Das ehemalige Forstgefängnis in Bönnigheim

Ehemaliges Forstgefängnis Bönnigheim; Heute Museum Sophie La Roche; Bild: Heidrun Lichner
Beim Stammtisch des Zabergäuvereins im „Ochsen“ in Güglingen-Frauenzimmern erlebten knapp 40 Zuhörer einen spannenden Vortrag über den Wald im 19. Jahrhundert und über die forstliche Rechtsprechung und den Umgang mit Wilderern und Forstfrevlern. Burkhard Böer, Revierförster aus Bönnigheim, hat sich gründlich und kompetent damit auseinandergesetzt.
Im Barock war den Bauern und Bürgern das Recht auf die freie Jagd entzogen. Im Mittelwald wurde durch Holz-, Laub- und Moosnutzung der Waldboden ausgelaugt. Die Holzentnahme lag weit über dem Holzzuwachs. Hinzu kamen große Katastrophen, vor allem als durch den gewaltigen Ausbruch des Vulkans Tombora in Indonesien bei uns ein Temperaturrückgang und Missernten einsetzten. In dieser Not bediente sich die arme Bevölkerung überall dort, wo es etwas zu holen gab, u.a. auch im Wald. Wild- und Holzdiebstähle, widerrechtliches Zusammenrechen von Laubstreu führten dazu, dass etwa um 1870 um die 3000 Fälle von Waldfrevel abgeurteilt werden mussten. Ein Forstmann aus Bönnigheim berichtet, dass er 2 Tage pro Woche brauche, nur um Geldstrafen oder Haft im Forstgefängnis zu verhängen. Erst die Erfindung des Kunstdüngers, die Zufuhr von Steinkohle mit der Bahn und die Industrialisierung brachten nach und nach einen Rückgang des Waldfrevels. sz

Eingestellt von: Heidrun Lichner
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