Kultur und Natur. Unterwegs auf dem Kulturwanderweg Jagst.

Start in Neudenau am Friedhof mit schönem Blick auf die St. Laurentius Kirche und das Altstadt-Ensemble.
 
Die Kapelle St. Gangolf. Ziel der jährlichen Pferdewallfahrt im Mai.
Für den Wettbewerb Kocher-, Jagst- & Seckachtal habe ich meine Berichte über die zweite und dritte Etappe des Kulturwanderweg Jagst als Wandertipp zusammengefasst und leicht überarbeitet. Kein Wunder also, wenn den meisten dieser Bericht eventuell schon bekannt vorkommt. Beide Etappen zusammen sind etwa 26 Km. lang, können aber problemlos in Möckmühl geteilt werden.

Ausgangspunkt der Wanderung ist der große Parkplatz am Friedhof von Neudenau, von wo man gleich einen schönen Ausblick auf das idyllisch über der Jagst gelegene Städtchen hat. Überragt wird die schöne Altstadt von der Pfarrkirche St. Laurentius.

Schon nach wenigen Gehminuten erreichen wir die Wallfahrtskapelle St. Gangolf, die im Winterhalbjahr geschlossen und sonst auch nur Sonntags von 14:00 bis 17:00 Uhr geöffnet ist. Gruppen können auch einen Termin mit Führung buchen. Die Infos dazu findet man hier.

An den Eingangstüren fallen die vielen Hufeisen auf, die dort angenagelt wurden. Die Kapelle ist Schauplatz der Pferdewallfahrten, die in Mosbach ihren Anfang nahmen. Seit 1923 findet jährlich am zweiten Sonntag im Mai der Gangolfsritt zu Ehren des Heiligen Gangolf, der als Schutzherr der Reiter und Pferde verehrt wird, statt.

Der Weg verlässt nun das Tal und wir steigen langsam aber stetig hinauf auf die Ebene über der Jagst. Herrlich der Fernblick hier oben. Die qualmenden Schlote vom Kraftwerk Heilbronn, aber auch die Südzucker, wo zum Zeitpunkt der Wanderung die Zuckerrübenkampagne lief, und sogar der Dampf über dem Kühlturm in Neckerwestheim sind zu sehen und erinnern uns daran, es ist eine Wanderung in der Region, ganz nah an Zuhause.

Am steilen Rebhang von Siglingen machen wir Pause auf einer sonnenbeschienenen Bank mit Blick ins Tal. Die Seele baumeln lassen. Aber bald geht es weiter. Der Weg wechselt zwischen alten Streuobstwiesen, Äckern, Wiesen und schönen Waldstücken. Bald erreichen wir Schloss Domeneck. Das Schloss ist in Privatbesitz und nur von außen zu bewundern und so verhält es sich auch mit der Burganlage in Möckmühl. Wenigstens hat man von außen einen schönen Blick auf die Anlagen. Das entschädigt ein bisschen.

Bald schon taucht Möckmühl auf. Wir bekommen einen grandiosen Blick auf Altstadt und Burg. Hier könnte man die Wanderung beenden und von dem schönen Möckmühler Bahnhof zurück zum Auto fahren. Der Zug fährt ca. im Stundentakt.

Wir aber wollen noch einen Rundgang durch Möckmühl machen. Hinauf zur Burg mit Blick auf die schönen Fachwerkhäuser der Altstadt. Ein Bummel durch die Gassen, Möckmühl ist ein hübscher Ort, auch wer an eine Einkehr denkt ist hier richtig.

Um von Möckmühl wieder auf den Wanderweg zu kommen, muss man leider ein Stückchen an der Straße auf einem schmalen Bürgersteig laufen. Wenn dann ein breiter LKW kommt, zieht man lieber vorsichtshalber den Kopf ein. Nach ein paar Minuten haben wir den Weg und den Aufstieg in den Steilhang hinter Möckmühl erreicht. Mit jedem Schritt wird die Aussicht schöner. Vor allem der Blick zurück nach Möckmühl lohnt sich.

Entlang an Weinlagen und Streuobstwiesen geht es Richtung Ruchsen. Die schlichte evangelische Kirche ist der einzige Blickfang. Wenig spektakulär führt der Kulturwanderweg auf die Höhe über dem Tal. Ein Highlight der besonderen Art ist der Blick auf die 880 Meter lange und 80 Meter hohe Jagsttalbrücke bei Widdern. Ein Meisterstück des Straßenbaus. Ob sie in die Landschaft des romantischen Jagsttals passt, ist längst eine überflüssige Frage. Die Menschen dort zahlen einen hohen Preis für unser aller Mobilität.

Widdern ist die zweitkleinste Stadt in Baden-Württemberg. Schöne Fachwerkhäuser, das Gemmingensche Schloss und das Turmwächterhäuschen machen Widdern zu einem lohnenden Zwischenstopp.

Wieder führt uns der Weg entlang der Weinbergmauern hinauf auf die Ebene über dem Jagsttal. Leider ist der ununterbrochene Lärm von der Autobahn unser ständiger Begleiter. Entschädigt werden wir immer wieder mit schönen Aussichten in das Jagsttal. Der Kulturwanderweg Jagst, der Jakobsweg und der Martinusweg verlaufen hier gemeinsam. Wir bewegen uns hier auf historischen Pilgerpfaden.

Höhepunkt dieser Wanderung ist natürlich Jagsthausen, die Stadt des Götz von Berlichingen. Mit der Götzenburg, dem Roten Schloss und dem Weißen Schloss hat der Ort allerhand zu bieten. Dazu kommen die kleine, schlichte Jakobuskirche, das Römerbad und noch einiges mehr.

Wenn man Glück hat und das Burgtor offen ist, kann man auch einen kurzen Blick in den Burghof werfen. Eine sehr gut erhaltene Anlage. Das Museum ist leider in der kalten Jahreszeit geschlossen.

Schließlich besuchen wir noch die imposante Grablege der Freiherren von Berlichingen. Auch der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog ist hier beerdigt. Er war mit Alexandra Freifrau von Berlichingen verheiratet, der heutigen Burgherrin. Bescheiden wie er war, ist auch seine Grabstätte. „Es muss ein Ruck durch Deutschland gehen“ .
Dieses Zitat von ihm aus seiner Berliner Rede ist heute aktueller den je!

Für Jagsthausen sollte man also etwas mehr Zeit einplanen. Erste Adresse für Wanderer und Fahrradfahrer für eine Einkehr ist der Dorfladen. Zentral gelegen, im Sommer draußen im Schatten der Bäume, kann man hier regionale Produkte zu fairen Preisen genießen und sich für den Rückweg stärken.

Damit sind wir am Ende dieser Wanderung angelangt. Mit dem Bus geht es zurück zum Ausgangspunkt. Die Bus- und Bahnverbindungen waren bisher auf allen gelaufenen Etappen sehr gut. Wer also mal eine Abfahrt verpasst, muss selten länger als eine Stunde warten, und die ist in diesen sehenswerten Orten schnell, manchmal viel zu schnell, vorbei.

Wer die Originalbeiträge und andere Wandertipps nachlesen möchte, findet sie hier.
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2 Kommentare
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Gudrun Vogelmann aus Bad Friedrichshall | 14.04.2022 | 08:44  
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Bernhard Hopfhauer aus Neudenau | 14.04.2022 | 21:44  
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