Maulbeerenernte in Rohrbach

Robin Rostan bei der Maulbeerernte
Eppingen: Verwaltungsstelle - Rohrbach | Der knapp 13-jährige Robin Rostan ist das jüngste Mitglied des Obst- und Gartenbauvereins Eppingen-Rohrbach. Der sehr naturverbundene Gymnasiast aus dem Oberderdinger Ortsteil Großvillars interessiert sich besonders für Maulbeerbäume und liebt deren köstliche Früchte, die das Aussehen von länglichen Brombeeren und den Geschmack von sehr süßen Rosinen haben. Seit Anfang Juli ist die Reifezeit im Kraichgau gekommen und so zeigte er in Rohrbach, wie die Früchte schnell und bequem zu ernten sind. Die Früchte reifen unterschiedlich und können über mehrere Wochen geerntet werden. Rostan zeigte eine Methode, die schon seine französischen Vorfahren anwandten. Unter den Baum wird ein Regenschirm gespannt und durch kräftiges Astschütteln fallen die jeweils reifen Früchte hinein. Natürlich verfärben sich beim Verzehr die Hände, deshalb spießt er die einzelnen Früchte beim Direktverzehr mit einem Zahnstocher auf. Rostans Großvillarer Stammeltern sind Jacques Roustan und Anne Marie geborene Canel. Im Frühjahr 1699 kamen die Glaubensflüchtlinge der Glaubensgemeinschaft der Waldenser, deren Glauben auf Petrus Waldes (1140-1217) beruht, nach Württemberg. Sie pflanzten zahlreiche Maulbeerbäume zur Züchtung und Ernährung von Seidenspinnerraupen an, die wertvolle Seide liefern sollten.
Der Maulbeerspinner ist ein unscheinbarer Nachtfalter, dessen Raupe zur Verpuppung einen Kokon spinnt. Der Faden eines Kokons kann bis zu 3.000 Meter lang werden. Die Raupe ernährt sich von den Blättern des Maulbeerbaumes. Bereits vor Beginn des 2. Weltkrieges wurden an der Süd- und Ostseite des Rohrbacher Schulhauses Maulbeerstrauchhecken als Seidenraupennahrung angepflanzt. Zur Herstellung eines Fallschirms wurden etwa 15.000 Kokons gebraucht, die Kokons wurden per Paket an eine Fabrikation geschickt. Im Schulhaus wurde die Züchtung von den Schülern der Rohrbacher Volksschule versorgt und gepflegt.
Die Blätter mussten täglich frisch gepflückt werden.
Einer der Schüler war der langjährige Vorsitzende des OGV Rohrbach, Heinrich Jonitz. Als Pilot eines Messerschmitt Me109G2-Kampfflugzeugs war er im August 1944 in einen Luftkampf südlich von Marseille verwickelt. Hierbei erhielt seine Maschine einen Motortreffer, wobei heißes Öl auf sein Sichtfenster spritzte. Er katapultierte sich mit dem Schleudersitz aus der Maschine. Die Tragfläche der trudelnden Maschine trennte ihm ein Bein ab. Besinnungslos am Fallschirm hängend fiel er ins Mittelmeer. Behutsam zogen ihn französische Fischer aus dem Wasser und gaben ihn nach der Erstversorgung an Land bei einer deutschen Einheit ab. Als Dank wurde ein französischer Kriegsgefangener entlassen. Mit einer Beinprothese versehen flog Heinrich Jonitz schon wenige Monate später wieder Kampfeinsätze im Großraum Berlin zur Verteidigung seines Vaterlandes.
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