Das zurzeit schönste Feld der Region: Der Blaumohn bei Erlenbach

Stefan Kerner inmitten seines Blaumohns. Auf vier Hektar baut er dieses Jahr Mohn an. Angefangen hat der Landwirt damit vor zwölf Jahren – mit einer kleinen Versuchsfläche bei seinem Hof, der Erlenbacher Ölmühle. Foto: Ekkehart Nupnau
 
Noch ist die Mohnsaat in den Kapseln weiß. Bald wird sie blaugrau sein. Foto: Ekkehart Nupnau

Der Anblick dieses Ackers ist einmalig:  Stefan Kerner baut rund um Erlenbach auf vier Hektar Blaumohn an und presst die Saat zu Öl. Die Community hat dazu beigetragen, dass heute ein Artikel darüber in der Heilbronner Stimme steht.

Was für eine Pracht! Blassviolette Blüten, beinahe so weit das Auge reicht. Doch der Anblick an der Landesstraße 1101 bei Erlenbach ist ein sehr vergänglicher. Nur einen einzigen Tag lang blüht eine Blaumohnblume. Eine gute Woche dauert es, dann ist der Acker von Stefan Kerner wieder grün und die Blütenpracht verwelkt. Nochmal fünf Wochen später beginnt für den Landwirt die eigentliche Arbeit: Dann erntet er die Mohnsaat und macht Öl daraus – als einziger weit und breit.

Aktfotos

In gepresster Form ist Mohn ein guter Begleiter für die Grillsaison – zum Beispiel für Rohkostsalate oder zu Tomate-Mozzarella. Außerdem, findet Stefan Kerner, rundet das Öl Shakes und Smoothies geschmacklich ab. Doch derzeit erfreuen sich die Menschen eher am Anblick der Blaumohnblüten. Immer wieder in diesen Tagen schicken begeisterte Leser Fotos an die Heilbronner Stimme oder luden Sie auf meine.stimme hoch. Nicht nur sie sind angetan. Stefan Kerner von der Erlenbacher Ölmühle weiß, dass auf seinem Acker schon Hochzeits- und Aktbilder gemacht wurden. Auch Schwangerenbäuche wurden fotogen zum Blaumohn in Beziehung gesetzt.  Wogegen der Diplom-Agraringenieur nichts einzuwenden hat, im Gegenteil. Bewusst sät er jeden Herbst einen Teil seines Mohns für die Ernte des Folgejahres an eine verkehrsreiche Stelle. "Das ist die beste Werbung für uns." Aber nicht nur das. "Ich will auch Freude an der Landwirtschaft vermitteln und ein Bewusstsein dafür wecken." 

Was eigenes 

Dass er nach dem Studium 2005/2006 heim wollte auf den elterlichen Betrieb mit Getreide und Weinbau, stand für den jungen Mann außer Frage. Klar war für ihn aber auch: "Ich wollte etwas Eigenes einbringen." Was in dieser klimatisch begünstigten Gegend nicht einfach war – Spargel oder Erdbeeren gab es längst. "Ich wollte auch etwas, bei dem man keine Kollisionen mit Kollegen hat."

So stieß Stefan Kerner im wahrsten Sinne auf Öl. Mit Rapsöl ging es los, schon bald kamen Kürbiskern-, Hanf-, Walnuss- und Leinöl dazu – und eben Mohnöl. Auf 35 Hektar baut der 37-Jährige mittlerweile Ölkulturen an. Der Familienbetrieb firmiert unter Erlenbacher Ölmühle und hat Verkostungen und Seminare im Portfolio. Das Kerner’sche Öl wird in knapp 80 Verkaufsstellen vertrieben. Sogar in Hamburg oder am Bodensee ist es zu haben.

Bundesopiumstelle

Dass der Vater zweier Töchter Blaumohn anbauen darf, hat er der Bundesopiumstelle in Bonn zu verdanken. Ja, eine solche gibt es, Bopst abgekürzt, und sie muss den Anbau genehmigen. Schließlich gehört Kerners Blaumohn botanisch zum Schlafmohn und fällt als solcher unter das Betäubungsmittelgesetz, wie er erläutert. Aber: "Er ist nur sehr schwach opiumhaltig."

Das hat sich in gewissen Kreisen offenbar herumgesprochen. Früher seien öfter Mohnkapseln abgeschnitten worden. "Mittlerweile hält es sich in Grenzen." Und weiter: Die geerntete Saat, die später zu Öl verarbeitet wird, "hat nicht mal ein Tausendstel des Opiumgehalts der Pflanze im grünen Zustand". Dennoch: Ein Mohnanbauer könnte ja auf dumme Gedanken kommen – deshalb muss Kerner der Bopst melden, auf welchen Flurstücken er welche Mengen erntet. Auch das Drogendezernat in Heilbronn muss informiert sein.

Reife

Fünf Wochen nach der Blüte, Anfang/Mitte Juli, sind die derzeit weißen Mohnkörner in den Kapseln blaugrau geworden. Wenn es in der ausgetrockneten Kapsel rasselt, sobald ein Wind geht, weiß der Landwirt: Er muss den Mähdrescher starten, die Saat ist reif. Auf dem Hof werden die Körnchen mit Luft und Sieben gereinigt. Frühestens nach vier Wochen wird die Saat gepresst. Beim Pressen entsteht Wärme – es dürfen nur nicht mehr als 40 Grad sein. "Nur dann gilt das Öl als kaltgepresst. Nur dann bleiben die Vitamine und Fettbegleitstoffe erhalten."

Zahlen und Fakten

Stefan Kerner hat viele Zahlen parat: "In einer Mohnkapsel sind bis zu 2000 Samen." Das sind pro Kapsel bis zu 1,2 Gramm Mohnsaat. "Somit benötige ich 800 bis 850 Kapseln für ein Kilo Mohn." Um einen Liter Öl zu erhalten, braucht der Landwirt 2,7 Kilo Mohn – 2160 bis 2300 Kapseln pro Liter. 2019 produziert er etwa 1700 Liter Mohnöl. 


Text von HSt-Redakteurin Anja Krezer 

Hier einige Links zu den Bildern und Texten der Heimatreporter: 
- Schnappschuss von Uschi Pohl: hier
- Beitrag von Wander Gaby: hier
- Schnappschuss von Moni Bordt: hier
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Cindy Weidmann aus Forchtenberg | 13.06.2019 | 00:41  
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