Stadt der Kunst. Ein Bummel durch Güglingen.

Altes und Neues harmonisch vereint. Das Rathaus von Güglingen.
 
„Einigkeit macht stark – Persil bleibt Persil“. Bronze von Guido Messer. Mit ein bisschen Saharastaub. :-)))
 
„Lebensbaum„ von Ursula Stock im Rathaus.
Wer schon einmal in Güglingen war, dem sind sicher die vielen Kunstobjekte aufgefallen, die dort überall zu finden sind. Ich kenne kaum einen anderen Ort, vor allem nicht in der Größe von Güglingen, an dem moderne Kunst im öffentlichen Raum so vielfältig und nah an den Betrachter herangetragen wird.

Ich möchte die Leser zu einem Rundgang durch Güglingen einladen. Und um es gleich vorweg zu nehmen, alle Kunstwerke hier in diesem Bericht zu erwähnen und mit Fotos vorzustellen, würde den Rahmen dieses Freizeittipps für das Zabergäu bei Weitem sprengen.

Unseren gemeinsamen Bummel durch Güglingen wollen wir am Rathaus beginnen. Das Rathaus zeigt uns, wie Sanierung und Denkmalschutz heute eine Verbindung eingehen. Altes erhalten und neues integrieren. So sieht der Betrachter genau, was ist alt und was ist neu. Altes einfach nur zu kopieren, widerspricht der Auffassung von Denkmalschutz. Nicht jeder kommt mit diesem Konzept klar. Im Foyer steht der Lebensbaum aus Bronze von Ursula Stock und in der Oberen Etage das Textilrelief Tapisserie von Ritzi Jacobi.

Einigkeit macht stark – Persil bleibt Persil, diese Bronzearbeit von Guido Messer vor dem Rathaus von Güglingen gehört sicher zu den bekanntesten Objekten des Ortes. Auch hier auf meine.stimme.de wurden die 5 selbstbewssten, in die Ferne schauenden Damen schon oft gezeigt. Ein Glücksfall für uns, erst vor ein paar Tagen wurde das Kunstwerk nach einer „Schönheitskur“ wieder aufgestellt und glänzt nun in voller Pracht.

Gegenüber, neben alter Dorflinde und Kirche finden wir die Vier Jahreszeiten von Ursula Stock. Der immerwährenden Wandel, das Werden und Vergehen, den Zyklus des Lebens darstellend.

Nur ein paar Meter weiter erzählt uns Ralph Nieling mit seiner Skulptur die Geschichte von Daphne, die von Zeus in einen Baum verwandelt wurde.

Sinnigerweise finden wir im Eingangsbereich der Sparkasse den Tanz ums Goldene Kalb. Zwei Deckenmedaillone von Klaus Henning. Leider wurde uns dort das Fotografieren verwehrt.

Uns erstaunt eine aufgeplatzte Walnuss. Ein Werk aus Granit und Kalkstein von Jörg Failmezger. Ein Motiv, das verschiedene Deutungen zulässt.

Die imposanten Fachwerkhäuser, die Mauritiuskirche, das Römermuseum und das Rathaus bilden zusammen ein schönes Ensemble. Kirche und Museum heben wir uns für den Schluss unseres „Bummel durch Güglingen“ auf.

Im Areal Deutscher Hof begegnet uns ein seltsames Wassertier. Dieser kleine Bronzebrunnen von Wolfgang Knorr lässt den Betrachter schmunzeln. Kurz um die Ecke erschreckt uns Jürgen Goetz mit dem Güglinger Bacchus. Eine Bronzefigur, die uns den Gott des Rausches als eine gezeichnete Kreatur präsentiert.

Außerdem sind dort der Viergötterstein von Willmsen Kubach, die Keramikembleme von Lee Babel und eine Figurengruppe von Joachim Schmettau, integriert in eine Hausfassade, zu sehen.

Die berühmte Güglinger Uhr von Walter Giers. Leider spielt sie zurzeit keine Musik. Es gab da wohl Probleme mit dem Urheberrecht der Musikstücke. Das hat uns ein freundlicher Güglinger erzählt.

Im Zentrum des Areals steht der schöne Weinbrunnen von Ursula Stock. Über alles ließe sich hier tiefer gehend schreiben. Leider fehlt mir dazu der Platz in diesem Wettbewerbsbeitrag, da muß ich mich wiederholen.

Die stattliche Herzogskelter beherrscht den Platz. Früher wurde hier Wein gemacht und gelagert. Güglingen ist nicht nur Kunststadt, hier werden auch einige hervorragende Weine gekeltert, die zu meinen absoluten Lieblingen gehören. Sorry Weinsberg. Das Gebäude, heute Hotel und Restaurant, beherbergt im Inneren einige Wandmalereien von Ursula Stock. Außerdem sind das Relief Alpenglühen von Joachim Schmettau, die Bronzefigur Phalanx von Gunter Stilling, sowie eine Reihe von Keramik Kapitellen und ein Kachelofen ebenfalls aus glasierter Keramik von A.E. Faiss zu finden. Leider waren Hotel und Restaurant geschlossen, so dass wir auf diese Werke verzichten mussten.

