Goldener Herbst

Der Herbst färbt die Blätter bunt.
 
Herbstlaub im Wald.
Wer sich gerne in der Natur bewegt, schätzt die Besonderheiten aller vier Jahreszeiten: den Frühling, mit seinen frischen Farben und seiner Blütenpracht, den Sommer, mit seiner hoch stehenden Sonne, die wärmt und das Gemüt erhellt genau so wie die wohltuende Frische in den Wäldern, den Herbst mit seiner Farbenpracht und seinen geheimnisvollen Herbstnebeln und der Winter, mit seinen hübschen Eiskristallen und pulvrigen Schneelandschaften.
Erlebt man den Herbst an einem sonnigen Tag, mit blauem Himmel und etwas Wind, so kann man sich, mit etwas Glück, auf das Ereignis „Herbstgold“ freuen, wenn gelbe Buchenblätter im Gegenlicht, vom Herbstwind durcheinandergewirbelt, auf den Waldboden tanzen. Der Anblick gleicht den blitzenden Blattgoldblättchen einer geschüttelten Flasche von Danziger Goldwasser.
Die strahlende Sonne bringt die bunte Blattgesellschaft mit ihren grünen, gelben und rotbraunen Farbnuancen unglaublich schön zum Leuchten. Es ist ein gewaltiges Farbenspiel das Staunen lässt und einen farbexplosiven Schlusspunkt im Wandel der Jahreszeiten setzt. Unentschlossene Blätter in grün und gelb klammern sich noch an dünne Äste, vergeblich. Anders die Blätter der jungen Rotbuchen. Sie färben sich rotbraun und harren aus bis sie im Frühjahr von den neuen Blatttrieben endgültig und unbarmherzig abgestoßen werden. Auffallend und fast etwas wichtigtuerisch im Herbstwald erscheint die auffallend kräftige Purpurfarbe der Blätter der Elsbeere. Sie kommt im Wald nicht häufig vor und möchte vielleicht deshalb nicht übersehen werden.
Streicht der Wind durch den Wald, so setzt er ein das „Herbstwaldorchester“ in Gang. Reife Eicheln knallen auf Äste und verschwinden anschließend raschelnd im Laub. „Bimm, Bamm, Bumm“ ertönt es stakkatoartig, wenn der Wind die Äste schüttelt und die braunen Früchte auf morsche Äste prallen.
Der Waldboden ist jetzt übersät von Bucheckerhüllen, Bucheckernsamen und Eicheln. Der Tisch ist nun für die Waldbewohner reich gedeckt. Eichelhäher und Eichhörnchen verstecken jetzt aufgeregt ihre Lieblingskost unter dem Laub im lockeren Waldboden. Wildschweine fressen sich grunzend und genüsslich schmatzend weißen Feist an. Würmer, Larven und so manche unvorsichtige Waldmaus ergänzt ihren üppigen Speiseplan. Auch die Rehe und das Rotwild lieben die frischen Eicheln und fressen sich den Speck an, den sie im kommenden Winter dringend brauchen. Marienkäfer aller Gattungen, Einheimische und Zugereiste, rennen auf sonnenbeschienenen Baumstämmen scheinbar zielgerichtet hin und her als würden sie noch rasch etwas erledigen wollen, bevor die kalte Jahreszeit anbricht. Regen macht den Waldboden lebendig. Pilze in allen Formen und Farben suchen sich dann ihren Weg durch das herbstliche Laub, das jetzt reichlich den Boden bedeckt. Die füllen jetzt den Pilzsammlern ihre Körbe und garantieren ihnen zuhause ein köstliches Mal.
Der Herbst ist auch die Zeit, in der die Jagdhörner erklingen. Der Wald wird durch den Blattfall durchsichtig und ermöglicht den Jägern einen guten Überblick. Die Regulierung des Wildbestandes ist wichtig, wenn der vom Menschen gepflanzte junge Wald wachsen soll. Es wäre auch nicht im Sinne des Schöpfers, unsere heimischen Wildtiere allein dem Werden und Vergehen zu überlassen. Sie sind ein besonders wertvoller Teil der menschlichen Ernährung und ihr Fleisch schmeckt einfach köstlich. Viel zu schade, sie allein dem Fuchs, dem Wolf und den Raben zu überlassen. Durch den häufigen Aufenthalt in „ihrem“ Wald sind die Jäger der Natur näher als so mancher Stadtbewohner und Stubenhocker. Sie schaffen sich selbst das Privileg, die Natur und die Jahreszeiten besonders intensiv zu erleben. Nur was man gut kennt, kann man auch schätzen.

Autor: Hans Peter Schmitt
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