Heilbronner Jugendkulturarbeit auf dem Prüfstand

Mehr HipHop und Breakdance gewünscht

Was erwarten Heilbronner Jugendliche von der städtischen Kulturarbeit? Dieser Frage sind sieben Schüler des Karlsruher Heisenberg-Gymnasiums während des laufenden Schuljahres nachgegangen. Ihre Resultate haben die Gymnasiasten einer städtischen Kulturarbeitsgruppe unter dem Titel „Culture for You“ vorgestellt. Einstimmiger Tenor: Die Stadt Heilbronn bietet viel, könnte aber noch mehr.

Punkte sammeln fürs Abitur

Mit der Bearbeitung und Präsentation des Themas „Erwartungen der Jugendlichen an die Kulturarbeit der Stadt Heilbronn“ können die Zwölftklässler bereits Punkte für das Abitur sammeln. Damit ersetzen die Gymnasiasten ihr fünftes Prüfungsfach. Drei Stunden in der Woche trafen sie sich. Bei Bedarf bezogen die Schüler ihren Lehrer Ulrich Schmitz mit ein. Die Idee, Projekte bereits in der Schulzeit zu erarbeiten, stammt vom Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie. Die Lern- und Lehrmethode „TheoPrax“ soll die Abiturienten auf die Zukunft in Studium und Beruf vorbereiten. Das Fraunhofer-Institut möchte mit dieser Methode Schülern und Studenten auf allen Stufen ihrer Ausbildung soviel praktisches Wissen wie möglich mitgeben. Im Angebots-Auftrags-Verhältnis wird die Wirtschaft mit der Ausbildung verzahnt. So können die Interessenten aus einer Liste von Themen das passende aussuchen. Die Karlsruher hatten sich für das Heilbronner Projekt trotz der Entfernung entschieden. Die Teilnehmer bekommen abschließend nicht nur Noten, sondern auch ein Zertifikat für die Bewerbungsmappe.

Ablauf der Untersuchung

Die Zielgruppe der Untersuchung waren die 14- bis 21-jährigen Heilbronner. Dazu haben sich die sieben Karlsruher in einem ersten Schritt mit dem Ist-Zustand der städtischen Kulturarbeit vertraut gemacht. Im Anschluss daran entwickelten sie in Zusammenarbeit mit dem Städtischen Schul-, Kultur- und Sportamt Fragebögen. Mit einer eigens programmierten Software wurden die 554 Fragebögen, die von jungen Heilbronnerinnen und Heilbronner ausgefüllt wurden, ausgewertet. Anschließend führten die Schüler noch Interviews mit Mitarbeitern dreier Heilbronner Jugendhäuser. Aus den gewonnenen Resultaten haben die Schüler Handlungsempfehlungen für die Stadt Heilbronn abgeleitet.

Wohin gehen die jungen Heilbronner?

Grundsätzlich sind die 14- bis 16-Jährigen am zufriedensten mit den Kulturangeboten der Stadt. Das Kino ist die bevorzugte Location zum Weggehen, gefolgt von den Diskotheken; dagegen korrelieren die Kneipen und Cafés vor allem mit dem zunehmenden Alter.

Am meisten wünschen sich die Befragten mehr Events wie Live-Konzerte und altersgerechte öffentliche Veranstaltungen. Speziell den 16- bis 18-Jährigen ist eine Verbesserung des öffentlichen Verkehrsnetzweges wichtig. Und die noch Jüngeren wollen mehr Sportplätze für Skater und Biker. Auch im Vergleich Stadt und Stadtteile fallen deutliche Unterschiede auf: In der Innenstadt ist der Wunsch nach mehr Events ausgeprägt, während die Jugendlichen aus den Stadtteilen an erster Stelle die Verbindungen des Heilbronner Nahverkehrs verbessern wollen.

Handlungsempfehlungen für die Stadt Heilbronn

Aus den gewonnenen Informationen haben die sieben Gymnasiasten verschiedene Handlungsempfehlungen für die Jugendarbeit der Stadt entwickelt. Vor allem sollten das Theater und die Städtischen Museen attraktiver gemacht werden. 41 Prozent der Befragten kannten das Theater beispielsweise nur von Schulbesuchen. Würden auch HipHop- oder Breakdance-Aufführungen in das Programm mitaufgenommen, wäre die Hemmschwelle für weitere Besuche niedriger. Auch die Museen sollten sich den Anforderungen besser stellen und gezielte Veranstaltungen anbieten, um die Jugendlichen in ihre Räume zu locken. Interessant wären nach Meinung der Karlsruher Schüler Mitmachausstellungen zum Beispiel mit „Jugend forscht“-Exponaten – eine Idee, deren Realisierung bekanntermaßen mit dem Science Center im Hagenbucher in greifbare Nähe gerückt ist.
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