Kirchen, Klöster, Kreuzwege. Unterwegs auf dem Eifel-Camino von Andernach nach Trier.

 
Start in Fornich
 
Liegt alles noch vor uns
Caminho Português? Nö. Eifel-Camino. So hätte die Überschrift auch lauten können.
Nachdem die Corona-Krise uns sämtliche Urlaubspläne um die Ohren gehauen hat, und wir die Wanderung auf dem Caminho Português absagen mussten, hatten wir schon sehr frühzeitig im Mai unsere Unterkünfte für den Eifel-Camino gebucht. Das war nicht verkehrt, denn die Hotels und Pensionen waren gut ausgebucht, zwar nicht mit Pilgern oder Wanderern, sondern mit Touristen aus Belgien, Deutschland und den Niederlanden.

Der offizielle Start des Eifel-Caminos ist ein paar Kilometer vor Andernach, dort, wo sich in früheren Zeiten das Dörfchen Fornich befand. Ein Teil des Ortes fiel den Bauarbeiten für die linksrheinische Eisenbahntrasse 1858 zum Opfer, der Rest musste dann dem Bau der B9 weichen. Dort wo die Kapelle von Fornich stand, die 1945 im Krieg zerstört wurde, steht eine Gedenksäule und markiert, sehr unauffällig am Straßenrand, den historischen Startpunk des Eifel-Caminos. Interessanterweise ist diese Geschichte in der Tourist-Info in Andernach nicht bekannt. Dort wurde uns Andernach als offizieller Beginn des Weges genannt.

Also wanderten wir zuerst von Andernach in Gegenrichtung zur Gedenksäule. Unterwegs befindet sich das sehr sehenswerte Schlößchen Namedy. Eigentlich nicht für die Öffentlichkeit zugänglich (laut Touri-Info in Andernach) waren die Tore der weitläufigen Parkanlage geöffnet und wir konnten den Park und die Anlage, sowie das Schloß von außen, besichtigen. Es kam dann jemand aus dem Schloß der uns auf besondere Installationen im weitläufigen Park hinwies, die wir uns unbedingt anschauen sollten. Also alles kein Problem. Für den Rückweg entschieden wir uns für den schweißtreibenden Weg über das Andernacher Hochkreuz.

Das Städtchen Andernach ist durchaus einen kleinen Kurzurlaub wert. Der berühmte Andernacher Kaltwasser-Geysir, die schöne Uferpromenade, ein von alten Häusern umrahmter Marktplatz, der mächtige Mariendom und einiges mehr machen Andernach zu einem lohnenswerten Ziel.

Für uns ging es weiter über den Ort Kruft zum Kloster Maria Laach. Eine beeindruckende, aus dem Hochmittelalter stammende Klosteranlage. Auch der perfekt organisierte Wirtschaftsbetrieb des Klosters war beeindruckend. Gärtnerei, Buchhandlung, Restaurant, Hotel und ein Biobauernhof mit Viehzucht. Als ich 3 Tage später mal die meine.stimme WEB-Seite aufrief, poppte eine Werbung vom Online-Shop Maria Laach auf. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Schön die Umrundung des Laacher Sees, übrigens der einzige Regentag auf der gesamten Wanderung. Wir mußten sogar die Ponchos rausholen. Ansonsten zeigte sich das Wetter auf dem Eifel-Camino 14 Tage lang von seiner besten Seite.

Weiter ging es zur schönen Stadt Mayen, der Heimat des großartigen Mario Adorf. Größte Sehenswürdigkeit der Stadt ist die Genovevaburg aus dem 13. Jahrhundert. Leider konnten wir in Mayen keinen Pilgerstempel ergattern. Hier müssen sich die Pilger nach den Öffnungszeiten der Gemeindeverwaltung richten. Wer Abends spät ankommt und Morgens wieder früh aufbricht hat halt Pech gehabt. Das kam übrigens noch öfter vor.

Der Weg bis Mayen war eher weniger prickelnd. Viel Straße und Teer, kaum Wald eher Äcker und Wiesen. Wer keinen Wert auf den kompletten Weg legt, könnte sich diesen Abschnitt sparen.

Ab der Mayener Jakobussäule wird der Weg dann schön, wild und auch einsam. Entlang kleiner Bäche und durch dichten Wald erreichen wir Monreal. Dieses idyllisch gelegene Örtchen erinnert uns mit seinen vielen Fachwerkhäusern an Bad Wimpfen.

Der Camino führte uns weiter über Kaisersesch, Lutzerath bis nach Bad Bertrich. Immer wieder stauen wir über die außergewöhnlichen Kirchen, selbst in den kleinsten Gemeinden. Mitten im Wald der Wallfahrtsort Maria Martental von schlichter Schönheit. Ein schöner Kreuzweg begleitet uns ein kurzes Stück, bevor wir wieder allein im Wald unterwegs sind.