Schließlich gelangen wir zum Adlereck und der Zehntscheuer. Dort vermissen wir die schöne Pillar-Uhr, die hier stand. Es lohnt sich der Blick nach oben. Gunther Stillings, Ikarus und Ursula Stocks Historischer Adler sind dann zu entdecken. Aber auch die kleinen Details sind sehenswert. Die Türgriffe an der alten Apotheke von Hans Nüblod sind so ein Beispiel. Auffälligstes Objekt dort ist sicher Der Wächter von Richard Heß. Eine mächtige, Respekt einflössende Bronzestatue.

Auf den ersten Blick witzig, aber wenn man genauer hinschaut, erschreckende Wirklichkeit. Arm und Reich von Guido Messer. Eine bittere Darstellung der Verhältnisse auf unserem Planeten.

Auch am Rande des Stadtkerns im Stadtgraben können wir uns eine Reihe von Kunstwerken erlaufen. Die Rostende Schüler von Heinz Rall, ein Granitobjekt von Josef Nadj, das eindringliche Objekt Die Vorsehung von Jozef Jankovič aus buntem Polyester und die Zeitschwangere von Wolfgang Knorr sowie der Trinkbrunnen von Ursula Stock.

Unglaublich interessant, was die Künstler sich bei diesen und natürlich auch all den anderen Werken gedacht haben, was sie ausdrücken und uns erzählen möchten. Ein Blick auf die Güglinger WEB-Seite lohnt sich. Dort wird kompakt und fundiert über diese Objekte berichtet.

Aber es geht weiter in Güglingen. Im Quartier Gartacher Hof gibt es noch einiges zu entdecken. Das verblüffendste Objekt war für mich der 9. Längengrad von Juraj Marth. Güglingen, Hamburg-Altona und Bückeburg sind unsichtbar durch den 9. Längengrad miteinander verbunden. Was für eine schöne Idee des slowakischen Künstlers. Leider befindet sich das Objekt im Foyer eines Pflegeheims, das wegen Corona natürlich nicht so ohne Weiteres betreten werden darf. So bleibt nur der Blick auf die symbolisch im Boden eingelassene Linie des 9. Längengrads.

Nachdem wir uns in der hübschen Pizzeria beim Areal Deutscher Hof mit italienischen Spezialitäten vom Feinsten gestärkt haben, machen wir uns auf zum Römermuseum.

Vorher kommt uns aber noch ein himmlischer Zufall zu Hilfe.

Der Mesner der Mauritiuskirche ist gerade vor Ort. Die Kirche ist normalerweise geschlossen. Durch die Vermittlung des freundlichen Herrn vom Römermuseum kommen wir doch noch zu einer kleinen Führung durch diese ungewöhnliche Kirche. Uns überrascht das Innere mit ihren Etagen und ihrer Funktionalität, sogar einen Aufzug gibt es. Außen Kirche, innen ein Begegnungs- und Kulturzentrum. Die schlichte und strenge Mauritiuskirche beeindruckt mit dem Palmtuch, einem von Heinz Rall initiierten Bildmosaik von 40 Künstlern. Überhaupt ist das Innere der Kirche außergewöhnlich und interessant. Vor allem die Glasfenster von Gerhard Dreher fallen uns hier ins Auge, aber auch das Kruzifix von Gunther Stilling über dem einfachen Altar.

Aber Güglingen hat noch mehr Überraschungen auf Lager. Das kleine, aber feine Römermusum mit einer verblüffend großen Anzahl an Exponaten, in anschaulicher und liebevoller Weise präsentiert ist ein weiteres Highlight auf unserem Rundgang durch Güglingen.

Wer Zeit hat und Lust hat kann noch nach Frauenzimmern und Eibensbach fahren. Auch dort gibt es noch so manches zu entdecken. Wir aber machen nun Schluß mit unserem „Bummel durch Güglingen“.

Ich möchte noch einen Dank an die freundlichen Güglinger Bürger aussprechen, die uns bei unserem Rundgang durch Güglingen oft unaufgefordert und aus freien Stücken angesprochen haben, um uns mit Informationen und Wegbeschreibungen zu helfen.

Offensichtlich ist man hier Menschen,
die orientierungslos mit der Kamera umherwandern gewöhnt. ;-)))

Besonders bedanken möchte ich mich bei Herrn De Gennaro vom Römermuseum, ohne den uns einige Türen verschlossen geblieben wären und wir vieles nicht gesehen hätten. Und auch bei Herrn Klaus dem Mesner der Mauritiuskirche für die exklusive Führung durch die Mauritiuskirche.

Und natürlich meine Entschuldigung an die Redaktion. Es ist wieder viel zu lang geworden.
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Heide Böllinger aus Bad Friedrichshall | 17.03.2022 | 22:38  
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Elke Pfeiffer aus Neckarsulm | 17.03.2022 | 23:20  
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Wolfgang Kynast aus Heilbronn | 17.03.2022 | 23:35  
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Gülay Sween aus Ingelfingen | 19.03.2022 | 17:28  
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Helmut Bender aus Heilbronn | 20.03.2022 | 09:28  
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Helmut Bender aus Heilbronn | 20.03.2022 | 10:28  
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Ulrich Seidel aus Lauffen | 20.03.2022 | 17:38  
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Gudrun Schickert aus Künzelsau | 21.03.2022 | 14:47  
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Helmut Bender aus Heilbronn | 21.03.2022 | 15:53  
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Michael Harmsen aus Weinsberg | 21.03.2022 | 17:43  
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Gudrun Schickert aus Künzelsau | 21.03.2022 | 19:25  
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