die anderen "Alten" auch nicht immer recht......

WER NIMMT MUSS AUCH ETWAS GEBEN!

Darüber soll jetzt einfach jeder mal nachdenken ;-)

Wusstet ihr das es neben den Honigbienen auch die Wildbienen gibt? 585 verschiedene Arten in Deutschland? Nein, ich wusste das lange auch nicht. Ich wusste so vieles nicht....
Schuld will ich keine zuweisen, es ist die Unwissenheit mit der die Menschheit gestraft ist.

Freunde, es ist nicht 5 vor 12, es ist schon kurz danach!
Denkt nach, tut etwas....
Ihr habt nur einen Balkon? Na und? Jeder Quadratmeter zählt.

Niemand von uns, auch nicht die mit grossem Garten, werden die Welt retten. Aber es lohnt sich zu kämpfen und den Tieren und Insekten da draußen ein zu Hause und etwas zum fressen zu bieten! Das sehe ich inzwischen als unsere verdammte Pflicht. Wir tun das schließlich auch, guckt uns an, wir leben wie die Made im Speck, die halbe Menscheit isch "Schneggefett" :-)

Gartenarbeit ist natürlich auch gut für die Figur und man hat im wahrsten Sinne des Wortes was "geschafft". Man sieht am Ende eines harten Tages, nachdem Tonnen von Steinbrocken bewegt wurden etwas. UND!!! Es tut sich etwas und zwar verdammt schnell. Ihr glaubt gar nicht was ihr in nur EINEM Jahr erreichen könnt.

Verbannt eure elenden Thujen und Kirschlorbeeren, eleminiert euren toten Rollrasen-wer soll da leben?! Von den Gärten des Grauens mal ganz zu schweigen.....Schotterwüsten und dann noch mit den abgrundtief hässlichen Gabionen verziert......
Werdet Nazis - werdet Gartennazis, so wie ich :-)
Holt euch Leben in eure Gärten, selbst wenns nur eine unordentliche Ecke ist. Der Nachbar guckt dann blöd? Ha lasst ihn doch, die Zeit ist vorbei für bloß ordentlich. Natur ist nicht ordentlich und geometrisch auch nicht. Lasst einfach ein bisschen was zu und erfreut euch eurer neuen Mitbewohner, ihr müsst nur anbieten, der Rest geht ganz von alleine.

Vielfalt statt Einfalt.


Ich möchte an dieser Stelle Markus Gastl zitieren:

"Machen ist wie wollen, nur krasser"

In diesem Sinne, haut rein, es lohnt sich und wenns nur für die Kinder und Enkelkinder ist - denen hinterlassen wir nämlich unsere Welt wie se isch! Außerdem werden die "Jungen" euch bald unangenehme Fragen stellen. Die "Jungen" machens uns vor - Fridays for Future als Beispiel, ich schäme mich dafür!
Schämt euch mit, einen tollen Sommer und jede Menge Eingebungen und schöne Gartenerlebnisse und Geschichten wünsche ich euch ;-)

Magnus
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26 Kommentare
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Wolfgang Kynast aus Heilbronn | 27.03.2021 | 10:41  
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Magnus Diller aus Oedheim | 27.03.2021 | 12:44  
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Gudrun Vogelmann aus Bad Friedrichshall | 27.03.2021 | 12:46  
2.563
Magnus Diller aus Oedheim | 27.03.2021 | 12:48  
2.563
Magnus Diller aus Oedheim | 27.03.2021 | 12:51  
9.384
Anneliese Herold aus Oedheim | 27.03.2021 | 13:04  
7.556
Gudrun Vogelmann aus Bad Friedrichshall | 27.03.2021 | 13:13  
5.317
Michael Harmsen aus Weinsberg | 27.03.2021 | 14:04  
6.560
Daniela Somers aus Untergruppenbach | 27.03.2021 | 14:28  
2.563
Magnus Diller aus Oedheim | 27.03.2021 | 15:38  
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Daniela Somers aus Untergruppenbach | 27.03.2021 | 15:50  
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Magnus Diller aus Oedheim | 27.03.2021 | 16:05  
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Magnus Diller aus Oedheim | 27.03.2021 | 17:54  
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Tanja Blind aus Brackenheim | 27.03.2021 | 18:25  
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Magnus Diller aus Oedheim | 27.03.2021 | 19:42  
4.513
Heide Böllinger aus Bad Friedrichshall | 27.03.2021 | 19:59  
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Magnus Diller aus Oedheim | 28.03.2021 | 08:22  
9.104
Sigrid Schlottke aus Bad Rappenau | 28.03.2021 | 23:57  
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Magnus Diller aus Oedheim | 29.03.2021 | 08:17  
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Sigrid Schlottke aus Bad Rappenau | 29.03.2021 | 09:14  
2.334
Uschi Dugulin aus Neuenstein | 29.03.2021 | 20:31  
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Magnus Diller aus Oedheim | 30.03.2021 | 09:01  
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Uschi Dugulin aus Neuenstein | 30.03.2021 | 15:50  
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Magnus Diller aus Oedheim | 31.03.2021 | 09:30  
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Uschi Dugulin aus Neuenstein | 31.03.2021 | 18:06  
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Magnus Diller aus Oedheim | 31.03.2021 | 21:23  
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