Vortragsprogramm startete spannend mit der "Tochter aus Elysium"

Eine breite Zuhörerschaft folgte dem Persephone-Mythos und seinem umfassenden Niederschlag, den er bis hin zu Schiller und Beethoven fand. (Foto: Enrico De Gennaro)
 
Referent Frank Merkle und der Proserpina-Altar aus Güglingen. (Foto: Enrico De Gennaro)
Güglingen: Römermuseum |

Der erste Begleitvortrag zur aktuellen Sonderausstellung „Göttliche Pflanzen: Antike Mythologie. Christentum. Islam“ erfuhr eine überaus breite Resonanz. Als Referent beleuchtete der profunde Mythenkenner Frank Merkle das Thema „Die Tochter aus Elysium – Demeter, Persephone und ihre Bedeutung in der Pflanzenmythologie der Antike“.

Güglingen stehe mit diesem Mythos in besonders enger Verbindung, wie Museumsleiter Enrico De Gennaro in seiner Einführung betonte: So sei ein hier gefundener Altar für Proserpina, wie man Persephone in römischer Zeit nannte, und der stilistisch zudem noch italischen Vorbildern folgt, eine ausgesprochene Seltenheit. Nicht zuletzt sei dies auch der Anlass gewesen, vor einigen Jahren zum Persephone-Mythos ein illustriertes Kinderbuch zu veröffentlichen.

In seinen Betrachtungen ging Frank Merkle zunächst auf den Mythos um die griechische Fruchtbarkeitsgöttin und deren Tochter ein. Persephone, die in die Unterwelt entführt wurde und schließlich durch einen Kompromiss zwischen Hades und Zeus alljährlich zu Beginn des landwirtschaftlichen Jahres zu ihrer Mutter zurückkehren konnte, damit diese die Pflanzenwelt erneut zu neuem Wachstum antreiben solle, kann dabei vielschichtig gedeutet werden: So gibt der Text oberflächlich betrachtet eine Erklärung für die Entstehung der Jahreszeiten. Zudem kann man ihn auch so auslegen, dass er sich mit Demeter auf eine vorgeschichtliche Frau bezieht, die mit großen Verdiensten um die Kultivierung des Getreides in archaischer Zeit in Verbindung steht.
Tiefer betrachtet zeigt der Mythos um Persephone aber vor allem den Kreislauf der Natur aus Werden und Vergehen auf. Die Menschen verehrten mit der Göttin die in der Natur wohnende Kraft des Lebens, die stets aufs Neue erwacht und durch ihre Fruchtbarkeit das Leben auf der Erde erneuert. Hiervon abgeleitet gab sie somit den Menschen auch Hoffnung auf eine Erneuerung ihres individuellen Lebens nach dem Tod.

Dass die unterschiedlichen Deutungsmöglichkeiten des Mythos bereits in der Antike angewandt wurden, verdeutlichte Merkle anhand der Kultpraxis: So bezogen sich die drei verschiedenen Feiern für Demeter in allen ihren Tempeln im griechischen Raum sowohl auf deren Zuständigkeit für das Gedeihen der Pflanzenwelt (speziell des Getreides) als auch auf die Fruchtbarkeit der Frauen. Interessant war hierbei, dass es aufgrund der Termine der Feste naheliegt, dass die Zeit, in der man sich die Natur tot vorstellte (oder Persephone alljährlich in der Unterwelt verharrte), in Griechenland die trockenen Sommermonate und nicht etwa die Wintermonate waren. Außerdem beinhalteten die im Herbst gefeierten Thesmophorien die Aufnahme der heranwachsenden Mädchen unter die heiratsfähigen. Speziell in ihrem wohl bedeutendsten Tempel in Eleusis bei Athen wurden Demeter und Persephone aber für ein von diesen verliehenes Leben nach dem Tod im paradiesischen Jenseitsort der Eleusinischen Gefilde verehrt. Die Hoffnung hierauf wurde von den zahlreichen Menschen, die sich in den Mysterienkult in Eleusis einweihen ließen, von der ständigen Wiedergeburt der Pflanzenwelt nach der sommerlichen Dürreperiode abgeleitet.

Abschließend – und bei diesem Thema natürlich unausweichlich – wurde der Einfluss des Mythos auf Schillers „Ode an die Freude“ und Beethovens 9. Sinfonie beleuchtet.
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