Weinsberger Stadtseetal - Artensterben und Biodiversität

Heile Welt, oder?
 
Schöne Aussichten?
Letzte Woche wurde Weinsberg im Rahmen "50 Wochen - 50 Orte" vorgestellt. Anlass für ein Rückblicke auf das vergangene Weinsberger Jahr: In den Sinn kamen mir Dinge wie Naturschutz, Artensterben und das Verschwinden der Insekten. Und was hat das alles mit meiner Stadt zu tun?

Beispiel Stadtseetal
Im Süden des Stadtgebiets befindet sich das 89 ha große Landschaftsschutzgebiet mit Bachläufen und ausgedehnten Wiesen, gesäumt von Wald und Weinbergen und ist als Erholungsgebiet beliebt. Die Stadt stuft es als ökologisch wertvoll ein. Das Tal wird intensiv landwirtschaftlich durch eine Schäferei genutzt und die Wiesen werden mehrmals im Jahr abgeweidet.

Bei meinen vielen Spaziergängen im Stadtseetal ist mir, in den letzten Jahren das zunehmenden Verschwinden von Singvögel und Insekten, aufgefallen. Nicht nur als makroaffiner Hobbyfotograph wie mich, ist dies sehr bedauerlich. Der Artenschwund, besser Artensterben ist offensichtlich, selten zeigen sich noch Vögel in diesem Idyll. 

Deswegen müsste man annehmen, dass die Stadt ein erhebliches Interesse daran hat, dieses Habitat zu schützen und alles Erdenkliche unternähme um dem Artenschwund entgegen zu wirken. Aber das ist enttäuschender weise nicht der Fall, im Gegenteil.

Aufreger
Im Frühjahr erblühen die Wiesen, Sträucher schlagen aus. Der Höhepunkt im Leben des Tals. Der Schäfer lässt seine Schafe die üppigen Weiden genießen. Die Wiesen sind nun abgeweidet und reichlich gedüngt. Übrig bleibt nur ein kleiner Blühstreifen rechts und links der Wege. Wildblumen lieben nährstoffarme Böden, was den Artenreichtum fördert. Man bedenke, eine abgemähte oder abgeweidete Wiese verringert den Insektenbestand um 90% und bedeutet fehlende Nahrung für unsere Vögel. Insekten sind für das Gleichgewicht der Ökosysteme unentbehrlich! Der Schäfer ist aber bedauerlicherweise auf diese Weiden über das ganze Jahr angewiesen.

Feldrandhygiene
Und jetzt kommt das, für mich nicht nachvollziehbares, Vorgehen der Stadtverwaltung: Die nicht von den Schafen abgegraste Vegetation, nun der letzte Zufluchtsort für Insekten, die dort Nahrung und Unterschlupf finden, die von vielen Schmetterlingsarten beliebte Brennnessel, die nun zur Nahrungsquelle unzähligen Raupen geworden sind, fällt nun der schwachsinnigen Feldrandhygiene zum Opfer. Jetzt wird alles, was noch blüht und gedeiht, längs der Flurwege abrasiert. Hecken - Nahrung, Nistplatz und Schutzraum für Vögel - werden vernichtet. Nun sind alle noch verbliebenden Blühpflanzen getilgt, nichts blüht mehr! Und da wächst auch nicht mehr viel nach. Auch andernorts sind Hänge und Randstreifen entlang den Straße von Hecken und Blühpflanzen befreit.

All das zu sehen machte mich traurig und auch etwas wütend. Zeigt dies doch, wie unsensibel die Stadt mit ihrer belebten Natur umgeht. Wie ich meine, fehlt ihr jegliches Verständnis für Natur-und Artenschutz, wie hier am Beispiel Stadtseetal zu beobachten.

2,5 Hektar Blühfläche
Es wäre doch so einfach, wenn rechts und links der Flurwege einen Blühstreifen von etwa 5 Meter erhalten bliebe, längs den Wegen die Weidenzäune entsprechend zurückgesetzt, so könnten wenigstens noch eine Blühfläche von mindestens 2,5 Ha gerettet werden.

Mal schauen, was das kommende Jahr bringt: Vielleicht kehrt in die Stadtverwaltung Herz und Vernunft ein und erkennt die Notwendigkeit sich für Artenvielfallt aktiv einzusetzen und lässt seine Großraummäher und Strauchschredder in der Garage.

P.S.
Wissenschaftler*innen der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, von iDiv und der Universität Kiel haben jetzt erstmals untersucht, ob eine vielfältige Natur auch europaweit das Wohlbefinden steigert.

„Europäer*innen sind besonders zufrieden mit ihrem Leben, wenn in ihrem Umfeld eine hohe Artenvielfalt vorherrscht"


Zehn Prozent mehr Vogelarten im Umfeld steigern die Lebenszufriedenheit der Europäer*innen demnach mindestens genauso stark wie ein vergleichbarer Einkommenszuwachs. Naturschutz sei daher eine Investition in menschliches Wohlbefinden, so die Forscher*innen.
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9 Kommentare
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Anneliese Herold aus Oedheim | 30.12.2020 | 09:45  
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Sigrid Schlottke aus Bad Rappenau | 30.12.2020 | 10:33  
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Michael Harmsen aus Weinsberg | 30.12.2020 | 16:19  
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Anneliese Herold aus Oedheim | 30.12.2020 | 17:42  
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Daniela Somers aus Untergruppenbach | 30.12.2020 | 20:48  
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Dieter Bauer aus Weinsberg | 30.12.2020 | 22:44  
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Dieter Bauer aus Weinsberg | 30.12.2020 | 23:23  
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Wandern mit d'r Gaby un em Erich aus Heilbronn | 31.12.2020 | 18:38  
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Gudrun Vogelmann aus Bad Friedrichshall | 11.01.2021 | 13:22  
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