DER KULTURWANDERWEG JAGST: DIE SECHSTE ETAPPE VON KRAUTHEIM NACH HOHEBACH

Endlich Frühling auf dem Kulturwanderweg Jagst.
 
Burg Krautheim am frühen Morgen.
Nach dem Wintereinbruch der letzten Tage stand diese Etappe ganz unter dem Eindruck: „Endlich wieder Frühling“. Die Natur war am Dienstag eindeutig im Vorteil gegenüber der Kultur.

Es wurde fast ein Sommertag. Die krasse Umstellung des Wetters machte uns auf dieser Etappe, die mit einigen kräftigen Steigungen aufwartete, doch etwas zu schaffen. Vor allem auch, weil wir vom Etappenziel Hohebach nochmal zurück nach Dörzbach wanderten. Grund dafür war die Wallfahrtskapelle „St. Wendel zum Stein“, die leider nicht direkt am Kulturwanderweg liegt und nur aus der Ferne bewundert werden kann. Es sei denn, man wandert eben auf der anderen Seite Jagstaufwärts wieder zurück. So kamen am Ende ca. 17 Kilometer zusammen.

Bevor wir uns auf Schusters Rappen machten, fuhren wir in Krautheim noch hoch zur Burg. Der Tipp von Elke war Gold wert, hat er uns doch einiges an Zeit und Höhenmetern gespart. Elke war kürzlich auch in dieser Gegend unterwegs und hat einen tollen Bericht eingestellt. Den kann ich wirklich empfehlen.

Start der Wanderung war dann am Bahnhof Krautheim, wo aber längst keine Züge mehr fahren, sondern nur noch Busse. Auf halber Höhe unter der Burg verläuft der Weg parallel zum Hang. Die noch lichten Bäume ließen genug Sonne zum Genießen durch. Im Sommer ist es hier sicher sehr schattig und kühl.

Schon nach kurzer Zeit tauchte der berühmte „Kuharsch“ auf, die wachsende Quelle. So dachten wir jedenfalls. Zu Hause, beim Sichten der Fotos und beim Nachlesen über dieses Naturphänomen stellte ich fest, der eigentliche Kuharsch ist unterhalb des Weges, direkt an der Straße. So haben wir leider nur den Hintern von einem Kälbchen gesehen und fotografiert. :-)

Diese Kalksinter-Ablagerungen sind ein schönes Beispiel für die Kraft der Natur. Bis hier aber ein neues Pamukkale so wie in der Türkei entstehen wird, wird es wohl noch einige Millionen Jahre dauern.

Nach den Regenfällen der letzten Woche plätscherte überall herrlich klares und kaltes Wasser von den Hügeln hinunter in den Fluß, der sich schon über sein Ufer hinaus ausgedehnt hat. Wunderbar eine sumpfige Stelle mit blühenden Sumpfdotterblumen, wie man sie selten so zahlreich sieht und an den Hängen des Jagsttals breiten sich zur Zeit Teppiche von Schlüsselblumen aus. So viele habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen.

Am Altenberg wimmelte es schon von Schmetterlingen. Hier ist ein Biotop allererster Güte entstanden. Einige sehr seltene Tiere wie die vom Aussterben bedrohte Rotflüglige Ödlandschrecke sollen hier zu finden sein. Leider ließ sie sich nicht blicken. Vermutlich war es noch etwas zu früh im Jahr oder sie wartet auf Tanja. :-)

Der Kulturwanderweg ist auf der gesamten Etappe auffallend schlecht ausgeschildert. Im Zweifelsfall folgt man dem LT21 „Liebliches Taubertal“ und dem „Pfad der Stille“. Auf jeden Fall aber sollte man den GPX Track auf dem Smartphone dabei haben.

In Dörzbach verliert sich der Weg einige Male, hat man ihn wiedergefunden, führt er erst hoch in den Ort, um dann wieder über Treppen nach unten auf die Straße zu führen. Eine vollkommen unsinnige Wegführung, wegen vieler fehlender und schlecht angebrachter Wegweiser ein Ärgernis. In Dörzbach macht der Kulturwanderweg Jagst keinen Spaß. Hat man den Ort hinter sich gelassen, wird es aber wieder schön.

