Auf Socken ans Schwarzwild

Die Semiarteilnehmer begutachten die Wildschäden im brusthohen Roggen.
 
Seminarleiter Max Götzfried zeigt die unterschiedlichen Fraßspuren von Wildschwein, Reh und Hase im Roggen.
Nach wie vor ist die Afrikanische Schweinepest eine große Bedrohung für unsere Schweinezüchter und die heimische Wildschweinpopulation. Ob und wann sie in unseren Breiten wüten und erheblichen wirtschaftlichen Schaden verursachen wird, weiß niemand. Sollte sich der Virus auch bei uns verbreiten, so ist ein reduzierter Schwarzwildbestand von großem Vorteil. Die Jägerschaft wurde von der Politik den Bauern- und Jagdverbänden aufgerufen, stärker denn je in die Wildschweinbestände einzugreifen. Sauenjagd bedeutet für die Jäger und Förster verstärkte Nachtarbeit und ein möglichst effektives Jagen mit guten Wildstrecken. Die Ansitzjagd auf die Wildschweine ist für viele das Mittel der Wahl aber es geht durchaus noch besser. Die nächtliche Pirsch auf Sauen bringt, professionell durchgeführt, deutlich mehr Jagderfolg, verlangt aber ein besonderes know how. Der Frankfurter Jäger Max Götzfried ist ein anerkannter Profi in Sachen Pirschjagd auf Sauen. Er gab hierzu bereits einige gute Tipps in Artikeln, die er in verschiedenen Jagdzeitschriften veröffentlichte. Zudem veranstaltet er bundesweit Seminare über diese besonders reizvolle und effektiven Art der Wildschweinjagd.

Jens Lederer, stellvertretender Hegeringleiter vom Hegering 1 der Jägervereinigung Kreis Heilbronn e. V. hatte auf den 5. Juli 2019 zu einem Seminar mit Max Götzfried eingeladen. Dr. Gundolf Freiherr von Houwald und Jacqueline Freifrau von Houwald stellten für den theoretischen Teil des Seminars den Park des Hipfelhofs und für den praktischen Teil ihren angrenzenden Eigenjagdbezirk zur Verfügung gestellt. Um 16 Uhr begann die Theorie. Götzfried informierte dabei auch über weniger bekannte Eigenheiten und Vorlieben des Schwarzwilds und das Erkennen der Fraßspuren verschiedener Wildtiere in den Feldfrüchten. Er informierte über die Besonderheiten seiner Jagdmethoden auf das wehrhafte Wild und stellte verschiedene zugelassene Geräte der Wärmebild- und Nachtsichttechnik vor, die das Auffinden und das genaue Erkennen der Schweine – ob Muttersau oder Keiler - in der Nacht deutlich erleichtern. Für Frischlinge führende Wildschweine besteht absoluter Schutz. Dass das Angehen der Wildschweine in Wald und Feld möglichst geräuschlos erfolgen muss, ist selbstverständlich. Götzfried hatte deshalb die Seminarteilnehmer gebeten, dicke Wollsocken und lange Unterhosen mitzubringen. Die Wollsocken sorgen für ein nahezu lautloses Gehen im Sommer und auch bei Schneelagen. Lange Unterhosen sind äußerst geräuscharm, was man von der allermeisten Jagdbekleidung nicht wirklich behaupten kann. Dies kann von entscheidender Bedeutung sein, denn die Wildschweine hören, wenn sie nicht gerade im gerade beim Fressen sind, sehr gut. Die 14 Teilnehmer und der Seminarleiter machten sich gegen 23 Uhr auf die Nachtpirsch. Götzfried überprüfte gleich zu Beginn unangekündigt die Laufgeräusche der Teilnehmer mit ihren Schuhen auf dem Feldweg. Natürlich gab es hier Korrekturbedarf. Man pirschte gut zwei Kilometer auf Feldwegen und entlang von Waldrändern. Das Umfeld wurde regelmäßig mit der Wärmebildkamera abgesucht und versucht, verdächtige Geräusche des wehrhaften Wildes zu vernehmen. Sein siebter Sinn ließ Max Götzfried ein am Hang gelegenes Wäldchen umgehen. Auf der Höhe angekommen, sah die Gruppe etwa 100 Meter unterhalb auf dem frisch gemähten, Ackerrandstreifen ein einzelnes Wildschwein stehen, dass das Gras nach Mäusen und Insekten absuchte. Götzfried deute der Gruppe an, stehen zu bleiben. Er entledigte sich seiner Schuhe und näherte sich auf Socken bis auf rund 30 Meter dem Schwein. Mit der Wärmebildkamera konnte er gut erkennen, dass es sich um einen Keiler handelte. Die Seminarteilnehmer beobachteten ebenfalls durch Wärmebildkameras wie Götzfried sich langsam dem Tier näherte und es dann zielsicher erlegte. Das Seminar erhielt mit der Erlegung des Wildschweins seinen krönenden Abschluss. Die Teilnehmer konnten viele gute Tipps mit nach Hause nehmen und es ist zu wünschen, dass sich das frisch erworbene Spezialwissen schon bald in der jagdlichen Praxis bewährt. Jens Lederer bedankte sich bei Max Götzfried für das auf allen Ebenen gelungenen Wildschwein-Pirschseminars. Die Seminarteilnehmer waren sich einig: Das Pirschjagdseminar ist die beste Empfehlung für eine besonders spannende und effektive Wildschweinbejagung und eine gute Empfehlung an die Jägerschaft sich ebenfalls das umfassende Spezialwissen von Max Götzfried anzueignen.

Autor: Hans Peter Schmitt
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