Erstes HVG-Konzert mit neuem Dirigenten begeistert das Publikum

Der neue Dirigent Vitali Neifert (hier mit dem Freizeitorchester) gab seinen musikalischen Einstand beim Harmonika-Verein e.V. Grossbottwar-Oberstenfeld.

Beim großen Unterhaltungskonzert im Oberstenfelder Bürgerhaus standen Musiker und Dirigent vor ihrer ersten gemeinsamen Bewährungsprobe. Und sie haben sie mit Bravour gemeistert. Auch der Akkordeon-Nachwuchs überzeugte.

Unter dem Motto „Musik ist Trumpf“ durfte der 1. Vorsitzende Julian Weinmann am vergangene Samstag die rund 200 Gäste zum Konzert begrüßen und ihnen den neuen Dirigenten Vitali Neifert vorstellen, bevor er das Mikrophon an Ulrich Staudenmaier weiterreichte. Der Leiter der MAKS-Musikakademie in Großbottwar, freute sich über die Einladung des HVG und die Aufgabe erstmals als Moderator durch die Veranstaltung zu führen. Dies tat er sympathisch, locker und kurzweilig. Immer wieder zeigte er sich tief beeindruckt und staunend: „Echt toll! Wie wahnsinnig vielseitig das Akkordeon doch ist“.

Die Youngsters eröffneten den Abend schwungvoll mit dem südamerikanischen „Llorando se fue“, besser bekannt als „Lambada“. Den ersten Glanzpunkt setzte das Ensemble aus fünf jungen Erwachsenen aber mit ihrem zweiten Titel. Das aufgrund der ständig wechselnden Tempi sehr anspruchsvolle „Bella ciao“ wurde gekonnt und mit dem nötigen Ernst, ja fast etwas „trotzig“ vorgetragen. Somit wurden die Musiker auch der besonderen Bedeutung des Liedes gerecht (Versionen von "Bella ciao" werden weltweit als Freiheitshymne gesungen). Das Publikum quittierte die sehr gute Leistung mit viel anerkennendem Beifall.
Mit den Akkordeon-Rackern nahmen dann die jüngsten Künstler auf der Bühne Platz. Diese von der Akkordeonlehrerin Susanne Winkler geleitete Spielgruppe setzt sich aus Kindern zusammen, die durch die erfolgreiche Kooperation des Vereins mit den Grundschulen in Kleinbottwar, Großbottwar und Oberstenfeld Freude am gemeinsamen Musizieren gefunden haben. Sie schlugen mit einen munteren Walzer musikalische „Purzelbäume“ bevor sie bei ihrem zweiten Stück „Im Galopp“ schon recht flott ihre Finger über die Tasten hüpfen ließen. Stolz strahlten die Gesichter, als der verdiente Beifall erklang.
Als ein Höhepunkt des Abends darf der Auftritt des Schülerorchesters mit ihrer Dirigentin Susanne Winkler gelten. Die ebenfalls noch sehr jungen Spieler*innen stellten ihr bereits beachtliches musikalisches Können beeindruckend unter Beweis. Zunächst mit zwei Sätzen aus der „Open Air Modern Suite“ von Hans-Günther Kölz, bei denen ihnen sehr gut der Wechsel zwischen dem flotten „Ragtime“ und dem gefühlvollen „Song“ gelang. Begeistert hat das Publikum aber vor allem der mit viel Power und Schwung fetzig gespielte „Rockshop“, komponiert von Jürgen Schmieder. Beim anschließend gemeinsam mit den Akkordeon-Rackern vorgetragenen „Jingle Bells“, stimmte das Publikum fröhlich singend und klatschend mit ein. Die insgesamt 19 Kinder füllten dabei auch optisch die Bühne aus. Ein schönes Bild, welches dem 1. Vorsitzenden Weinmann besonders gut gefiel, „Der Nachwuchs ist die Zukunft des Vereins!“

Das Jugendorchester unter der Leitung von Kristin Steinhübel, knüpfte mit seiner ebenfalls ausgezeichneten Vorstellung nahtlos an die gute Stimmung an. Mit „Y.M.C.A.“ dem Nummer-eins-Hit der Band Village People, „Besame Mucho“ dem weltberühmten Song der mexikanischen Musikerin Consuelo Veláquez und Billy Joels „Uptown girl“ trugen sie zu einer rundum gelungenen ersten Konzerthälfte bei.

Dann betrat Vitali Neifert erstmals die HVG-Konzertbühne. Vor einem halben Jahr hat der 49-Jährige den Taktstock beim Freizeitorchester und beim 1. Orchester übernommen. Mit viel Gefühl führte er die Musiker mit dem Dirigentenstab durch das Programm und lieferte ein bemerkenswertes Debüt ab. Und mit ihm die Musiker, die ihm mit offensichtlicher Freude und höchstkonzentriert folgten.

Zunächst das Freizeitorchester, welches für das Publikum einen ganz besonderen Hörgenuss vorbereitet hatte: „Samorin“ - eine schöne, exotische Komposition von Tony Jabovsky die in fantasievoller, kreativer Weise orientalische Melodien und jamaikanische Rhythmen vereint. Diesem eher unbekannten Titel setzte das Orchester Dimitri Schostakovitschs berühmten „Walzer Nr. 2“ entgegen Mit diesen beiden Stücken, gekonnt vorgetragen, gelang dem Orchester ein meisterlicher Auftritt, der in Erinnerung bleiben wird.

Nach der Pause brillierte das 1. Orchester mit der „Caribbean Fantasy“, den Melodien des Filmklassikers „Fluch der Karibik“ und riss die Zuhörer mit. Leise, gefühlvoll vorgetragene Passagen wechselten sich mit schnellen Rhythmen ab und endeten in einem grandiosen Finale. Sichtlich gelöst, nach diesem grandiosen Beginn, spielten die Akkordeonisten bei „Elton John in Concert“ frei auf. Locker und leicht erklang dann auch „Hello, Dolly“, die Titelmusik aus dem gleichnamigen Musical aus den 60ger Jahren. Hierbei dirigierte Neifert seine Musiker auf der Bühne und lenkte gleichzeitig das Publikum hinter seinem Rücken beim rhythmischen Klatschen. Mit der „Stevie Wonder Hit Collection“ höchst anspruchsvoll arrangiert von Wolfgang Russ, lief das Orchester schließlich nochmal zur Höchstform auf und wurde mit großem Applaus gewürdigt. Eigentlich sollte das launige Zugabe-Stück „Tie a yellow ribbon“, zudem sich alle Akteure des Abends vor der Bühne versammelten, das Konzert beenden, doch das Publikum forderte mit anhaltendem Beifall eine weitere Zugabe ein. Darauf war das Orchester nicht vorbereitet - lies aber spontan zum endgültigen Abschluss nochmals die mitreißende Schlusssequenz des Stevie-Wonder-Medleys erklingen.

Klar, dass in den Gesprächen nach dem Konzert die teils hervorragende Leistung der Musiker und der neue Dirigent Thema waren. „Der Abend war ein Genuss“, meinte eine Konzertbesucherin, „man merkt auch, der neue Dirigent ist mit Leib und Seele dabei.“ „Wir sind auf einem guten Weg“, betonte der 1. Vor sitzende Julian Weinmann lächelnd. Das Konzert bewies es. „Das macht Lust auf mehr“, verabschiedete sich ein anderer Gast. Damit kann der HVG dienen: Die Freunde der Akkordeonmusik dürfen bereits jetzt auf das klassische Konzert am 9. Mai 2020 gespannt sein.
www.hvgonline.de

Stephanie Knorpp, Schriftführerin
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