Schmetterlinge -sie verschwinden

Russischer Bär an Wasserdost
 
Paarung vom Aurorafalter
 
Paarung des Hauechelbläulings an Gewöhnlichem Dost
Schwaigern: Bahnhof | Mittlerweile gibt es viele Untersuchungen zum Vorkommen und der Häufigkeit und dem daraus resultierenden Rückgang der Schmetterlinge. Für Naturfreunde ist es sehr schmerzlich, den Niedergang der meisten Arten von Tieren und Pflanzen in den letzten Jahrzehnten hinnehmen zu müssen. Es ist höchste Zeit, dass gegengesteuert wird. Kaum jemand ist entgangen, dass es weniger Schmetterlinge gibt und im Sommer fast nur noch Weißlinge, Tagpfauenaugen und Kleine Füchse vereinzelt in der freien Feldflur, zum Glück in besiedelten Gebieten noch etwas häufiger, unsere Augen erfreut haben. Anders als Mücken, Fliegen oder sogar Bienen sind Schmetterlinge gerne gesehene Insekten, an ihnen kann daher auch leichter eine Veränderung beobachtet werden. Mit wenigen Ausnahmen machen Schmetterlinge auch keine Geräusche, sie sind für uns Menschen nicht lebensnotwendig und ihr Verschwinden wird nur von wenigen Spezialisten besonders auffallen. Nur was wir kennen, schützen wir auch. Deshalb ist es sehr sinnvoll, wenn sich vor allem unsere Kinder mit ihnen beschäftigen können und nicht durch übertriebene Naturschutzgesetze daran gehindert werden. Auf meinen Schmetterlingsführungen führe ich daher immer mehrere Netze zum Fangen mit und lasse einzelne Kinder auch Falter mit dem Netz fangen. Die Schmetterlinge kommen unverletzt zum Bestimmen und Ansehen in ein Glas und werden danach wieder in die Freiheit entlassen. Seit 1980 ist der Beginn eines starken Rückgangs und eine Verarmung der Natur zu verzeichnen. In den Fluren hat seit 1970 die Häufigkeit nachtaktiver Schmetterlinge (und diese sind bei weitem in der Mehrzahl) um über 80 % abgenommen, die Artenvielfalt um mehr als 50 %. Selbst die Flurbereinigungen ab 1960 waren nicht die Hauptursache, obwohl die Kleinstrukturen, Ackerraine, Buschwerk und Baumgruppen beseitigt wurden. Bäche begradigt und noch bis dahin blütenreiche Wiesen durch Kanäle entwässert und seit 1970 überdüngt wurden. Durch die Flurbereinigungen war es aber den Landwirten möglich, großflächig Mais anzubauen und Dünger setzte den Blumen zu. Wenn unsere Wiesen mit Gülle und stickstoffhaltigem Dünger behandelt werden, ist das der Tod für unsere Blumen. Die Artenvielfalt hat sogar durch den in Monokultur großflächig angebauten Mais den bis dahin nicht vorhandenen Maiszünsler als Schädling zugenommen. Schmetterlingsraupen bekommen durch den Einsatz von Nitraten Durchfall und sind anfälliger für Krankheiten. Monokulturen verlangen einen stärkeren Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, die wie Insektizide die meisten Insekten töten oder ihnen zusetzen. Besonders ist hier auch das „Unkrautvernichtungsmittel“ Glyphosat zu erwähnen, durch das die Futterpflanzen für Schmetterlingsraupen mit ihrem Gift flächendeckend und radikal beseitigt werden. Durch den Einsatz von Herbiziden wächst nur noch die gewünschte Kulturpflanze. Pflanzenschutzmittel besonders gegen Insekten wie den Maiszünsler sind ja Gifte, die auch alle anderen Insekten töten. Es gibt aber auch auf unbesprühten Wiesen nur noch Allerwelts-Arten, da diese nur Einheitsgrün sind ohne Blütenpflanzen für Raupen und