Kirche bremste 68er-Bewegung aus

Prof. Dr. Johanna Rahner erklärte, warum Veränderung in der Kirche notwendig ist und wie sie gelingen könnte. (Foto: Thomas Seitz)
„Sich beugen und zeugen", proklamierten Teilnehmende am Essener Katholikentag 1968 ihren Unmut zur „Pillenenzyklika“. Doch während Fortschrittswillige in der Kirche heute noch auf Granit beißen, entlockte die 68er-Bewegung dem damaligen Bundeskanzler Willy Brandt das Bekenntnis: „Mehr Demokratie wagen“. Die Tübinger Theologieprofessorin Johanna Rahner erläuterte beim jüngsten Dachbodengespräch der Kolpingsfamilie Oedheim die festgefahrene Situation der katholischen Kirche, die der Moderne seit dem 19. Jahrhundert eine Gegenwelt inszeniert. Fortschrittliche Ansätze aus dem 2. Vatikanischen Konzil werden weiterhin abgeblockt. Gleichberechtigung der Frauen und demokratische Abstimmprozesse bekommen keinen Platz in der Kirche. Die laut Augustinus „ecclesia semper reformanda“ -stets zu reformierende Kirche - wurde zur Versteinerung, wenig beeindruckt von Warnungen seitens der Wissenschaft. Rahner zitierte ihre Vorkämpfer: zum Beispiel Heinrich Fries in seinem Essay Leiden an der Kirche: „Glaubensinhalte sollen vermittelt werden mit der Wirklichkeit der Welt.“ In einer fortgeschrittenen Welt beobachtet Rahner jedoch Tendenzen, „Demokratieverachtung in die DNA der Kirche einzupflanzen“. Die Zeit für die Kirche, auf Verlust von Glaubwürdigkeit und Einfluss zu antworten, werde knapp.
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