Die Etappen haben es nun in sich, gut 20 Kilometer und 500 bis 600 Höhenmeter sind nun jeden Tag drin. Schließlich erreichen wir mit Wittlich wieder eine größere Stadt, wo wir unsere Vorräte auffrischen können. Überhaupt muss die Versorgung auf dem Weg gut geplant werden. Gaststätten oder Biergärten gibt es in den kleinen Orten entweder nicht oder sie sind gerade dann geschlossen, wenn wir vorbeilaufen (oder grundsätzlich geschlossen / nicht mehr in Betrieb). So mal eben wie in Spanien eine Bar zum zweiten Frühstück ansteuern, Fehlanzeige. Auch Geschäfte zum Einkaufen sind dünn gesät oder liegen nicht direkt am Weg. Ärgerlich ist die Versorgung mit Trinkwasser. In der Eifel gibt es fantastisches Wasser, aber keine Brunnen wo man seine Trinkflasche mal auffüllen kann. Das bedeutet Morgens alles mitschleppen, was man unterwegs am Tag braucht. Auf dem Camino Francés ist das deutlich einfacher und besser.

In Klausen, einem wichtigen Wallfahrts- und Kraftort, trifft der Eifel-Camino auf den Mosel-Camino und wir zum ersten mal seit 8 Tagen auf andere Pilger. Die spätgotische Wallfahrtskirche „ Maria Heimsuchung“ ist allein schon durch die Größe in diesem kleinen Ort ein beeindruckendes Bauwerk. Im Park neben der Kirche ein sehr schöner Kreuzweg.

Durch herrliche Eifellandschaft wandern wir weiter über Klüsserath nach Schweich. Hier haben wir einen fantastischen Ausblick auf die Mosel, die uns jetzt weiter bis Trier begleitet. Allerdings wird der Weg jetzt zum Schluß noch recht heftig, entschädigt aber immer wieder mit schönen Ausblicken auf die Mosel. Vor allem der Felsenweg oberhalb von Trier ist noch ein kleines Highlight.

In Trier steuern wir zuerst die Basilika St. Matthias, in der sich das einzigen Apostelgrab nördlich der Alpen befindet, an. Hier ist auch der Endpunkt des Eifel-Caminos. Im Pilgerbüro beim Dom gibt es dann noch die wohlverdiente Pilgerurkunde.

Über Trier selbst als Abschluss und Höhepunkt dieser Pilgerwanderung möchte ich nicht viele Worte verlieren, das haben schon andere vor mir und viel besser getan. Eine Stadt, geballt voll mit Geschichte, Kultur, Religion. Stammt doch der theoretische Vordenker von Sozialismus und Kommunismus, Karl Marx, von hier. Aus Trier, dieser erzkatholischen Hochburg: Ein Zufall - oder vielleicht auch nicht?

Trotzdem möchte ich zum Schluss noch den Dom St. Peter mit der direkt daneben liegenden Liebfrauenkirche erwähnen. Diese beiden Kirchen sind zutiefst beeindruckend und allein schon eine Reise nach Trier wert.

Egal ob als Pilger und Wanderer oder Tourist, die Eifel und ihre Städte sind absolut eine Reise wert. Vor allem in diesen Zeiten.
1
1
1
3
3
3
3
3
1
1
4
2
1
2
4
3
1 4
3
4
4
1
2
1
1
2
1 2
2
2
1
2
2
1 3
2
3
2
3
3
3
4
2
3
1
1
1 1
1
3
1
2 4
3
3
1 3
1 3
1 2
3
2 2
3
3
6
4
4
1
12
Diesen Autoren gefällt das:
Lesen Sie auch die Bildkommentare zum Beitrag
11 Kommentare
4.584
Sigrid Schlottke aus Bad Rappenau | 14.09.2020 | 18:11  
3.529
Angelika Di Girolamo aus Künzelsau | 14.09.2020 | 18:34  
515
Elke Pfeiffer aus Neckarsulm | 14.09.2020 | 20:54  
2.714
Anneliese Herold aus Oedheim | 14.09.2020 | 21:09  
4.134
Gudrun Vogelmann aus Bad Friedrichshall | 15.09.2020 | 10:16  
2.354
Michael Harmsen aus Weinsberg | 15.09.2020 | 15:03  
4.584
Sigrid Schlottke aus Bad Rappenau | 15.09.2020 | 15:27  
2.354
Michael Harmsen aus Weinsberg | 15.09.2020 | 15:35  
1.313
Montagswanderer Ellhofen aus Ellhofen | 16.09.2020 | 06:51  
2.499
Heide Böllinger aus Bad Friedrichshall | 16.09.2020 | 10:15  
2.354
Michael Harmsen aus Weinsberg | 16.09.2020 | 12:48  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.