Nach vielen Trink- und Fotostopps kam St. Wendel zum Stein in Sicht. Dank Tele mußte ich den Weg nicht verlassen, schließlich wollten wir ja auf dem Rückweg auf der gegenüberliegenden Seite der Jagst direkt dorthin.

Schließlich erreichten wir Hohebach. Wir überquerten die imposante vierbogige Königsbrücke. Die Säule in der Mitte trägt das Monogram Friedrich des Ersten. Sie war einst eine der schönsten Brücken im Königreich Württemberg, so empfand es jedenfalls Karl Julius Weber, einer der bedeutendsten Schriftsteller Hohenlohes.

Leider war die Jakobuskirche geschlossen, gerne hätten wir uns die Fenster mit Motiven und Legenden aus dem Leben des Hl. Jakobus angeschaut.

So machten wir uns auf den Rückweg. Zum Glück ging es nun immer flach an der Jagst entlang. Nach 2 Kilometern das Highlight der Wanderung. „St. Wendel zum Stein“ ist eine hübsche kleine Kapelle, malerisch direkt an die Tuffsteinwand gebaut. Oft schon war sie Motiv der Heimatreporter hier auf meine.stimme.de. Über eine krumme und schiefe Felsentreppe geht es zu den oberen Grotten, wo man einen schönen Ausblick auf die Jagst und die Anlage hat. Dieser Ort strahlt eine wohltuende Ruhe aus und ist bestens auch für eine kleine Rast und zur inneren Einkehr geeignet.

Im Wald um die Kapelle duftete es unglaublich intensiv nach Knoblauch. Grund ist natürlich der Bärlauch, der hier üppig wächst. Ein Fest für die Nase.

Oberhalb der Kirche, mitten im Wald auf einer Lichtung, stehen die Schönhutlinden auf dem Festplatz der Sinne. Heute wie damals vor 163 Jahren wurden die frisch gepflanzten Linden mit einer Flasche Dörzbacher Wein angegossen. Mit prächtigem Erfolg wie man sieht. Was für ein wundervoller Ort für ein Fest.

Kurz vor Dörzbach machten wir noch einen kleinen Abstecher zum Eiskeller. In früheren Zeiten haben die Bewohner des Jagsttals dicke Eisbrocken aus der zugefrorenen Jagst gebrochen und hier in den natürlich kühlen Grotten deponiert. Im Sommer konnten sie dann herrliches, gut gekühltes Bier genießen. Heute sind die Grotten durch Gitter gesichert und Heimat für zahlreiche Fledermäuse.

In Dörzbach warfen wir noch einen Blick auf das idyllisch, mitten im Ort gelegene kleine Schloß Eyb. Jährlich findet hier die „Schubertiade“ statt, ein kammermusikalisches Festival mit einer besonderen Atmosphäre.

Schließlich brachte uns der Bus wieder zurück zum Ausgangspunkt der Wanderung in Krautheim. Wir waren 7 Stunden unterwegs, was mal wieder den vielen Fotostopps und der noch ungewohnten Hitze geschuldet war.
3
4
3
2
1 2
4
1 3
1 3
4
2
2
1 4
1
1
1 6
1
1 2
1 2
1 4
1 5
1 4
1 1
2
1 5
2 4
1 1
1 4
6
1 5
7
1
5
2 3
1 3
3
1 5
3 5
1 5
1
5
16
Diesen Autoren gefällt das:
Lesen Sie auch die Bildkommentare zum Beitrag
7 Kommentare
8.953
Michael Harmsen aus Weinsberg | 14.04.2022 | 21:49  
13.732
Anneliese Herold aus Oedheim | 14.04.2022 | 21:57  
11.268
Sigrid Schlottke aus Bad Rappenau | 15.04.2022 | 18:10  
8.953
Michael Harmsen aus Weinsberg | 15.04.2022 | 18:51  
11.268
Sigrid Schlottke aus Bad Rappenau | 15.04.2022 | 19:02  
10.950
Daniela Somers aus Untergruppenbach | 15.04.2022 | 20:16  
11.064
Gudrun Vogelmann aus Bad Friedrichshall | 18.04.2022 | 11:46  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.