Leserbrief zum Artikel vom 13.02.2019 "mit dem Wolf leben lernen"

Erfreulich in dem Artikel die offene Art des Herrn Enssle. Gleich im ersten Absatz wird die bisherige Behauptung, beim Wolf handele es sich um aus dem Osten Europas zugewanderte Exemplare, richtiggestellt durch den Terminus „Wiederansiedlung“. Durch diese Offenheit lösen sich auch so einige Rätsel im Zusammenhang mit der Ausbreitung des Wolfes – zum Beispiel das Ergebnis der Untersuchung eines überfahrenen Wolfes, der erstaunlicherweise komplett durchgeimpft war gegen Staupe und Tollwut. Was bei einem zugewanderten Exemplar doch ziemlich ungewöhnlich sein sollte.
Mal ganz davon abgesehen, dass das Auswildern von Wölfen und anderen Wildtieren ohne besondere Erlaubnis der Behörden illegal ist – unter anderem verboten durch die Bestimmungen des BJG §28 Abs. 3 + 4 sowie den § 37 des württembergischen, grünen Jagd- und Wildtiermanagementgesetz – ist das einfache Schaffen von Fakten nicht ohne Risiko. Weide-Viehalter wie Schäfer und andere werden aufmerksam beobachten, wann und ob überhaupt jemals eine Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufnehmen wird wegen dieser illegalen Wiederansiedlungen. Und werden ihre Schlüsse draus ziehen. Wer einfach Fakten schafft, ohne Rücksicht auf die Belange anderer, ist klar im Vorteil. Für den Natur- und Artenschutz allerdings wenig förderlich. Es könnten sich andere ermutigt fühlen, nun ihrerseits in die Wildtierbestände einzugreifen, positiv wie negativ – einfach Fakten schaffen.
Die Biber, die mittlerweile in respektablen Beständen Kocher und Jagst bevölkern, stammen ebenso aus illegalen Auswilderungen in den siebziger Jahren bei Kelheim an der Donau. Haupttäter damals, nach eigenem Bekunden, war ein Hr. Dr. Andreas Grasmüller, später Präsident des deutschen Tierschutzbundes. Auch er wurde nie dafür belangt. Da zu dieser Zeit kein Zugang zu endemischen, europäischen Bibern z.B. aus der Elbe existierte, wurden einfach nordamerikanische Biber ausgesetzt.
Auch hier – einfach Fakten geschaffen, ohne Rücksicht auf die Interessen anderer Beteiligter. Ein Erfolgsrezept, ohne Zweifel.
Zum Schluß sei noch die Bemerkung gestattet, dass mittlerweile alleine im Bundesland Brandenburg mehr Wölfe leben als in ganz Skandinavien. Und in Skandinavien hat man dazu gelernt, im Umgang mit dem Wolf.

Daniel Gernhardt, Öhringen
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2 Kommentare
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Tom Schulze-Helmke aus Neckarsulm | 14.02.2019 | 13:06  
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Wolfgang Kynast aus Heilbronn | 16.02.2019 | 17:35  
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