Schmetterlinge. Deshalb haben auch dort die Tagfalter drei Viertel ihrer Häufigkeit eingebüßt. Auffallend ist jedoch, dass die Schmetterlinge, deren Raupen auf Brennnesseln leben wie das Tagpfauenauge, der Kleine Fuchs und der Admiral seit ca. 40 Jahren nur um etwa 7 % abgenommen haben. Brennnesseln sind fast unverwüstlich und gedeihen sehr gut an Wegrändern. Auch das Landkärtchen ist noch in guter Zahl vertreten, dessen Raupen an der Unterseite von Brennnesseln auf Waldrändern heranwachsen. Ein wichtiger Faktor ist auch, dass viel Düngung mit Stickstoff die Pflanzen prächtiger gedeihen lässt und dadurch ungünstige Bedingungen für Pflanzen bietet, die es lieber magerer haben. Und diese Pflanzen sind besonders wertvoll für Schmetterlinge. Natürlich sorgt auch der Klimawandel zu Veränderungen im Bestand der Schmetterlinge, ebenso wie extreme Frostperioden im Winter oder eine nasskalte Frühjahrswitterung. Anders als in der ausgeräumten Feldflur mit monotonen großflächigen Äckern hat sich in unseren Wäldern weniger Negatives für unsere heimischen Schmetterlinge entwickelt. Deshalb können dort im Sommer noch relativ viele Kaisermäntel, Landkärtchen, C-Falter, Admiral und die besonders farbenprächtigen Russischen Bären an Disteln, Wasserdost und Korbblütlern gesichtet werden.
Seit 1995 starben mindestens 73 Schmetterlingsarten in Siedlungsgebieten aus und mindestens 19 Arten haben stark abgenommen, 92 Arten wurden erheblich seltener. 1840 gab es noch 117 Arten von Tagfaltern und Widderchen im Donautal, 2013 aber nur noch 71. Noch gravierender ist der Rückgang der Insekten insgesamt von 2685 Insekten im Jahre 1969 zu jetzt nur noch 123 Stück. Das sind knapp 5 Prozent Insekten (ohne Schmetterlinge) übrig geblieben. Das ist erschreckend und zugleich mahnend für uns alle. Schmetterlinge haben seit 1969 um 87 % abgenommen. Auch bei den Vögeln ist ein Rückgang zu verzeichnen, wobei wie bei den Schmetterlingen die Waldarten weniger stark rückläufig sind. Aber mehr als die Hälfte des Vogelbestandes in der Agrarlandschaft ist seit 1980 verschwunden.
Die Grünflächen in Städten und in unseren Gärten können, wenn diese nicht nur aus grünem Rasen oder als Schottergärten bestehen, mit heimischen Blumenmischungen eingesät werden. Schmetterlinge mit ihren Raupen danken es uns und dann nimmt auch die Vogelwelt wieder zu. Auch die Pflege dieser Flächen wie die von steilen Hängen, Dämmen und auch der Wiesen sollte sich nicht nach Sauberkeit und Schönheit ausgerichtet sein, sondern sollten z.B. die Wiesen nur zwei Mal im Jahr zur rechten Zeit, insbesondere erst nach Samenreife, gemäht werden. Lasst uns doch wieder Biotope in Gärten und Parkanlagen anlegen. Jeder Bürger kann hierdurch seinen Anteil beitragen. Wenn die Bewirtschaftung der Feldfluren durch unsere Landwirte nicht nur nach der Fläche subventioniert wird, sondern mehr dafür, was für den Naturschutz getan wird, dann würde es für die Zukunft unserer Natur und Umwelt noch Hoffnung geben, aber nur dann. Wo früher in den Fluren Lerchen sangen und Rebhühner und Hasen lebten, sucht man sie heute vergebens.
Martin Feucht, 1. Vorstand NABU Schwaigern u.U.
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Wander Gaby aus Heilbronn | 18.01.2018 | 22:53  
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