Thomas Fuchs: "Die Kunst, einen Kaktus zu umarmen"

Dr. Thomas Fuchs an der Freien Schule Anne-Sophie
Künzelsau: Freie Schule Anne-Sophie |

Der Schwäbisch Gmünder Kinder- und Jugendpsychologe Dr. Thomas Fuchs ist ein international anerkannter Experte, der erneut mit einem interessanten Vortrag in der vollbesetzten Aula der Freien Schule Anne-Sophie in Künzelsau sprach. Er zog die Parallele zu den GroKo Verhandlungen und meinte, "dass das Thema Pubertät sicherlich noch mehr hergibt und er es Gott sei Dank verstanden hat, das Wesentliche auszuwählen!"

Nach der Begrüßung durch Angelika Schmidt grenzte Dr. Thomas Fuchs die aktuelle Jugendsprache von früheren ab und machte deutlich, dass die Abgrenzung der Jugendlichen für deren Entwicklung von höchster Bedeutung ist. "Das Leben mit pubertierenden Kindern ist ein Projekt," meinte er provozierend und wechselte zu neueren Erkenntnissen der Gehirnforschung und der Gewissheit, dass das Gehirn der Jugendlichen formbar ist.

"Viele Kinder dürfen heute viel zu früh viel zu viel"

Diese Aussage sorgte für eine besondere Aufmerksamkeit. Doch zunächst ging er auf die körperlichen Veränderungen ein. Diese führen zu Unsicherheiten und zu prekären Situationen. "Diese Unsicherheiten erfordern Gespräche und Verständnis," erklärte er an internationalen Forschungsbeispielen. Die Basis dafür ist der Weg zur Abgrenzung, ein Ritual, das zu dieser Altersstufe gehört. "Sie können als Eltern nicht Kumpel sein, eher ein Gegenspieler, der auch einem Streit nicht ausweicht," ist seine klare Aussage. Klinisch besorgniserregend in dieser Phase sind die beiden Extreme "Pubertätsexzesse" und "Pubertätsaskese". Dabei ging der Psychologe auf die anstehenden Veränderungen bei Eltern und Kindern ein. Ablösung, Zukunftsperspektive aber auch Orientierung an der Familie sind wesentliche Merkmale dieser Altersstufe.

Risikofaktoren für psychische Störungen

Beeindruckend schilderte er Folgen unterschiedlichen Erziehungsverhaltens. Zu viel Strenge verglich er mit zu viel Großzügigkeit und beschrieb dies mit eigenen klinischen Erfahrungen. Dazu kommen die Freunde, die Clique, die Schule aber auch sozialen Erfahrungen. Sehr viele Folgeprobleme kommen laut seinen Aussagen vom Alkohol- und Drogenmissbrauch. Wissenschaftlichen Ergebnissen zufolge, muss heute mit der Tatsache gelebt werden, dass sich diese Probleme auf beide Geschlechter gleich aufteilen. "Es ist wunderbar, wie offen Dr. Thomas Fuchs dieses gesamte Feld an praktischen Beispielen wissenschaftlich aufbereitet und uns Eltern bewusst macht," sagte ein Vater anerkennend.
Dr. Thomas Fuchs verstand es an diesem Abend, die Eltern, Lehrer, Erzieher dafür zu begeistern, in das Thema Pubertät einzutauchen. Dabei standen die Sozialisierung, das Konsumverhalten, die Spaßgesellschaft aber auch die Mediennutzung und das familiäre Umfeld im Blickpunkt der Ausführungen.
Beeindruckend waren zum Abschluss die praktischen Anregungen zum Elternverhalten während der Pubertät. Sicherlich waren diese ein Schlüssel zum Nachdenken und ein Tor in die Realität. "Öffnen Sie durch gemeinsame Strategien dieses Tor zum richtigen Zeitpunkt, um selbstständig zu werden. Ihr bewusstes Verhalten und Ihre Einstellungen sind der Schlüssel zum Wachstum!" beendete er unter übermäßig starkem Beifall, seine Anleitung "einen Kaktus zu umarmen".
Für die Freie Schule Anne-Sophie waren die hohe Beteiligung und der Beifall die Bestätigung, allen an der Erziehung Beteiligten Themen zu bieten, die gemeinsame Bestrebungen unterstützen und fundierte Hilfen geben.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.