Führung über den Jüdischen Friedhof in Ittlingen

„In Zeiten nationalistischer Parolen und rechtsextremistischer Angriffe auf die freiheitlich demokratische Grundordnung Deutschlands Zeichen der Toleranz und Solidarität zu setzen, ist heute wichtiger denn je.“, konstatierte Michael Hauk, Vorstandsvorsitzender des Heimatvereines Ittlingen e. V. bei der Begrüßung. Und ein solches Zeichen setzte der Heimatverein mit seiner nunmehr zweiten Begehung des Jüdischen Friedhofes in Ittlingen mit Michael Heitz, der ein wahrhaft ausgezeichneter Experte für Jüdische Geschichte im Kraichgau ist.
In einem kurzen interessanten Abriss berichtete zunächst der zweite Vorstandsvorsitzende Dr.Ulrich Kattermann den etwa 50 teilnehmenden Ittlingern, was über das Leben der Jüdischen Gemeinde in Ittlingen überliefert ist. Er hob dabei insbesondere das positive Miteinander der christlichen und jüdischen Bürgerinnen und Bürger von Ittlingen in der damaligen Zeit hervor.
Genau dies manifestiere sich auch in der Tatsache, dass die Jüdische Gemeinde 1887 in Ittlingen überhaupt die Erlaubnis erhalten hatte, einen eigenen Friedhof unweit des Ortskernes zu errichten. Und auch die Inskription der Namen der jüdischen Gefallenen auf der Gedenktafel des 1. Weltkrieges bezeuge die Integration in Ittlingen, ergänzte Michael Heitz.
Nach einem chronologischen Querschnitt über die Entstehungsgeschichte des Jüdischen Friedhofes mit seinen etwa 60 typisch jüdischen nach Osten ausgerichteten Grabsteinen vermochte es Michael Heitz tiefe Einblicke in den Totenkult und die Begräbniskultur der Juden zu vermitteln.
Dabei wies er auch darauf hin, dass die Verbrennung unzähliger Juden im Nationalsozialismus im Hinblick auf den Auferstehungsglauben der Juden „im Grunde doppelt schlimm“ gewesen sei, denn nach jüdischem Glauben ist nur bei Unversehrtheit des Körpers eine Auferstehung des Toten bei Erscheinen des Messias im Osten möglich.
Mit der Erläuterung der Symbolik und der Inschriften auf den Grabsteinen schloss Michael Heitz seinen Vortrag und resümierte, dass sich die Juden in Ittlingen ebenso wie die Christen als Ittlinger, Badener und Deutsche fühlten. Ein Appell an Toleranz und gegen Rassismus, der heutzutage mehr denn je Bedeutung hat.
Wir möchten uns auch an dieser Stelle nochmals herzlichst bei Michael Heitz für seine Bereitschaft, nun bereits zum zweiten Mal über den Jüdischen Friedhof zu führen, bedanken. Tanja Kirchgeßner
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