NABU-Gartentipp: Mehr blühenden Wildwuchs wagen

„Unkräuter“ als Insektennahrung und für die Küche – Nistplätze für bodenbrütende Arten

Wildkräuter, lange als „Unkraut“ beschimpft, werden nicht nur in der Küche als vitamin- und geschmackreiche Alternativen gefeiert – sie sind auch in immer mehr naturnahen Gärten willkommen. Bei einem Rundgang lassen sich viele Wildpflanzen entdecken, die für uns essbar und zugleich sehr nützlich für viele Insekten sind. Vor dem schnellen Griff zum Unkrautstecher, um unerbetene Pflanzen mitsamt ihrer Wurzel loszuwerden, lohnt sich deshalb ein Blick auf die nützlichen Seiten der Überraschungsgäste.

Blühende Wildpflanzen sind, je nach Art der Blüte, nicht nur bei Honigbienen und Wildbienen aller Größen beliebt. Auch Schmetterlinge, Käfer und Schwebfliegen schwärmen für Löwenzahn, Kriechenden Günsel, Gänseblümchen, Wiesenklee, Akelei, Gundermann oder Brennnessel. Wildbienen nutzen einige Blüten als Schlafplätze. Die Holzbiene, Baden-Württembergs größte Wildbienenart, fliegt vor allem auf Schmetterlings- und Lippenblütler, wie Natternkopf oder Platterbse. Scherenbienen sind im Vergleich dazu winzig und auf die Blüten von Glockenblumen und Hahnenfuß spezialisiert. Ihren Namen verdanken sie den kräftigen, scherenartigen Mundwerkzeugen, mit denen die Weibchen Nahrung zerkleinern und Baumaterial transportieren.


Kunterbunt statt eintönig grün – Artenvielfalt statt Rasen

Wer Rasen liebt, muss viel für seine Pflege tun und wird dafür mit einheitlichem Grün belohnt. Doch oftmals wäre ein überschaubares Stück Grün als Spielfläche oder Platz für den Gartentisch völlig ausreichend. Mehr Pflanzenvielfalt und damit Nahrung für Insekten und Vögel bietet eine Grünfläche, die einfach mal sich selbst überlassen wird. Rasenmäher, Unkrautstecher und Vertikutierer dürfen dann im Schuppen bleiben. Die blühende Natur samt passender Bestäuber lässt nicht lange auf sich warten. Was man braucht, ist etwas Geduld, geschenkt bekommt man mehr Zeit und Natur im Garten.

Darf der Rasen verwildern, wandern Löwenzahn, Ehrenpreis, Spitzwegerich, Schafgarbe oder Klee aus der Umgebung ein. Diese Pflanzen sind zudem schmackhafte Wild- und Heilkräuter. Eine wilde, blühende Wiese braucht maximal drei Mal im Jahr gemäht zu werden. Wege durch die Wildnis kann man kurz halten. Werden verblühte Pflanzen, etwa von Margeriten oder Glockenblume, geschnitten, blühen sie ein zweites Mal. Weil Wildkräuter den Boden bedecken und in heißen Sommern vor dem Austrocknen schützen, spart man wertvolles Gießwasser. Gibt es offene Bodenstellen, können bodenbrütende Wildbienenarten wie Schmalbienen oder die Gelbbindige Furchenbiene einen Nistplatz finden. Einige der Wildbienenarten, die in unserem Garten vorkommen, nutzen auch Nisthilfen aus Holz, Lehm oder Pflanzenstängeln.

Aktiv nachhelfen: Wildblumenflecken und -wiesen einsäen

Mehr bunte Vielfalt erreicht man auch gezielt und schneller – mit Wildblumenmischungen. Dafür wird an der gewünschten Stelle die oberste Rasenschicht samt Wurzeln entfernt und eine heimische, mehrjährige Saatgutmischung ausgebracht. Die dort entstehende Pflanzengemeinschaft besteht im Idealfall für viele Jahre, bedeutet zu Beginn aber Mehraufwand. Nach Dürreperioden lassen im Boden schlummernde Samen, mit geeigneten Temperaturen und Niederschlägen, die Flächen wieder erblühen.



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2 Kommentare
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Anneliese Herold aus Oedheim | 06.05.2022 | 09:33  
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Uschi Dugulin aus Neuenstein | 06.05.2022 | 16:59  
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